Ärzte schlagen Alarm: Kinder, weg vom Smartphone!

  • Eine Umfrage bei Medizinern verdeutlicht: Kinder verbringen viel zu viel Zeit mit Smartphone, Konsole und Tablet.
  • Der starke Medienkonsum hat dramatische Folgen für die Gesundheit der jungen Patienten.
  • Eltern sollten das Problem ernster nehmen - und ein gutes Vorbild sein.
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Kinder verbringen zunehmend Zeit an Smartphone oder Tablet. Eltern sollten die Bildschirmzeit für die eigenen Kinder verkürzen. Das zumindest fordern jetzt Kinderärzte in Deutschland. Schon länger besteht Sorge, dass der steigende Medienkonsum dramatische Folgen für Kinder und ihre gesundheitliche Entwicklung hat.

Eine aktuelle Meinungsumfrage einer Betriebskrankenkasse unter Medizinern macht jetzt deutlich, dass es nicht nur einige wenige Pädagogen und Ärzte sind, die Alarm schlagen. So gut wie alle von "pronova bkk" befragten Kinderärzte sagen: Kinder schauen zu viel und dabei auch noch zu wenig beaufsichtigt auf Bildschirme.

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Zu viel Zeit am Handy-Bildschirm macht krank

Bundesweit wurden 100 niedergelassene Kinderärzte befragt. 98 Prozent der Mediziner bemerken demnach, dass der Medienkonsum im kindlichen Alltag überhand nimmt. 70 Prozent der Befragten halten zudem die Art und die Inhalte von Spielen, die Kinder nutzen, für problematisch.

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Smartphones machen krank, warnen die Ärzte. Übergewicht, motorische Defizite, Lern-Entwicklungsstörungen: In ihren Praxen diagnostizieren sie eine ganze Reihe von Krankheiten, die mit zu viel Medienkonsum im Zusammenhang stehen.

75 Prozent der Mediziner gaben an, dass immer mehr der bei ihnen untersuchten Kinder zu viel wiegen. Auch das Sozialleben von Kindern leide. 82 Prozent der Befragten bemerken, dass sie in eine soziale Isolation rutschen, 79 Prozent beobachten in den letzten fünf Jahren verstärkt soziale Auffälligkeiten gerade bei jungen Patienten.

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Kindern das Daddeln am Handy lieber verbieten?

Sollten Eltern da nicht lieber komplett einen Riegel vor den ausufernden Medienkonsum schieben und ein Verbot aussprechen? Das sei keine Lösung, urteilt ein Großteil der Kinderärzte. 81 Prozent der Mediziner finden es laut Studie weltfremd, Kindern heutzutage den Umgang mit digitalen Medien komplett zu untersagen.

Stattdessen sprechen sie sich für eine zeitliche Begrenzung der Bildschirm-Nutzung aus. „Das sollte vom Alter der Kinder abhängig gemacht werden", rät die Ärztin Imke Schmidt-Losem. Aber: „Babys und Kleinkinder haben vor dem Bildschirm nichts zu suchen."

Eltern haben beim Medienkonsum eine Vorbildfunktion

Was also tun? Es seien vor allem die Eltern, die in der Verantwortung sind. 63 Prozent der Kinderärzte fordern, dass diese mehr Wert auf die Freizeitgestaltung mit der Familie legen und die Vorbildfunktion zu Hause besser vorleben sollten.

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„Eltern sollten darauf achten, vor den Augen der Kinder selbst nicht zu viel Zeit mit den digitalen Medien zu verbringen", rät Patrizia Thamm, Psychologin von "pronova bkk". „So leben sie einen gesunden Medienumgang vor und lenken gleichzeitig ihre Aufmerksamkeit auch bewusster auf die Bedürfnisse der Kinder."

Die Psychologin Patrizia Thamm sieht Eltern in der Pflicht, auf die Mediennutzung ihrer Kinder zu achten. © Quelle: pronova BKK

Medienkonsum: Eltern sind in der Pflicht

81 Prozent der Kinderärzte sind laut Umfrage zudem der Meinung, dass Eltern verstärkt darauf achten sollten, dass ihre Kinder sich mehr bewegen und Sport machen. 64 Prozent raten dazu, den Nachwuchs häufiger an die frische Luft zu schicken. „Bewegung unterstützt eine gesunde kindliche Entwicklung", sagt etwa die Ärztin Schmidt-Losem. „Wer sich auch mal austoben kann, ist ausgeglichener und kann sich besser konzentrieren."

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Zwei von drei der befragten Ärzten raten zudem dazu, dass Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder eng begleiten. Für Kinder unter zehn Jahren sollte der Bildschirm ohne Aufsicht komplett tabu sein.

Wie viel Bildschirm-Zeit ist ok?

Immer wieder wird intensiv darüber diskutiert, ob und inwieweit zu viel Medienkonsum und das Starren auf den Bildschirm schädigen kann - Erwachsene, und vor allem Kinder und Jugendliche. Fakt ist: Wegzudenken sind Smartphone, Tablet und Co. nicht mehr aus der Welt der Kinder. Auch andere Gesundheits- und Medienexperten raten von einem Verbot ab, betonen aber, dass ein wachsames Auge auf den Umfang der Mediennutzung gelegt werden sollte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont beispielsweise, dass Kinder frühestens ab einem Alter von zwei Jahren maximal eine Stunde am Tag mit digitalen Medien verbringen sollten.

Der Medienratgeber "Schau Hin", eine Initiative vom Bundesministerium für Familie und den Öffentlich-Rechtlichen, empfiehlt Kindern zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr eine Bildschirmzeit bis 30 Minuten am Stück. Als Sechs- bis Neunjähriger könnte es dann rund eine Stunde sein. Danach sollten Wochenkontingente vereinbart werden, "entweder zehn Minuten Bildschirmzeit pro Pebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche", heißt es auf der Homepage der Initiative.

Bei Kleinkindern laute allerdings die Devise: So wenig Bildschirmzeit wie möglich. "Kleinkinder entdecken die Welt am besten mit allen Sinnen - mit den Händen, Augen, der Nase und dem Mund", heißt es im "Schau Hin"-Ratgeber. "Nicht durch einen Bildschirm."



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