Corona-Infektion im November 2019? Bislang ältester Nachweis könnte aus Italien stammen

  • Eine 25-jährige Frau ließ sich im November 2019 in Mailand wegen eines Hautausschlags untersuchen.
  • Ihre Hautproben deuten einem Bericht zufolge nun darauf hin, dass sie schon damals mit dem Coronavirus infiziert war.
  • Doch bislang ist unklar, woher das Coronavirus stammt und wer „Patient Null“ sein könnte.
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Der bislang älteste Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus könnte einem Bericht eines britischen Fachmagazins zufolge aus Italien stammen. Dabei handelt es sich um eine 25-jährige Frau in Italien, die womöglich schon im November 2019 mit Sars-CoV-2 infiziert war, wie aus dem im „British Journal of Dermatology“ veröffentlichten Bericht hervorgeht. Sie ging demnach im November 2019 wegen eines Hautausschlags zum Arzt. In der entnommenen Hautprobe konnte das Coronavirus den Angaben zufolge nachträglich und eindeutig nachgewiesen werden. Ein halbes Jahr später wurden im Blut der 25-Jährigen zudem Antikörper gegen das Virus festgestellt.

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Forscher untersuchen Hautproben

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Wie die Autoren des Berichts um den Mailänder Pathologen Raffaele Gianotti schreiben, klagte die Frau damals außerdem über Halsschmerzen. Aber auch Hautreizungen könnten in einigen Fällen ein und auch das einzige Symptom von Covid-19 sein, sagte Gianotti der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“. Aus diesem Grund habe er sich atypische Hautproben aus den letzten Monaten von 2019 angeschaut. In der Biopsie der Frau vom 10. November hätten er und seine Kollegen genetische Sequenzen der RNA des Coronavirus gefunden. Bei einem serologischen Test im Juni 2020 wurden außerdem Antikörper gegen Sars-CoV-2 festgestellt. Die Hautreizungen waren nach fünf Monaten verschwunden.

Studien: Nachweise des Coronavirus in Abwasserproben und Lungenkrebsscreenings festgestellt

Bei der 25-Jährigen kann jedoch nicht mit letzter Gewissheit davon ausgegangen werden, dass sie die „Patientin Null“ ist. Sollte sie jedoch tatsächlich mit Sars-CoV-2 infiziert gewesen sein, fand die Infektion noch vor dem in ersten Medienberichten erwähnten 55 Jahre alten Mann aus Wuhan statt. Er soll Mitte November 2019 infiziert gewesen sein. Immer wieder gibt es Studien und Berichte über die ältesten Nachweise des Coronavirus, die noch aus der Zeit vor dem 31. Dezember 2019 stammen sollen, als China erstmals die Lungenkrankheit Covid-19 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete. So entdeckte bereits ein Forscherteam aus Italien in Abwasserproben vom 18. Dezember 2019 den Erreger Sars-CoV-2.

Eine weitere italienische Studie hatte im Juni etwa nahegelegt, dass Sars-CoV-2 schon seit September 2019 in Italien kursiert. Forscher fanden bei Teilnehmern eines Lungenkrebsscreenings Antikörper gegen das Virus. Kritiker wie die Immunologin Antonella Viola von der Universität Padua sagten jedoch, dass von der Präsenz von Antikörpern nicht umstandslos geschlossen werden kann, dass diese als Reaktion gegen das spezifische Sars-CoV-2-Virus gebildet worden seien. Der Genetiker Peter Forster sagte hingegen, dass die Ergebnisse sich mit seiner phylogentischen Analyse des Virus deckten, die Anfang April 2020 veröffentlicht wurde. Demnach werde geschätzt, dass es Mitte September und Dezember 2019 zu einer erfolgreichen Ausbreitung beim Menschen gekommen sein muss.

WHO sucht nach dem Virusursprung in Wuhan

Die Frage, woher das Coronavirus stammt, beschäftigt Forscher weltweit. Bislang gibt es zwar viele Hypothesen, aber noch keine endgültig verlässliche Antwort. Eine gängige Theorie ist, dass das Coronavirus über die sogenannte Zoonose verbreitet wurde, also der Übertragung von Tier zu Mensch. Am wahrscheinlichsten gilt die Beteiligung von Fledermäusen. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich in dieser Woche auf die Suche nach den Ursprüngen der Pandemie in China begeben, da die ersten Fälle mit dem Coronavirus bisherigen Erkenntnissen der Wissenschaft zufolge wohl von einem Tiermarkt in der Millionenstadt Wuhan ausgingen.

Zoonosenexperte Fabian Leendertz ist Teil dieses internationalen Forscherteams. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) räumte er ein, dass es unglaublich schwierig sein werde, die ersten Infizierten mit Sars-CoV-2 zu finden. Anders als bei Ebola könne bei Sars-CoV-2 nicht so einfach nach eindeutigen Symptomen gefragt werden, da viele Infektionen mit dem Coronavirus milde oder gar symptomlos verlaufen. „Vielleicht haben wir Glück und können in ein paar Monaten eine Antwort auf den Ursprung von Sars-CoV-2 geben. Es kann aber auch noch Jahre dauern“, sagte Leendertz. Der Experte geht jedoch nicht so wie einige Forscher davon aus, dass das Coronavirus auf einen Laborunfall zurückzuführen ist.

RND/bk

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