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Keine Angst vor Astrazenca? Forscher erklärt Interesse an Impfstoff

Schon am Morgen war die Warteschlange vor dem Corona-Impfzentrum in Wismar lang.

In Wismar standen die über 60-Jährigen Ostermontag Schlange, um sich mit Astrazeneca impfen zu lassen.

Es ist ein Hin und Her: Erst wurde der Impfstoff von Astrazeneca nicht an Ältere verimpft. Dann setzen einige Länder die Impfungen mit dem Vakzin aus. Und vor etwa einer Woche beschlossen Bund und Länder auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), das Mittel in der Regel nur noch an über 60-Jährige verimpfen zu lassen. Der Grund hierfür waren 31 Verdachtsfälle von Blutgerinnsel (Thrombosen) in den Hirnvenen, die vor allem bei jüngeren Frauen gemeldet wurden.

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Durch die Alterseinschränkung kommen nun vor allem die 60- bis 69-Jährigen schneller als erwartet zum Zuge. Doch möchten diese denn überhaupt noch mit Astrazeneca geimpft werden? Durch das Hin und Her wurde mit sinkender Akzeptanz und steigender Angst vor dem Impfstoff gerechnet.

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Doch das scheint sich nicht zu bestätigen: In Wismar, einer Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, standen beispielsweise die über 60-Jährigen bis zu fünf Stunden für ihren Piks mit Astrazeneca an. Dort wurden am Ostermontag mindestens 800 Freiwillige ohne Termin geimpft.

Ältere Menschen sind weniger ängstlich

„Das ist gut, dass die da Schlange gestanden haben“, sagt Prof. Borwin Bandelow, Facharzt für Psychiatrie und Angstforscher. Er erklärt das folgendermaßen: „Ältere Leute, also ab 60 Jahren ungefähr, sind weniger ängstlich. Das hat sich auch noch einmal in Umfragen während der Krise gezeigt, dass die ängstlichsten Leute zwischen 30 und 50 Jahre alt sind.“ Unrealistische Ängste würden mit dem Älter weniger werden, erklärt er. „Das heißt, die über 60-Jährigen sagen sich: Ich bin allein aufgrund meines Alters Risikopatient und sollte mich jetzt möglichst rasch impfen lassen. Eine Impfung mit Astrazeneca wäre schlau, da die Chance, dass ich als über 60-Jähriger eine Sinusvenenthrombose bekomme, sehr gering ist.“

Blutgerinnsel in der Hirnvene, die sogenannte Sinusvenenthrombose, seien extrem selten. Die Wahrscheinlichkeit, davon betroffen zu sein, sei etwa eins zu 100.000 oder geringer, so Bandelow. „Wenn man solche Risiken generell vermeiden will, dürfte man gar nicht mehr ohne Sturzhelm aus dem Haus gehen oder dürfte auch nicht Auto fahren. Die Chance, auf der A 2 ums Leben zu kommen, ist vielleicht höher, als eine Sinusvenenthrombose durch den Astrazeneca-Impfstoff zu kriegen.“

Rationale und irrationale Ängste

Wovor die Menschen während der Krise Angst haben, habe sich über die Zeit gewandelt. „Am Anfang ist die Angst immer extrem groß, wenn eine neue Krankheit kommt – da überwiegen die irrationalen Ängste. Nach einer gewissen Zeit pegelt sich das dann bei einer realistischen Einschätzung ein.“ Dass Menschen Gefahren und Risiken irgendwann einordnen können, zeige sich auch in anderen Fällen. „Wir sorgen uns auch nicht um Grippe- oder Hitzewellen, obwohl durch diese jeweils bis zu 20.000 Menschen sterben können.“

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Bandelow geht davon aus, dass bisher etwa 85 Prozent der Deutschen eine realistische Einschätzung des Corona-Risikos haben. Aber was heißt das überhaupt? „Realistisch ist es zu sehen, dass die Gefahr da ist, aber dass diese durch Vorsichtsmaßnahmen kontrolliert werden kann. Unrealistisch ist es allerdings, zu denken, man könne lieber darauf warten, einen anderen Impfstoff als Astrazeneca zu bekommen. Den bekommt man vielleicht erst in drei Monaten. In dieser Zeit besteht dann das Risiko, selbst zu erkranken oder andere anzustecken.“

Impfgegner wägen Risiko nicht realistisch ab

„Es gibt auf der einen Seite ein extrem seltenes Risiko, eine Sinusvenenthrombose zu bekommen. Auf der anderen Seite gibt es ein extrem hohes Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben. Auf eine Million Menschen kommen 20.000, die an Corona sterben“, sagt Bandelow. Gerade deswegen sollte das Risiko nicht unrealistisch abgewogen oder auf andere Impfstoffe gewartet werden.

Impfgegner dagegen seien nicht in der Lage, die Risiken realistisch abzuwägen, so Bandelow. Sie würden sich allein auf das Impfrisiko fokussieren und sich dann gegen die Impfung entscheiden. Bandelow beschreibt das so: „Niemand würde sich in ein Flugzeug setzen, wo die Chance abzustürzen 2000-mal höher ist als bei einem normalen Flugzeug. Genau das machen aber Menschen, die sich gegen das Impfen entscheiden.“

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