• Startseite
  • Gesundheit
  • Joggen trotz Corona? Aktuelle Studie zeigt, dass zwei Meter Abstand beim Sport zu wenig sind

Corona-Studie: Zwei Meter Abstand sind beim Sport zu wenig

  • Joggen oder Radfahren – in Deutschland erlaubt, zu zweit mit mindestens zwei Metern Abstand.
  • Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass dieser Abstand jedoch viel zu gering ist.
  • Bei Bewegung müsse ein deutlich größerer Abstand eingehalten werden.
David Sander
|
Anzeige
Anzeige

Hannover. Ob Joggen oder Radfahren – das schöne Frühlingswetter lockt viele Menschen ins Freie zum Sport treiben. Da spricht per se nichts gegen, in Deutschland gibt es kein Sport-Verbot. Wer allerdings zu zweit unterwegs ist, muss sich an die Abstandsregel von zwei Metern halten, um eine Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus zu vermeiden. Dieser Abstand reicht aus, sofern man stillsteht – bei Bewegung sollte der Abstand jedoch stark vergrößert werden, sagen Wissenschaftler.

Gefahr: Übertragung im Windschatten

Bert Blocken ist Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik an den Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande). Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern untersuchte er in einer Studie, wie sich der Ausstoß von Speichelpartikeln während verschiedener Bewegungen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verhält. Sie beobachteten, dass Sportler Covid-19-Erregern verstärkt ausgesetzt sein könnten, wenn sie sich im Windschatten eines anderen Sportlers bewegten.

Anzeige

Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte Blocken, dass sowohl Windkanalmessungen als auch Computersimulationen durchgeführt wurden. Dabei wurden unterschiedliche Positionen getestet: Neben dem Windschatten auch die Bewegung nebeneinander oder diagonal versetzt hintereinander. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass zwei Meter Abstand im Windschatten nicht ausreichen, um den Speichelpartikeln des Vordermannes zu entkommen.

Abstandsregel: Zwei Meter beim Sport zu wenig

Anzeige

Atmen Infizierte Coronaviren aus, sinken diese bereits nach kurzer Zeit zu Boden. Deshalb findet Blocken die Zwei-Meter-Abstandsregel ohne Bewegung und mit Windstille in Ordnung. Joggt man aber im Freien, bewegen sich die leichten Tröpfchen nicht mit, eine Luftwolke bleibt zurück und die Tröpfchen benötigen einige Zeit, bis sie zum Boden fallen. “Wenn ich nun direkt hinter Ihnen laufe, reicht diese Zeit nicht, dann bewege ich mich direkt in diese Wolke hinein”, sagte Blocken dem Deutschlandfunk.

Gerade in einem Abstand von ein bis zwei Metern sei die Konzentration noch sehr hoch – bereits zehn Meter hinter dem Sportler hätten sich die größten Tröpfchen auf den Boden abgesenkt. Natürlich hängt es auch von den Windbedingungen ab, weshalb sich bei Seitenwind der Windschatten entsprechend verschiebe.

Anzeige

Experte rät zu deutlich mehr Abstand

Im Gespräch mit der Deutschen Welle empfiehlt Blocken beim Gehen in die gleiche Richtung einen Abstand von mindestens vier bis fünf Metern, beim Laufen oder langsamen Radfahren zehn Meter und bei schnelleren Bewegungen gar 20 Meter. Möchte man also eine andere Person überholen, sollte man sich bereits früh zur Seite bewegen, um der Tröpfchenwolke im Windschatten des anderen auszuweichen. Wer schon zu zweit unterwegs ist, sollte im gleichen Tempo nebeneinander laufen, auch diagonal versetzt ist das Risiko geringer.

Wie hoch das Infektionsrisiko für die sportlichen Menschen konkret ist, kann Blocken nicht sagen. “Wir sind keine Virologen, wir sind Aerodynamiker und Ingenieure”, sagte er dem Deutschlandfunk. “Ich habe bereits Reaktionen von Virologen und Epidemiologen bekommen, die mit mir zusammenarbeiten wollen, und ich denke, das ist der nächste Schritt”, so Blocken weiter. Egal wie hoch das Risiko auch sein mag, Blockens Schlussfolgerung lautet: “Halte mehr Abstand, als du es normalerweise tun würdest!”

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen