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Impfstoff von Johnson & Johnson gegen Delta-Variante: Braucht es den Booster?

  • Der Immunschutz gegen die Delta-Variante könnte beim Johnson-&-Johnson-Vakzin womöglich geringer ausfallen.
  • Denn der Impfstoff kommt bislang mit nur einer Dosis aus.
  • Eine US-Virologin plädiert für eine Kombi-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff – denn Zeit für das Warten auf aussagekräftige Daten bleibe nicht.
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So viel ist inzwischen klar: Die Delta-Variante verringert den Immunschutz gegen das Coronavirus und erhöht damit auch das Risiko, Sars-CoV-2 an andere weiterzugeben. Aber die Impfung schützt die eigene Person weiterhin sehr gut vor einem schweren Covid-19-Verlauf mit Krankenhausbehandlung.

Die Voraussetzung: Es braucht dafür auch die zweite Dosis. Das zeigen experimentelle Daten und Beobachtungsstudien – zum mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer und zum Vektorimpfstoff von Astrazeneca. Auch bei Moderna rechnen Impfstoffexpertinnen und -experten wegen ähnlicher Technologie wie bei Biontech weiterhin mit einem guten Schutz. Aber was ist eigentlich mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson – und der Schutzwirkung gegen die Delta-Variante?

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Schließlich reichte bei diesem Mittel mit der Zulassung von EMA und Stiko eine Dosis aus, um als vollständig geimpft und ausreichend geschützt zu gelten. Erste Daten des US-Herstellers selbst zeigen, dass die einmalige Dosis des Impfstoffes von Johnson & Johnson noch zu 85 Prozent gegen einen schweren Covid-19-Verlauf wirksam war. Das heißt: Es bleibt demnach auch bei der Delta-Variante bei einem hohen individuellen Schutz vor einem Krankenhausaufenthalt und einem tödlichen Verlauf. Die zugehörige noch von unabhängigen Fachleuten zu begutachtende Studie wurde auf dem Preprint-Server „bioRxiv“ veröffentlicht.

Das ist ein ausreichender individueller Immunschutz, der aber geringer ausfällt als es noch bei der Zulassung des Mittels der Fall war. In der Studie ist die Rede von einer 1,6-fachen Reduzierung. Als die Delta-Variante noch nicht kursierte, betrug die Wirksamkeit beim Mittel von Johnson & Johnson gegen einen besonders schweren Verlauf – also mit Behandlung im Krankenhaus – noch rund 100 Prozent. Bestätigen sich die Daten, ist nun mit etwa 85 Prozent zu rechnen. Wie hoch bei Delta und weiteren Varianten noch die Wahrscheinlichkeit ist, sich zu infizieren und symptomatisch an Covid-19 zu erkranken, geht aus der Mitteilung bislang allerdings nicht hervor.

Johnson & Johnson: Auffrischung oder Kombi-Impfung?

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Dass die Delta-Variante bald europaweit dominieren wird, gilt unter Corona-Expertinnen und -Experten als weitgehend unstrittig. Um auf Nummer sicher zu gehen, diskutieren Impfstoffexpertinnen und -experten deshalb bereits die Möglichkeit eines Boosters. Das heißt, die Verabreichung einer zweiten Dosis könnte auch beim Mittel von Johnson & Johnson notwendig werden, sollte die Wirksamkeit bei neuen Varianten zu gering ausfallen.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Auffrischung: Der Hersteller selbst entwickelt dann eine Folgeimpfung, angepasst auf das vorab verabreichte Mittel. Daran arbeiten die großen Impfstoffhersteller sowieso schon seit Monaten unter Hochdruck – spätestens seit klar ist, dass das Coronavirus auf besorgniserregende Weise mutieren kann und weitere Virusvarianten entstehen. Aber das braucht Zeit und Flexibilität – zumal regelmäßig neue Mutationen und Viruslinien entstehen.
  • Die Kombi-Impfung: In Deutschland ist ein Mix zwischen Vektorimpfstoff und mRNA-Vakzin teilweise schon Praxis. Wer beispielsweise als junger Mensch Astrazeneca erhalten hat, kann sich beim zweiten Impftermin auch mit Biontech impfen lassen – wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Dass das Verfahren in dieser Kombination wirksam, sicher und verträglich ist, haben mehrere Studien inzwischen zeigen können. Ein ähnliches Verfahren wäre Fachleuten zufolge auch beim Mittel von Johnson & Johnson – das auf einer ähnlichen Technologie wie Astrazeneca beruht – denkbar.

Der Zeitdruck durch die Ausbreitung von Virusvarianten nimmt zu. Haben die Gesundheitsbehörden überhaupt die Zeit, mit einer Empfehlung für oder gegen Booster zu warten? Die US-Virologin Angela Rasmussen plädierte jüngst für ein schnelleres Vorgehen. Sie berichtete vor wenigen Tagen auf ihrem Twitter-Account, dass ihrer Ansicht nach gegenwärtig kein Spielraum bleibe, um Daten abzuwarten. Sie selbst habe im April Johnson & Johnson erhalten und habe sich nun für einen mRNA-Booster des Biontech/Pfizer-Impfstoffs entschieden.

Sie empfehle den US-Gesundheitsbehörden, dieses Vorgehen dringend in Betracht zu ziehen – gerade auch für Menschen, die in Gemeinden leben, wo aktuell insgesamt noch ein niedriger Impfschutz gegeben ist. In Deutschland müsste dafür erst die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Empfehlung abgeben.

Johnson& Johnson-Zulassung: Sehr guter Schutz vor Covid-19

Als die Delta-Variante noch nicht kursierte und die Zulassung für das Mittel auf Basis von Daten zum Ursprungstyp von Sars-CoV-2 erteilt wurde, zeigte sich beim Mittel von Johnson & Johnson in allen Altersgruppen eine Wirksamkeit von etwa 65 Prozent Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, symptomatisch an Covid-19 zu erkranken, war bei den Geimpften um diesen Prozentsatz geringer als bei den Ungeimpften. Gegen einen besonders schweren Verlauf – also mit Behandlung im Krankenhaus – betrug die Wirksamkeit rund 100 Prozent.

„Wenn also eine mit diesem Covid-19-Impfstoff geimpfte Person mit dem Erreger in Kontakt kommt, wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erkranken“, heißt es dazu auch im aktuellen Aufklärungsmerkblatt zum Vektorimpfstoff, das bei einer Impfung zur Kenntnis genommen werden muss.

Der Artikel wurde am 2. Juli aktualisiert.

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