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Ivermectin: Wie das Würmermittel gegen Covid-19 wirken könnte – und warum Fachleute trotzdem warnen

  • Einige Studien haben Hinweise darauf geliefert, dass das Wurmmittel Ivermectin auch gegen Covid-19 helfen könnte.
  • In den USA greifen deshalb vermehrt Menschen auf mit dem Wirkstoff versetzte Medikamente zurück, die sonst bei Pferden und Schafen genutzt werden.
  • Wieso Fachleute jedoch vor der Parasiten-Arznei warnen.
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Das Medikament Ivermectin wird in einigen Ländern der Welt als vergleichsweise günstiges und antivirales Wundermittel gegen Covid-19 angepriesen. Jüngstes Beispiel ist die USA. Dort zeigt ein neuer Bericht der nationalen Gesundheitsbehörde FDA, dass der Hype um das Mittel seit der Winterwelle bis Ende Juli 2021 stark zugenommen hat.

Dabei gibt es aber zwei Probleme: Das Mittel ist gar nicht für diesen Zweck zugelassen. Und viele Menschen verschaffen sich ohne Rezept Zugang, indem sie mit dem Wirkstoff versetzte Medikamente kaufen, die eigentlich zur Behandlung von Pferden, Schafen und Rindern vorgesehen sind.

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Ivermectin: eigentlich ein Mittel gegen Würmer und Parasiten

Das Versprechen: Der Wirkstoff soll vor einer Coronavirus-Infektion schützen und einen schweren Covid-19-Verlauf abmildern. Die Folgen: Weil die Mittel in vielen Fällen viel zu hoch dosiert waren, kam es statt positiver Effekte zu einer gefährlichen Überdosierung. Die FDA berichtet von Patientinnen und Patienten, bei denen es zu Vergiftungen, Zitteranfällen und Halluzinationen gekommen ist. Betroffene mussten mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden.

Dass die Einnahme des Mittels ein großes Problem im Land ist, demonstriert unter anderem ein vor wenigen Tagen geposteter Beitrag im eigenen Twitter-Kanal der FDA. Du bist kein Pferd. „Du bist keine Kuh. Ernsthaft, ihr alle. Hört auf“, schrieb die Behörde und teilte dazu ein Aufklärungsmerkblatt zur korrekten Verwendung des Mittels.

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Ivermectin ist in den USA und auch in Deutschland nicht zur Vorbeugung oder Therapie von Covid-19 zugelassen. Das Arzneimittel wurde auch nicht speziell für den Kampf gegen Covid-19 entwickelt. Vielmehr ist es bereits seit Jahrzehnten zur Bekämpfung ganz anderer Erkrankungen im Einsatz. Im großen Stile wird Ivermectin in Form von Pillen und Cremes benutzt, um Parasiten und Fadenwürmer im Körper zu bekämpfen. In Europa ist es auch aus der Krätze-Behandlung bekannt. Größere Tiere – Pferde, Schafe und Rinder – werden mit dem Wirkstoff entwurmt.

Covid-19: Ivermectin-Studien liefern erste Hinweise auf Nutzen

Anfang 2020, mit dem Beginn der Pandemie, hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Melbourne dann gezeigt, dass das Medikament in Zellkulturen die Last an Coronaviren um den Faktor 5000 senken kann. Eine Reihe kleinerer Studien folgte, die Ivermectin als potenzielle antivirale Therapie gegen Covid-19 genauer unter die Lupe nahm. Sie lieferten Hinweise darauf, dass es weniger Symptome und eine schnellere Genesung geben könnte. Das Risiko, an Covid-19 zu versterben, könne sinken. Und am Tiermodell wurden entzündungshemmende Effekte festgestellt.

Ivermectin wird seitdem in einigen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens bei Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, eingesetzt. Auch in Österreich berichtete der Hersteller Infectopharm von einem Run auf das Arzneimittel. Dessen Einsatz wurde in der benachbarten Slowakei empfohlen, ebenso wie in Tschechien. Einen uneingeschränkten Einsatz sehen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und auch Fachleute hierzulande allerdings als problematisch an. Es ist zwar denkbar, dass die Substanz einen wirksamen Nutzen haben könnte. Aber die bisherigen Studien hatten vergleichsweise wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch der Aufbau der Untersuchungen war teilweise von schlechter Qualität.

Ivermectin: Forschung ja, Covid-19-Behandlung nein

Zu diesem Schluss kommen unter anderem Forschende der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Würzburg. Sie haben die Studien Ivermectin und Covid-19 systematisch untersucht. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Ivermectin den Zustand von Erkrankten verbessert oder die Zahl der Todesfälle reduziert – verglichen mit einer Standardbehandlung oder einem Scheinmedikament (Placebo), heißt es in einer eigenen Pressemitteilung von Ende Juli. „Auch eine Sars-CoV-2-Infektion verhindern kann das Medikament nach den aktuell vorliegen Erkenntnissen nicht.“

Auch die Fachgruppe Covriin empfiehlt keinen generellen Einsatz von Ivermectin. Das Gremium mit Fachleuten aus Medizin und Wissenschaft gibt für Deutschland regelmäßig Behandlungsempfehlungen bei Covid-19 ab. In der aktuellen Therapieübersicht sprechen sich die Expertinnen und Experten lediglich für einen „Einsatz zur Therapie oder Prophylaxe nur im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien“ aus. Sprich: Die Forschung zu Ivermectin bleibt vielversprechend. Das Mittel als Privatperson zu erwerben und vorbeugend gegen Covid-19 einzunehmen ist hingegen nicht ratsam.

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