Der erste Tag Zwangsferien: Hacker legen Lernplattform lahm

  • Heute fiel in den meisten Bundesländern wegen des Coronavirus erstmals flächendeckend die Schule aus.
  • Nach Möglichkeit soll der Unterricht nun im Netz stattfinden.
  • Doch in Bayern legten heute Hacker prompt eine zentrale Lernplattform lahm.
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Just am Tag der großen Schulschließung meldet sich auch die Bundesbildungsministerin ab ins Homeoffice: Anja Karliczek (CDU) “hält sich an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und arbeitet von zu Hause aus”, heißt es am Montag von ihrem Ministerium. Sie habe in der vergangenen Woche an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der eine Person anwesend gewesen sei, die mittlerweile positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Auf Nachfrage lässt ein Sprecher wissen: “Die Ministerin ist beschwerdefrei.”

Auch für fast 15 Millionen Schülerinnen, Schüler und Kitakinder wird die eigene Wohnung oder das eigene Haus in den nächsten vier bis fünf Wochen zum Lebensmittelpunkt. Spätestens Mitte der Woche werden voraussichtlich auch in den letzten Bundesländern die Schulen und Kitas geschlossen. Die Zwangsferien stellen Kinder, Eltern, Lehrer und Betreuer vor große Herausforderungen.

Minusstunden für Mütter und Väter

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Nordrhein-Westfalen gehört zur Mehrheit der Bundesländer, die den Schulbetrieb bereits zu Wochenbeginn eingestellt haben. In Aachen sind es am Montagvormittag fast schon 17 Grad. Die Sonne scheint. Jana Pietzsch ist mit ihren neun und elf Jahre alten Töchtern in der Stadt unterwegs, sie wollen noch einmal durch die Geschäfte gehen, bevor sie ganz schließen. Pietzsch macht jetzt Minusstunden, die sie irgendwann wieder aufholen muss. Zumindest die kleine Tochter hatte von ihrem Grundschullehrer schon am Freitag einen ganzen Stapel Aufgaben mitbekommen.

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Anderswo sind die Herausforderungen noch größer: “Die Kinder werden total aus der Bahn sein”, sagt die 28-jährige Erzieherin einer heilpädagogischen Tagesstätte in Nürnberg. Dort werden Jungen und Mädchen nach der Schule betreut, deren Eltern mit der Betreuung überfordert sind. In der Tagesstätte gibt es feste Regeln und einen strukturierten Tagesablauf. Und jetzt? “Sie werden den ganzen Tag nur zocken”, befürchtet die Erzieherin. Viele Eltern hätten nicht den Sinn, mit ihren Kindern zu backen oder Memory zu spielen.

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Notbetreuung nur bei “systemkritischen” Jobs

Ganz verschlossen sind Kitas und Schulen nicht, aber wer sein Kind noch betreuen lassen will, braucht ab jetzt triftige Gründe. Die Regeln sind streng. Nur, wer nachweist, dass er in einem sogenannten systemkritischen Beruf wie Feuerwehr, Polizei oder Krankenpflege arbeitet und keine andere Betreuungsmöglichkeit findet, hat Anrecht auf eine Notbetreuung. Der Andrang hielt sich am Montag nach Berichten aus verschiedenen Schulen und Kitas aber noch in Grenzen.

Eltern sollten sich auf keinen Fall zusammenschließen und die Kinderbetreuung gegenseitig übernehmen, warnte Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP). Ziel aller Maßnahmen sei es, soziale Kontakte zu minimieren. Durch neue Netzwerke der Eltern würden die Infektionsrisiken steigen.

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Wie gut sind die Schulen auf E-Learning vorbereitet?

In Stuttgart verabschiedet Schulleiter Reinhold Sterra die Schüler der Kirchhaldenschule am Montag Mittag mit der Aufforderung, dass sie jetzt viel lesen sollen. Sophia Gebhardt, Lehrerin der 2A sagt: “Ihr wisst, Ihr habt was zu tun. Das sind keine Ferien.” Viele Schüler in Deutschland haben Material von ihren Lehrern bekommen und es wird überall von digitalem Unterricht gesprochen. Ob und wie das funktionieren wird, ist offen. Das hängt von der digitalen Ausstattung der Elternhäuser ab und auch davon, wie fit Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit E-Mail, Lernplattformen im Netz und sozialen oder Schulnetzwerken sind.

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In Baden-Württemberg sollen die Schulen mit Hilfe der Lernplattform Moodle die Zeit überbrücken, wie Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU) ankündigte. Darüber könnten Lerngruppen eingerichtet, Aufgaben und Materialien verteilt und Arbeiten bewertet werden. Sie setze darauf, dass von den Schulen jetzt Übungen digital an die Schüler weitergegeben würden. “Und wenn es irgendwie gar nicht funktioniert, greifen wir vielleicht auch einfach auf die gute alte Post zurück”, sagte sie dem Radioprogramm SWR Aktuell.

Hacker legen Lernplattform in Bayern lahm

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) erklärte: “Alle Schülerinnen und Schüler werden zu Hause lernen. Die Lehrerinnen und Lehrer bereiten dafür die analogen und digitalen Lernmaterialien vor.” Eine Grundschuldirektorin aus Mainz, die nicht mit Namen genannt werden möchte, sagte am Montag: Echter voranschreitender Unterricht sei wohl gerade mit Grundschulkindern aus der Ferne nur schwer möglich. “Es wird eher eine Wiederholung sein, vor allem in Fächern wie Mathe.” Eltern sollten nach Möglichkeit ihre Kinder unterstützen.

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Welche Probleme beim Onlinelernen noch auftauchen können, zeigt der Blick nach Bayern: Am Montag legten Hacker die für den Fernunterricht von Schülern gedachte Onlineplattform Mebis vorübergehend lahm. Der Angriff sei durch Hunderttausende automatisierte Seitenaufrufe erfolgt, hieß es bei den Betreibern.

Was passiert mit den Prüfungen?

Bisher ist das bis auf Ausnahmen nicht geplant. In Berlin sollen die Prüfungen in Deutsch, Mathe und der ersten Fremdsprache für den Mittleren Schulabschluss (MSA) um zweieinhalb Wochen nach hinten geschoben werden. Von Verschiebungen beim Abitur ist bisher aber nicht die Rede. Erwogen wird, Prüfungen in größeren Räumen stattfinden zu lassen, mit weniger Prüflingen und mehr Abstand zueinander.

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