Jetzt kommt es auf die Kliniken an

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellungen für die Krisenzeit – jeden Donnerstag.
  • In dieser Ausgabe: Warum es jetzt auf die Kliniken ankommt.
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Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich ist es nur logisch: Wenn die Zahl der Neuinfektionen steigt, dann rückt das Virus auch wieder näher an einen selbst heran. Im Sommer war Corona für die meisten eine eher ferne Bedrohung. Nur die wenigsten Menschen dürften damals tatsächlich Kontakt zu jemandem gehabt haben, der von Covid-19 betroffen war. Inzwischen ist das anders.

Das verrät auch der Blick auf die Corona-Warn-App: Lange konnte sie ungeöffnet bleiben – es gab ja sowieso nie wirklich etwas Neues zu sehen. Inzwischen gehört der tägliche Blick auf die Risikoermittlung wieder zum Alltag. Wie viele Begegnungen – wenn auch mit niedrigem Risiko – hatte ich? Wo könnte das gewesen sein? Beim Einkaufen? In der Bahn? Beim letzten Restaurantbesuch vor dem Teil-Lockdown? (Hier erfahren Sie, was bei einer Risikobegegnung zu tun ist.)

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Dass sich solche Begegnungen bei heute zum Beispiel rund 20.000 Neuinfektionen wohl nicht ganz verhindern lassen, ist klar. Doch das beunruhigende Gefühl nimmt zu: Das Virus setzt seinen Weg durch unsere Gesellschaft fort. Das wird vor allem für die Kliniken zur großen Aufgabe.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre. Bleiben Sie gesund!

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Mit bangem Blick wird dieser Tage auf die Kliniken geschaut. Wann sind sie überlastet? Wie viele Intensivpatienten können sie aufnehmen? Der Trend ist deutlich: In den Intensivstationen der Krankenhäuser werden – wie befürchtet – zusehends mehr Corona-Patienten behandelt. Mittlerweile wird dabei immer klarer: An Betten mangelt es nicht zwingend, dafür aber am Personal. Kliniken melden teilweise freie Betten, für die gar kein Pflegepersonal verfügbar sei, erklärte DIVI-Präsident Uwe Janssens diese Woche.

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Die Personalnot war bereits vor der Pandemie ein Problem und wird jetzt wohl zur entscheidenden Herausforderung der kommenden Wochen. Krankenpfleger wie Nina Böhmer fühlen sich nicht gut darauf vorbereitet. „Die Politik hatte sieben Monate Zeit, um einige Probleme zu regeln: Wir haben in den Kliniken jetzt zwar genügend Betten, genügend Beatmungsgeräte, aber eben nicht das Personal“, berichtet die 28-Jährige im Interview mit RND-Redakteurin Saskia Bücker.

Für den Katastrophenfall sei das deutsche Gesundheitssystem nicht gewappnet, mahnt auch die Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Christel Bienstein. Deutschland sollte sich ein Beispiel an Dänemark nehmen, schlägt sie vor: Dort gebe es zwar weniger Kliniken als in Deutschland. „Aber eine Pflegefachkraft auf der Intensivstation betreut im Schnitt nur einen Patienten. Versorgt wird nah an der Bevölkerung in kleineren Einrichtungen vor Ort und nicht in der großen Klinik.“

Alltagswissen

In großen Mietshäusern wohnen Menschen Tür an Tür. Im Frühsommer hatten sich einige dieser Hochhäuser wie das Iduna-Zentrum in Göttingen zu Corona-Hotspots entwickelt. Sind ihre Bewohner also tatsächlich besonders gefährdet? Und wie kann man sich schützen? RND-Autor Uwe Herzog berichtet, dass Experten unter anderem dazu raten, Aufzüge möglichst allein oder nur mit Mitgliedern eines Haushalts zu benutzen, dicht anliegende Masken zu tragen und möglichst während der Fahrt nicht zu sprechen. Weitere Tipps zu Corona-Fällen in der Nachbarschaft – wie etwa: Muss ich mich auch testen lassen, wenn mein Nachbar Corona hat? – finden Sie hier.

