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Schwedens Staatsepidemiologe bezweifelt Schutzwirkung von Masken

  • Beim Einkaufen, in der Bahn und nun sogar im Klassenzimmer – Deutschland setzt auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.
  • Schweden hat hingegen auf eine Maskenpflicht verzichtet.
  • Denn Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell ist nicht vom Effekt der Masken überzeugt.
Michèle Förster
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Schweden ist seit Beginn der Corona-Pandemie für seinen Sonderweg bekannt. Während in Europa die meisten Länder in einen Lockdown gingen und Geschäfte, Restaurants und Schulen geschlossen wurden, änderte sich in Schweden nur wenig. Staatlich verordnete Einschränkungen des öffentlichen Lebens blieben die Ausnahme, auch eine Maskenpflicht gab es nicht.

Schweden setzt lieber auf Freiwilligkeit

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Wohl auch, weil Schwedens führender Virologe, der Staatsepidemiologe Anders Tegnell, eine Maskenpflicht für überflüssig hält: “Das Resultat, das man durch die Masken erzeugen konnte, ist erstaunlich schwach, obwohl so viele Menschen sie weltweit tragen”, sagte Tegnell gegenüber der “Bild”. Zwar hätten Länder wie Spanien oder Belgien ihre Bevölkerung Masken tragen lassen, so Tegnell. Trotzdem seien die Infektionszahlen hochgegangen, meint der aber.

“Zu glauben, dass Masken unser Problem lösen können, ist jedenfalls sehr gefährlich”, warnt der 64-Jährige. Tegnell hatte von Anfang an betont, dass es bei der Pandemie-Bekämpfung darum gehe, die schwedische Tradition der Freiwilligkeit zu bewahren. Weil diese Strategie gut funktioniert habe, so Tegnell, “haben wir nie einen Grund darin gesehen, drastischere Maßnahmen einzusetzen.”

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Studien belegen den Schutzeffekt von Masken

“Es überrascht mich, dass wir nicht mehr oder bessere Studien darüber haben, welche Effekte die Masken tatsächlich herbeiführen”, sagte Tegnell im “Bild”-Interview. Dabei liegen bereits zahlreiche Untersuchungen über die Schutzwirkung von einfachen Masken vor. Eine kürzlich durchgeführte Metaanalyse der McMaster University in Hamilton ergab, dass Masken das relative Risiko, sich zu infizieren, sogar um 80 Prozent senken können.

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Das bedeutet: “Wenn das Basisrisiko, sich anzustecken, bei etwa 50 Prozent liegt, dann verringert es sich, wenn ich eine Maske trage, auf 10 Prozent”, erklärte der Hauptautor der Studie, Epidemiologe Holger Schünemann. Für die Analyse wertete das Team um Schünemann 29 Studien aus, in denen das Infektionsrisiko von Maskenträgern mit den Personen verglichen wurde, die keinen Mund-Nasen-Schutz getragen hatten.

Gesundheitsbehörden empfehlen das Tragen von Masken

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat mittlerweile die schützende Wirkung von Masken erkannt und ihren Standpunkt dazu geändert. Zur Eindämmung von Infektionen empfehle man nun ihre Nutzung in überfüllten öffentlichen Einrichtungen, teilte die WHO Anfang Juni mit. Das gelte besonders dort, wo es schwierig ist, Abstand zu anderen Menschen zu halten. Dazu zählen laut WHO öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte oder überfüllte Orte.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI), Deutschlands führende Gesundheitsbehörde, rät zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, wann immer ein Abstand von 1,5 Metern in der Öffentlichkeit nicht möglich ist. “Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen im öffentlichen Raum kann vor allem dann im Sinne einer Reduktion der Übertragungen wirksam werden, wenn sich möglichst viele Personen daran beteiligen”, schreibt das RKI auf seiner Website.

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In Schweden gibt es – verglichen mit dem Rest Skandinaviens – hohe Infektions- und Todeszahlen in Zusammenhang mit Covid-19. Nach Angaben der Johns Hopkins-Universität wurden in dem Land mit etwas mehr als zehn Millionen Einwohnern rund 82.300 Corona-Fälle bestätigt. 5.763 Menschen mit Corona-Infektion sind bereits gestorben.

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