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Lauterbach zur vierten Corona-Welle: „Werden Einschränkungen beschließen müssen“

  • Via Twitter teilt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ein Modell, das einen Zusammenhang von Corona-Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen zeigt.
  • Er warnt vor zu hohen Fallzahlen in der vierten Welle.
  • Sie würden neben „einer Katastrophe“ erneute Einschränkungen für die Bevölkerung bedeuten.
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Mit Blick auf eine mögliche vierte Pandemiewelle warnt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor einer steigenden Zahl der Krankenhauseinweisungen bei stark steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland. 100.000 Neuinfektionen am Tag, wie Modelle aktuell teilweise prognostizierten, wären „eine Katastrophe“, erklärt Lauterbach bei Twitter. „Wir werden Einschränkungen beschließen müssen, wahrscheinlich kurz vor der Bundestagswahl.“

Lange hatte der Wert der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland weniger als zehn betragen, doch seit rund zweieinhalb Wochen bewegen sich die Fallzahlen wieder nach oben. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner am Sonntag bei 13,6, die Gesundheitsämter meldeten 1387 neue Fälle binnen eines Tages. Bundesweit wurden demnach vier Todesfälle in 24 Stunden verzeichnet.

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Doch etwas ist anders als im vergangenen Jahr: Eine Vielzahl an Menschen hierzulande ist bereits gegen Covid-19 geimpft. Laut Impfdashboard gelten rund 49 Prozent als vollständig immunisiert, etwa 61 Prozent tragen immerhin die Dosis der ersten schützenden Spritze in sich. Nichtsdestotrotz erfasste die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) zuletzt 355 Corona-Patientinnen und -Patienten, die in Deutschland intensivmedizinisch behandelt werden. 54 Prozent von ihnen werden den Angaben nach künstlich beatmet. Wie passt das zusammen?

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Bedeuten mehr Neuinfektionen mehr Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation?

Das Modell, auf das sich SPD-Politiker Lauterbach bezieht, basiert auf Daten der Behörde Public Health England (PHE) und zeigt eine Korrelation zwischen Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen in dem Land – keinen kausalen Zusammenhang. Dennoch ist erkennbar, dass bei einem exponentiellen Wachstum der Fälle auch die Zahl der Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation steigt.

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Laschet gegen Impfpflicht und Einschränkungen für Ungeimpfte
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„Ich halte nichts von Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen.“  © dpa

Wie stark, das entscheidet mitunter die Impfquote: Das RKI geht in einer Simulation davon aus, dass es 85 Prozent vollständig geimpfte Zwölf- bis 59-Jährige und 90 Prozent der über 60-jährigen Geimpften braucht, um eine ausgeprägte vierte Welle zu vermeiden.

Dabei spielen grassierende Mutationen, etwa die Delta-Variante des Virus, eine Rolle: Thorsten Lehr, Professor an der Universität des Saarlandes, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), da mit der höheren Infektiösität mehr Viren im Körper einhergingen, werde sich mit der Ausbreitung verschiedener Mutationen ein Anstieg der Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation bemerkbar machen.

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Steigende Coronazahlen - Einschränkungen für Ungeimpfte drohen
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Die Sorge vor einer vierten Corona-Welle ist groß. Im Kanzleramt wird eindringlich zur Impfung geraten – wer nicht mitmacht, könnte das bald im Alltag spüren.  © dpa

Vor allem Jüngere, die noch nicht oder bislang einfach geimpft sind, sieht Lehr in Gefahr. „Nur eine vollständige Immunisierung hilft im Kampf gegen die Delta-Variante“, sagte er dem RND. „Außerdem gelten Vorsichtsmaßnahmen wie Abstandhalten oder Händewaschen weiterhin.“

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Volle Intensivstationen in der vierten Welle? Impfstoffe verhindern schwere Verläufe

Dass die Impfung gegen Sars-CoV-2 trotz der Darstellung ihren Nutzen hat, erklärt Colin Davis, Verfasser des Posts zum Modell, ebenfalls bei Twitter. „Ja, die Rate der Einweisungen ins Krankenhaus ist geringer“, schreibt er. Das liege auch daran, dass durch die hohe Impfquote unter Älteren aktuell eher Jüngere an Covid-19 erkrankten.

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Die Impfstoffe schützen zwar nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion mit dem Virus – immer wieder kommt es zu sogenannten Impfdurchbrüchen –, verhindern in der Regel aber schwere Verläufe.

Aktuell machen die 60- bis 69-Jährigen nach Divi-Angaben den größten Anteil der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland aus. Die Daten zeigen: Die Altersstruktur hat sich in der dritten Infektionswelle verschoben.

Zunehmend jüngere Covid-19-Patientinnen und -Patienten kämpfen auf den Intensivstationen mit einem schwerem Verlauf. Die Auswertung zeigt zudem, dass die über 80-Jährigen, größtenteils bereits durch Impfungen geschützt, inzwischen einen geringeren Anteil ausmachen – mit gegenwärtig 2,3 Prozent.

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