• Startseite
  • Gesundheit
  • Ischgl immun gegen Corona: Neue Studie aus Innsbruck liefert neue Erkenntnisse

Neue Studie: Bevölkerung von Ischgl weiter immun gegen Corona

  • Im österreichischen Skiort Ischgl waren im Frühjahr besonders viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Bis heute sind viele von ihnen immun, wie eine neue Studie der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt.
  • Während der zweiten Corona-Welle konnte sich das Virus nicht mehr in Ischgl ausbreiten.
|
Anzeige
Anzeige

Wie lange hält die Immunität nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion an? Neue Erkenntnisse dazu haben jetzt Wissenschaftler der Medizinischen Universität Innsbruck auf einer Pressekonferenz präsentiert. Die Forscher hatten die Bevölkerung im österreichischen Skiort Ischgl untersucht, wo sich im Frühjahr besonders viele Menschen mit dem Virus infiziert hatten.

Video
Herdenimmunität früher als gedacht? Langzeitstudie aus Ischgl gibt Hoffnung
1:44 min
Eine Langzeitstudie der Medzinischen Universität in Innsbruck zum Corona-Ausbruch in Ischgl gibt Hoffnung, was die Immunität angeht.  © Reuters

Die Wissenschaftler hatten bereits im April in Ischgl einen großen Anteil der Bevölkerung auf Antikörper gegen das Virus getestet: Antikörper im Blut sind ein Beleg dafür, dass eine Infektion durchgemacht und anschließend ein Immunschutz aufgebaut wurde. Im Rahmen einer Folgestudie wollten die Innsbrucker Wissenschaftler nun einige Monate später überprüfen, ob immer noch ein Immunschutz bestand. Dazu nahmen sie im November erneut Blutproben von 800 Bewohnern von Ischgl, die sie schon im April untersucht hatten.

Anzeige
Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Bei 90 Prozent Immunschutz auch noch nach acht Monaten

Damals hatten rund 51 Prozent von ihnen Antikörper gegen das Virus im Blut gehabt, im November waren es immer noch rund 45 Prozent. Bei gut 90 Prozent der zuvor Infizierten war also auch acht Monate später noch von einem Immunschutz auszugehen. Die Konzentration der Antikörper sei zwar innerhalb dieses Zeitraums etwas gesunken. Die Antikörper seien aber immer noch gut dazu in der Lage gewesen, das Virus im Labor zu neutralisieren, sagte Dorothee van Laer, Leiterin des Instituts für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck auf der Pressekonferenz.

Wichtig für einen Immunschutz gegen das Coronavirus ist nicht nur die Bildung von Antikörpern, sondern auch die Bildung sogenannter T-Zellen. Einige von ihnen können mit dem Virus infizierte Körperzellen erkennen und zerstören. Man spricht hierbei auch von der zellulären Immunität, die schwerer nachzuweisen ist als das Vorhandensein von Antikörpern. Die Innsbrucker Forscher hatten 93 der Probanden auch auf eine solche zelluläre Immunität untersucht. Dabei stellten sie fest, dass selbst bei solchen Versuchsteilnehmern T-Zellen gebildet wurden, bei denen keine oder kaum noch Antikörper nachweisbar waren. Das könne bedeuten, dass diese trotzdem immun seien, so van Laer.

Immunität reichte aus um Virus zu stoppen

Um zu prüfen, wie gut die Bewohner von Ischgl tatsächlich noch vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt waren, hatten die Forscher Infektionszahlen des Orts während der zweiten Welle im November mit den Infektionszahlen aus anderen Regionen Österreichs verglichen. Während dort die Zahl der Neuinfektionen Mitte November einen Höchststand erreicht hatte, blieb in Ischgl eine Welle von Neuinfektionen weitgehend aus.

Offenbar habe die Immunität bei 40 bis 45 Prozent der Bevölkerung ausgereicht, um – mit einigen weniger strengen Schutzmaßnahmen – eine Ausbreitung des Virus in Ischgl zu stoppen, sagte Virologin van Laer. Das bedeute, dass auch eine Impfung von 40 bis 45 Prozent ausreichen könne, um das Virus zu bremsen und Maßnahmen lockern zu können. „Ischgl ist ein Fall, der Hoffnung macht auf eine frühere Rückkehr zur Normalität”, so die Expertin.

Impfung an neue Varianten anpassen

Laer räumte auch ein, dass ein Immunschutz von einigen neuen Varianten des Virus durchbrochen werden könne. So hatten sich in Tirol zuletzt mehrere Menschen mit der neuen südafrikanischen Variante infiziert, obwohl sie bereits zuvor eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hatten. Auch bei den verfügbaren Impfungen wird von einer zumindest herabgesetzten Wirkung gegen die südafrikanische Variante ausgegangen.

Es gelte daher, die Verbreitung der südafrikanischen Variante möglichst so lange einzudämmen, bis Impfungen entsprechen angepasst werden könnten, sagte Laer. Dass sich Viren verändern, sei allerdings nichts Neues: „Das haben wir bei der Grippe auch, daher wird jedes Jahr der Impfstoff angepasst. Ich denke, genauso wird es mit Corona laufen.”

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen