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Isolation und fehlende Tagesstruktur: Psychologe befürchtet langfristige Pandemiefolgen

  • Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen belastend und herausfordernd.
  • Doch neben finanziellen Sorgen und vielen Einschränkungen wird die Situation unser Wohlbefinden langfristig beeinflussen, schätzt ein Psychologe.
  • Denn fehlende Routine kann besonders für junge Menschen zum Problem werden.
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Göttingen. Der Göttinger Psychologe Youssef Shiban befürchtet auch langfristige psychische Folgen durch die Corona-Pandemie. „Es ist wichtig, neben akuten Faktoren wie der eingeschränkten Mobilität, finanziellen Sorgen und fehlender Tagesstruktur auch die langfristigen Effekte auf das Wohlbefinden im Blick zu haben“, sagte er dem „Göttinger Tageblatt“ (Samstag). „Hierbei geht es vor allem darum, wie unsere Weltsicht durch Corona beeinflusst wird und was dies für einen Einfluss auf die folgende Generation ausübt.“

Stress macht uns für zukünftige Krisen anfälliger

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Langfristige Effekte seien noch nicht absehbar, sagte Shiban, der an der Privaten Hochschule Göttingen ein internationales Forschungsprojekt zum Thema leitet. „Allerdings ist davon auszugehen, dass der Verlust sozialer Kontakte gerade für jüngere Personen ein nachhaltiges Problem darstellen wird, mit nicht absehbaren Folgen für die Psyche.“ Die momentane Erhöhung der Symptombildung sei alarmierend. „Der jetzige Stress macht uns anfälliger für künftige belastende Situationen.“

Je mehr Vorbelastungen jemand mitbringe, desto stärker könnten die Auswirkungen der akuten Krisensituation ausfallen, sagte er. „Wider Erwarten scheinen vor allem junge Personen unter den zu Beginn der Pandemie erhobenen Maßnahmen gelitten zu haben.“ Mittlerweile hielten sie sich aber weniger an die Corona-Einschränkungen, sodass in der zweiten Befragung eine abnehmende Belastung zu erwarten sei. „Bei der älteren Bevölkerungsgruppe erwarten wir hingegen einen Anstieg der Symptombelastung, da sie die Maßnahmen nun strikter befolgen.“

Jüngere leiden unter fehlender Routine

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Isolation und das Wegbrechen sozialer Kontakte gehörten zu den Faktoren, die sich am stärksten auf das Wohlbefinden von Menschen auswirkten, sagte er. Auch ein Wegfallen der Tagesstruktur und der alltäglichen Routine etwa durch Schule, Uni oder Arbeit spiele eine Rolle. „Aus psychologischer Sicht ist es wichtig, Tagesstruktur zu schaffen, denn Struktur bietet Halt in Krisenzeiten.“ Digitale Vernetzungsangebote stellten eine Alternative zu realen Treffen dar. „Zudem können sinnhafte Aufgaben wie die Renovierung der Wohnung und Entspannung beispielsweise durch Yoga und Meditation helfen.“

RND/epd



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