Virologen-Streit: Kekulé kritisiert jüngste Studie von Drosten - der wehrt sich

  • Alexander Kekulé hat sich in einem Artikel im Tagesspiegel gegen die neue Studie von Christian Drosten gestellt.
  • Er wirft Drosten vor, schwerwiegende Fehler gemacht zu haben.
  • Doch der verteidigt seine Position – und wehrt sich bei Twitter.
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Mehrere Wissenschaftler haben in den vergangenen Wochen bereits die aus ihrer Sicht vorliegenden statistischen und methodischen Fehler der Studie beleuchtet. Auch der Arzt und Biochemiker Alexander Kekulé sieht die Arbeit kritisch, und veröffentlichte am Donnerstag dazu einen Gastbeitrag im Tagesspiegel.

Kekulé wirft Drosten schwerwiegende Fehler bei der Auswertung vor

Kekulé wirft Drosten in seinem Beitrag vor, schwerwiegende Fehler bei der Auswertung der Proben gemacht zu haben. Die mit Tupfern genommenen Probenmengen seien „nicht miteinander vergleichbar“, außerdem habe der Virologe der Charité unterschiedliche Analysegeräte verwendet. Hinzu käme, dass die verwendete statistische Methode nicht dafür geeignet sei herauszufinden, ob Kinder mehr oder weniger ansteckend sind als Erwachsene.

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Studie war eine Vorabversion

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Bereits Ende April hatten der Virologe Christian Drosten und sein Team einen Vordruck ihrer Studie veröffentlicht, in der sie untersuchen, ob Kinder, die an Covid-19 erkrankt sind, ähnlich ansteckend sind wie Erwachsene. Auf Grundlage ihrer Ergebnisse hatte das Charité-Team vor der unbegrenzten Wiedereröffnung von Schulen gewarnt.

Bei der Studie handelte es sich um einen sogenannten Pre-Print, also eine Vorabversion einer fertigen Studie, die zur wissenschaftlichen Diskussion freigegeben wird.

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Drosten wehrt sich gegen die Kritik

Erst vergangene Woche wurde Drosten von einem Autor der Bild-Zeitung kritisiert und wehrte sich dagegen auf Twitter und in seinem NDR-Podcast. Auch auf die Kritik seines Virologen-Kollegen reagiert er entsprechend. Auf Twitter teilte er am Donnerstagmorgen folgendes Statement.

Drosten versichert außerdem, ein Update der Daten und Statistiken zu der Studie zu liefern. Er verstehe den Unmut der Bevölkerung, die auf eine baldige Öffnung der Schulen und Kitas hofft. In seinem NDR-Podcast sagte Drosten zuletzt: „Ich erkenne das komplett an, dass es in der jetzigen Situation einfach nicht mehr auszuhalten ist, dass man die Kitas und Schulen geschlossen hat.“

Zuspruch vom Weltärztepräsident

Unterstützung erhält Drosten hingegen von Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. In der Sendung „Talk aus Berlin“ nahm Montgomery den Berliner Virologen in Schutz: „Diese Kampagne, die da läuft, ist ja erkennbar eine Kampagne. Die finde ich in der Tat schmierig und schmutzig.“

Montgomery sagte, es sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht unüblich oder verwerflich, wenn man als Wissenschaftler seine Aussagen und Ergebnisse korrigiert oder ergänzt. Außerdem lobte er Drosten dafür, wie offen dieser auch Fehler seinerseits kommuniziere. Der wissenschaftliche Diskurs und Fortschritt laufe dank Digitalisierung gerade beim Coronavirus ungewöhnlich schnell ab: „Dass da einige Ministerpräsidenten und einige Zeitungen in der Geschwindigkeit ihres Denkens nicht mitkommen, ist deren Problem, aber nicht das Problem von Herrn Drosten“, so der Weltärztepräsident.

tmo/RND

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