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Jugendforscher zu Corona-Maßnahmen: „Die jungen Leute werden ungeduldig“

  • Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann beobachtet bei jungen Menschen eine wachsende Ungeduld.
  • Sie münde etwa darin, dass Jüngere sich weniger an Corona-Maßnahmen halten.
  • Dagegen sei die Impfbereitschaft hoch – ein positives Signal, das von Verantwortlichen aufgegriffen werden sollte.
Alice Mecke
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Hannover. Ausbleibende Partys, fehlende Kontakte, Homeschooling und die große Ungewissheit: Jugendliche haben es in der Corona-Pandemie nicht leicht – und zunehmend werden sie ungeduldig. Das beobachtet der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann, der an der Hertie School of Governance in Berlin mit dem Schwerpunkt Jugend-, Bildungs- und Gesundheitsforschung arbeitet. Hurrelmann erarbeitete unter anderem die Studie „Junge Deutsche 2021“, in der auch nach dem Verhalten und der Einstellung junger Menschen in der Corona-Situation gefragt wurde.

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Maßnahmenbereitschaft ist geringer geworden

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Im Interview mit der „Neuen Presse“ (NP) moniert er, dass es bei den Jugendlichen zu einer gewissen Maßnahmenmüdigkeit gekommen sei: „Aus unseren Studien geht klar hervor, dass sich zu Beginn der Pandemie 73 Prozent der unter 30-Jährigen konsequent an alle Einschränkungen, Restriktionen und Abstandsregeln gehalten haben, ein knappes Drittel tat dies nicht.“

Vor vier Wochen wurde die Befragung wiederholt und die Werte seien „schlechter“ geworden. Auf zwei Drittel sei die Zahl derer gesunken, die sich an die Regeln halten. „Man merkt, die jungen Leute werden ungeduldig“, so der Sozialwissenschaftler.

Corona lässt Perspektiven schwinden

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Eine „Unruhe“ braue sich derzeit vor allem bei jungen Männern zusammen, die über kein privilegiertes Elternhaus und keine guten Berufsperspektiven verfügen. Viele hätten einen Migrationshintergrund und auch schon vor Corona schlechtere Perspektiven. „Einige derer, die von Anfang an schon nicht zu den Disziplinierten gehörten, haben sich bereits an Krawallen zum Beispiel in Stuttgart beteiligt. Denen ist der Kragen geplatzt. Das sind jene, die sich nicht anders ausdrücken können“, so der Jugendforscher.

Diese Gruppe sei laut Hurrelmann aber nicht die einzige, die zunehmend müde wird: „Auch bei der Mehrheit der Disziplinierten merkt man, die sind am Ende der Geduld.“

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Jugendforscher: „Überwältigende Mehrheit“ würde sich impfen lassen

Diese Müdigkeit lässt sich Hurrelmann nach allerdings nicht auf die Impfbereitschaft der jungen Menschen übertragen. Er erklärt, dass sich 60 Prozent „sofort“ impfen lassen würden, 20 Prozent wägten ab. „Wenn endlich Klarheit besteht, also wenn die Stiko die Studien durchgesichtet hat, würde sich die überwältigende Mehrheit impfen lassen“, so der Forscher. Deswegen hofft Hurrelmann, dass die Stiko ihre Bedenken für die unter 18-Jährigen in den nächsten Tagen aufgibt. Die bislang niedrige Impfquote führt der Forscher auf das mangelnde Angebot für junge Menschen zurück.

Ein „glaubwürdiges, gut durchgeplantes Impfangebot“ sei ein wichtiger Schritt. „Man muss den unter 25-Jährigen gleichzeitig das Signal geben, wir hören auf euch, ihr seid auch im Blick unserer Entscheidungen.“ Denn das Schlimmste für junge Menschen sei der Kontrollverlust. Daher sei die Wiedergewinnung der Kontrolle genauso wichtig, wie geimpft zu werden. „Wir müssen die Jugend in geeigneter Weise beteiligen.“

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Junge Menschen haben es in der Pandemie schwer

Hurrelmann weiß: „Es ist ganz schwer zurzeit, erwachsen zu werden.“ Für Kinder und Familien sei viel getan worden, ganz Alte seien in ihrem Lebensrhythmus wenig gestört worden. „Ganz stark aber sind die Zwölf- bis 22-Jährigen tangiert. Gerade in dieser Umbruchzeit des Lebens, wo sie ihre Kräfte, ihre Seele, ihre Körper erkunden müssen, Beziehungen eingehen wollen – alles das ist gestört.“

Zudem hätten die unter 25-Jährigen das Gefühl, „zurückgesetzt“ zu sein. „Sie müssen damit rechnen, auch draußen argwöhnisch von Ordnungskräften beäugt zu werden, während daneben die über 50-Jährigen gemütlich und ohne Maske ihren Wein schlürfen. Das sind tatsächlich zwei Welten“, so Hurrelmann.

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