Zitat der Woche

Nicht umsonst empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, sich höchstens zweimal am Tag medial mit dem Thema Corona-Pandemie auseinanderzusetzen.

Jens Plag, Psychiater in der Berliner Charité, berichtet im RND-Interview, ab wann Corona-Angst zu einem Problem wird und Hilfe nötig wird.
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Forschungsfortschritt

Mehr als 1,2 Millionen Menschen weltweit sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität an einer Corona-Infektion gestorben. Kirsten Mertz vom Schweizer Kantonsspital Baselland gehört zu den ersten Pathologen, die verstorbene Corona-Patienten untersucht haben. „Mir und meinen Kollegen ist sehr früh aufgefallen, dass es verstorbene Corona-Patienten gibt, die ganz massive Lungenschäden haben, während andere kaum oder gar keine Veränderungen aufweisen“, berichtet sie RND-Autorin Laura Beigel. Aus ihrer Arbeit konnten die Experten schließen, dass einige Infizierte am Virus selbst sterben. „Und dann gibt es Patienten, die es schaffen, das Virus im Körper zu eliminieren, aber später an den Folgen einer überschießenden Immunreaktion sterben – und nicht mehr direkt am Virus.“

Pandemie im Ausland

Deutschland befindet sich im Teil-Lockdown. In anderen Ländern wie etwa in Australien oder Israel wurden dagegen strengere Maßnahmen eingeführt. Mit Erfolg. Die Pandemiezahlen sind dort stark gesunken. Die Lehren, die sich daraus ziehen lassen, lauten: Lieber zu früh als zu spät eingreifen und lieber zu härteren Maßnahmen greifen, sonst verpufft die Wirkung. Allerdings – und das ist die dritte Lehre, die RND-Redakteurin Saskia Bücker im Vergleich zieht, hatte der Lockdown auch seinen Preis: Komplette Lockdowns können zum Beispiel zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt führen.

Die Ausgangsbeschränkung für die Menschen in Melbourne zählte zu den weltweit am längsten dauernden. Sie galt 112 Tage. Nach Ende des Lockdowns kam es zu Protesten. © Quelle: Diego Fedele/SOPA Images via ZUM

Was kommt

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Immer öfter kommen Corona-Labore inzwischen mit dem Auswerten der Tests nicht hinterher. 191 Labore meldeten zuletzt rund 1,6 Millionen Laboruntersuchungen in einer Woche – ein Rekordwert für Deutschland. Die Testkapazitäten sind am Limit. Deshalb hat das Robert-Koch-Institut seine Empfehlung für den Einsatz von PCR-Tests verändert. Patienten ohne sonstige für Covid-19 geltende Risikofaktoren sollen bei Schnupfen und Halsschmerzen und ohne Kontakt zu einem bestätigten Fall lieber in mindestens fünftägige Isolation gehen. Wer noch getestet werden soll, lesen Sie hier.

Was die Pandemie leichter macht

Ein Geburtstag in Corona-Zeiten muss nicht einsam sein. © Quelle: Getty Images/iStockphoto

Die Party war schon geplant, die Freunde waren vielleicht schon eingeladen – doch dann funkt, wie so oft in diesem Jahr, die Pandemie dazwischen. Viele Kinder müssen derzeit wieder mit Einschränkungen zurechtkommen. Geburtstage müssen wieder verschoben werden oder ganz ausfallen. Die Psychologin Katharina Ohana erzählt im Interview, wie Eltern ihren Kindern erklären können, dass es keine Feier geben wird. Und RND-Redakteurin Vanessa Casper hat zahlreiche Tipps aufgeschrieben, wie man auch ohne Gäste einen unvergesslichen Kindergeburtstag feiern kann.

Für alle anderen hat RND-Redakteurin Mila Krull sieben Apps herausgesucht, die während des Teil-Lockdowns hilfreich sein können: vom Online­spaziergang, Sternatlas bis zur Meditation.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de. Wir freuen uns!

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