Kindern gut zuzuhören, lohnt sich für alle

  • Es ist es oft erstaunlich, was Kinder wahrnehmen und äußern.
  • Hören Erwachsene ihrem Nachwuchs zu, können dabei etwas lernen – nicht zuletzt über sich selbst.
  • So manche Sichtweise eines Kindes ist berechtigt und überdenkenswert.
Dr. Stefan Schwarz
|
Anzeige
Anzeige

Es ist es oft erstaunlich, was Kinder wahrnehmen und äußern. Durchaus geht es dann nicht nur um mehr Süßes und mehr Fernseh- oder Computerzeit. Wir Kinderärzte hören in unserer Praxis nicht selten Äußerungen von Kindern zu verschiedensten Themen. Es geht dabei recht oft um das Ausmaß an Selbstbestimmung, den Wunsch danach, ernst genommen zu werden, aber auch um den expliziten Wunsch nach Anleitung und Sicherheit. Und immer wieder hören wir, wie genau die Kinder das elterliche Verhalten analysieren. “Das machst du doch auch!” ist dann ein immer wieder gehörter Satz. Und sie haben nicht selten recht.

Kindern zuzuhören ist wichtig - Erwachsene können was lernen

Wir nehmen für uns immer wieder mit, dass man von den Kindern durchaus etwas lernen kann – und wie wichtig es ist, ihnen gut zuzuhören. Bei näherer Betrachtung könnte manchmal der Diskussionsgegenstand, auf den ein Elternteil beharrt, dem Kind eigentlich unproblematisch zugestanden werden. So mancher Konflikt wäre eigentlich unnötig. Wären da nicht die vielen täglichen Diskussionen, die einen betriebsblind machen und welche die entsprechende Distanz erschweren. Da lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten, durchzuatmen, auch einmal sich mit dem Partner oder einer vertrauten Person auszutauschen und sich dann alles nochmals durch den Kopf gehen zu lassen. Und so manches Mal auch dabei zu entdecken, dass die Sichtweise des Kindes oder des Jugendlichen absolut berechtigt und überdenkenswert ist. Das ist anstrengend, aber es lohnt sich! Erwachsene können dabei etwas lernen – nicht zuletzt über sich selbst.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Der polnische Pädagoge Janusz Korczak hat einmal schön auf den Punkt gebracht, wie es in der Kommunikation mit Kindern laufen sollte: “Ihr Eltern sagt: ‘Der Umgang mit Kindern ermüdet uns.’ Ihr habt recht. Ihr sagt: ‘Denn wir müssen zu ihrer Begriffswelt hinuntersteigen. Hinuntersteigen, uns herabneigen, beugen, kleiner machen.’ Ihr irrt euch. Nicht das ermüdet uns. Sondern, dass wir zu ihren Gefühlen emporklimmen müssen. Emporklimmen, uns ausstrecken, auf die Zehenspitzen stellen, hinlangen. Um nicht zu verletzen.”

Anzeige
Dr. Stefan Schwarz ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Er praktiziert in Neudrossenfeld in Oberfranken und bloggt unter derkinderarztblog.com.
“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen