Mehr Infektionen bei Kindern, weniger bei Älteren? Wie sich die Inzidenzen entwickeln

  • Die steigenden Fallzahlen der vergangenen Wochen sind vor allem auf Infektionen in den jüngeren Altersgruppen zurückzuführen, das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts hervor.
  • In der Hauptrisikogruppe der Älteren macht sich hingegen der Effekt der Impfungen deutlich bemerkbar.
  • Infektionen kommen bei ihnen sehr viel seltener vor als noch zu Beginn des Jahres.
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Der Anstieg der Inzidenzen in den vergangenen Wochen ist vor allem auf Infektionen jüngerer Altersgruppen mit dem Coronavirus zurückzuführen, wie aus einem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Die meisten neuen Fälle wurden bei unter 60-Jährigen gemeldet, nur bei ihnen lagen die Sieben-Tages-Inzidenzen pro 100.000 Einwohner über 150.

In der Hauptrisikogruppe der Älteren macht sich hingegen der Effekt der Impfungen bemerkbar: Hier werden deutlich weniger Infektionen gemeldet, und es wird nur ein leichter Anstieg verzeichnet. In der Gruppe der 75- bis 90-Jährigen lagen die Inzidenzen zuletzt unter 80 und waren damit nur etwa halb so hoch wie die Gesamtinzidenz in der Bevölkerung.

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Lediglich bei den über 90-Jährigen wurde in der vergangenen Woche eine Inzidenz von 101 gemeldet, ein starker Anstieg ist aber auch in dieser Altersgruppe nicht zu beobachten. Ende vergangenen Jahres hatte die Inzidenz bei den über 90-Jährigen über 600 oder sogar über 700 gelegen.

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Deutlich weniger Todesfälle als noch zu Beginn des Jahres

Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe nimmt im jüngeren Alter stark ab. Das mittlere Alter der an und mit dem Coronavirus Verstorbenen liegt in Deutschland bei 84 Jahren, 88 Prozent der Verstorbenen waren 70 Jahre und älter. Da in dieser Altersgruppe viele Menschen geimpft wurden, sind nun trotz steigender Inzidenzen deutlich weniger Todesfälle zu verzeichnen als noch zu Jahresbeginn. Wurden Mitte Januar im Mittel noch rund 890 Todesfälle pro Tag gemeldet, sind es derzeit etwa 216 pro Tag.

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Laut Robert Koch-Institut wurde eine besonders deutliche Zunahme der Inzidenzen bei Kindern und Jugendlich zwischen sechs und 20 Jahren gemeldet. Nicht ersichtlich ist aus den Zahlen, inwieweit dies auf die bereite Anwendung von Tests in den Schulen zurückzuführen ist. So hatten mehrere Bundesländer verpflichtende Schnelltests in Schulen eingeführt.

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Schwere Verläufe bei Kindern und Jugendlichen sind eine Seltenheit. Laut den Zahlen des RKI konnten bisher zwar mehr als 85.000 Infektionen auf Schulen, Kitas, Heime und Ferienlager zurückgeführt werden, aber in nur 1 Prozent der Fälle musste ein Krankenhaus zur Behandlung aufgesucht werden, ein Todesfall bei Kindern wurde in diesem Zusammenhang berichtet. Insgesamt wurden bei etwa 13,5 Millionen Kindern in Deutschland 14 Todesfälle bei unter 20-Jährigen an oder mit dem Coronavirus bestätigt. In elf Fällen waren Vorerkrankungen bekannt.

Zum Vergleich: In Pflegeeinrichtungen wurden bisher rund 67.062 Fälle von Infektionen gemeldet, davon mussten mehr als 10.000 (15 Prozent) im Krankenhaus behandelt werden, und fast 20 Prozent verstarben.

Ausrichtung an Gesamtinzidenz in der Kritik

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Die reine Ausrichtung von Maßnahmen an der Gesamtinzidenz in der Bevölkerung war schon mehrfach kritisiert worden. So hatten unter anderem Berliner Amtsärzte gefordert, bei der Beurteilung der Infektionslage auch die infizierten Altersgruppen und den Stand der Impfung zu berücksichtigten. Auch weitere Experten haben sich inzwischen dafür ausgesprochen.

Intensivmediziner fordern, stärker die Lage in den Krankenhäusern zu berücksichtigen als die bloße Inzidenz. Wenn immer weniger alte Menschen erkranken, ist zwar mit weniger Krankenhauseinlieferungen zu rechnen. Allerdings berichten Intensivmediziner derzeit trotzdem von einer starken Belastung: So können jüngere Corona-Patienten meist geheilt werden und versterben selten, belegen aber länger die Betten im Krankenhaus während sie genesen.

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