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Nervenkrankheit nach Impfung mit Johnson & Johnson: FDA nimmt neuen Warnhinweis auf

  • Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson könnte das Risiko für eine seltene Nervenkrankheit erhöhen.
  • Das haben amerikanische Behörden in einer Untersuchung festgestellt.
  • Ein entsprechender Warnhinweis soll nun in die Produktinformation aufgenommen werden.
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Die amerikanische Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA warnt vor einer möglichen Nebenwirkung des Corona-Vakzins von Johnson & Johnson. Nach der Impfung besteht offenbar ein erhöhtes Risiko, ein Guillain-Barré-Syndrom zu entwickeln, eine schwere Nervenerkrankung. Ein entsprechender Hinweis soll in den USA in die Produktinformation von Johnson & Johnson aufgenommen werden. Auch den Informationen, die medizinisches Personal sowie Impfkandidaten und Impfkandidatinnen in Amerika erhalten, wurde ein Warnhinweis hinzugefügt.

Guillain-Barré-Syndrom: Körper schädigt die eigenen Nervenzellen

Ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS) kann nach Infektionen, in seltenen Fällen aber auch nach Impfungen auftreten. Es kommt dabei zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, der Körper greift seine eigenen Nervenzellen an und schädigt sie. Es können Lähmungen der Beine und Arme oder im Gesicht auftreten. In schweren Fällen ist auch die Atemmuskulatur gelähmt, was lebensgefährlich sein kann. Häufig bilden sich die Symptome wieder zurück, es kann aber auch zu einer lebenslangen Schädigung kommen.

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Nach der Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson waren offiziell 100 Fälle eines Guillain-Barré-Syndroms an die amerikanischen Behörden gemeldet worden. 95 davon verliefen laut FDA so schwer, dass die Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden mussten. Eine Person soll an den Folgen der Erkrankung verstorben sein. Verabreicht worden waren in den USA bisher 12,8 Millionen Impfdosen von Johnson & Johnson.

Risiko um das Drei- bis Fünffache erhöht

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Wie die „New York Times“ mit Berufung auf interne Quellen berichtet, schätzen FDA-Experten, dass die Impfung das Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom um das Drei- bis Fünffache erhöht. Besonders betroffen sein sollen Männer. Die FDA sagte in einer Stellungnahme, ein Zusammenhang zwischen der Impfung und der Erkrankung sei wahrscheinlich, aber noch nicht erwiesen und werde weiter untersucht. Für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna hatte die FDA kein erhöhtes Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom festgestellt. Die Impfung von Astrazeneca ist in den USA nicht zugelassen.

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Indische Forschende hatten aber im Juni im Fachmagazin Annals of Neurology einen Bericht zu sieben Fällen eines Guillain-Barré-Syndroms veröffentlicht, die nach der Impfung mit Astrazeneca aufgetreten sind – bei 1,2 Millionen Geimpften. Die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, war demnach 1,4- bis zehnmal höher als bei Ungeimpften. Alle sieben Geimpften zeigten eine ansonsten eher seltene, beidseitige Gesichtslähmung und hatten zudem weitere schwere Symptome entwickelt. Bei sechs von ihnen kam es zur Lähmung aller Gliedmaßen und der Atemmuskulatur und sie mussten künstlich beatmet werden.

Dem deutschen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden – seinem letzten Sicherheitsbericht zufolge – bis Ende Mai noch keine Fälle eines Guillain-Barré-Syndrom nach der Impfung mit Johnson & Johnson gemeldet, bei rund 473.000 Impfungen mit dem Vakzin in Deutschland. Dafür wurden 24 Fälle eines Guillain-Barré-Syndrom nach der Impfung mit Astrazeneca gemeldet, bei bis dato rund 700.000 abgeschlossenen Impfungen mit diesem Vakzin.

Betroffene sollen bei ersten Symptomen Arzt aufsuchen

Betroffen waren 15 Frauen und elf Männer im Alter zwischen 34 und 79 Jahren. Drei Personen mussten wegen Lähmungen intensivmedizinisch behandelt und invasiv beatmet werden, mindestens eine Person war gestorben. In zwei Fällen war der Ausgang bei Verfassen des Berichts laut PEI noch ungewiss. In 23 Fällen habe es keine Anhaltspunkte für einen anderen Auslöser als die Impfung gegeben, heißt es im Bericht des PEI. Eine weiter Einordnung der Fälle nimmt das Institut nicht vor.

In der amerikanischen Patienteninformation werden Impfkandidatinnen und -kandidaten von nun an explizit über das Risiko eines Guillain-Barré-Syndroms nach der Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson aufgeklärt. Es wird darauf hingewiesen, dass dieses meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auftritt. Die Wahrscheinlichkeit sei zwar gering, aber Patienten und Patientinnen, die verdächtige Symptome bei sich beobachten, sollten umgehend einen Arzt aufsuchen. Als typische Warnhinweise werden Bewegungsstörungen oder der Verlust von Gefühl in Armen oder Beinen und Probleme beim Schlucken, Kauen oder Sprechen genannt sowie Doppeltsehen und Schwierigkeiten, ein Auge zu bewegen. Auch die Unfähigkeit, Blase oder Darm zu kontrollieren, kann demnach ein erstes Anzeichen für das Guillain-Barré-Syndrom sein.

Im Aufklärungsblatt des RKI, das deutschen Impfkandidaten und Impfkandidatinnen vor einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson oder Astrazeneca ausgehändigt wird, gibt es bisher keine Hinweise auf das Guillain-Barré-Syndrom oder die typischen Symptome.

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