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Intensivmediziner Karagiannidis erwartet keine flächendeckende Überlastung der Intensivstationen

  • In Bayern und Ostdeutschland sind viele Intensivstationen überlastet, Covid-19-Intensivpatientinnen und -patienten müssen in andere Regionen verlegt werden.
  • Droht nun die flächendeckende Überlastung? Nein, sagt der Intensivmediziner Christian Karagiannidis.
  • Die Impfquote sei im Norden und Westen deutlich höher, dadurch werde es zu weniger schweren Verläufen kommen.
Kristina Auer
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Köln. Der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, glaubt nicht, dass in der vierten Welle der Corona-Pandemie auf allen Intensivstationen deutschlandweit eine Überlastung droht. „Das Besondere ist, dass die vierte Welle anders als die drei ersten regional sehr unterschiedlich verläuft“, sagte der Intensivmediziner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Während die Belastung in den Krankenhäusern in Bayern, Sachsen und Thüringen derzeit schon zu groß geworden sei, sei die Situation etwa im Nordwesten Deutschlands noch unter Kontrolle. Deshalb sei es richtig, dass nun mit der Verlegung von Intensivpatientinnen und -patienten aus den überlasteten Regionen in andere Teile Deutschlands begonnen werde, so Karagiannidis.

Höhere Impfquote, weniger Intensivpatientinnen und -patienten

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Entscheidend für die regionalen Unterschiede sei die Impfquote. „Wir sehen, dass die Verläufe von Intensivbelegung und Impfquote sehr streng aneinander gekoppelt sind“, sagt der Leiter des ECMO-Zentrums an der Lungenklinik Köln-Merheim. Da in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen mehr Menschen geimpft seien als in Sachsen oder Thüringen, sei dort nicht mit vergleichbaren Engpässen auf den Intensivstationen zu rechnen. Die Impfquoten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen liegen bei 69,9 und 71,5 Prozent, in Bremen sogar bei über 79,7 Prozent. Sachsen hat mit 57,8 Prozent vollständig geimpften Menschen die mit Abstand niedrigste Impfquote in ganz Deutschland.

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Am Dienstagabend hatten die Bundesländer Bayern, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin das sogenannte Kleeblatt-System zur strategischen Verlegung von Intensivpatienteninnen und -patienten aktiviert. Es soll gewährleisten, dass alle Covid-19-Erkrankten auch bei lokalen Überlastungen weiterhin intensivmedizinisch behandelt werden können. Derzeit wird die Verlegung von rund 80 Patientinnen und Patienten in andere Bundesländer vorbereitet, wie der Vorsitzende des Arbeitskreises der Innenministerkonferenz für Feuerwehrangelegenheiten, Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung, Hermann Schröder, am Mittwoch mitteilte.

Patientenverlegung schafft Zeit, bis Maßnahmen wirken

„Das ist schon eine hohe Zahl, wenn man den aufwendigen Transport bedenkt“, sagt Karagiannidis. Ein Flugzeug der Bundeswehr könne in der Regel sechs Patientinnen oder Patienten transportieren. Weitere Transportmittel seien Helikopter oder Intensivtransportwagen. Diese könnten jeweils nur eine Patientin oder einen Patienten befördern. Wichtig sei, dass die Erkrankten stabil genug seien, um über mehrere Stunden hinweg gefahrlos transportiert werden zu können. Die Fachgruppe COVRIIN am Robert-Koch-Institut (RKI) hat dafür eine Empfehlung erarbeitet. „Die Schwerstkranken bleiben möglichst vor Ort“, erklärt Karagiannidis. Das sei etwa bei Patientinnen und Patienten mit einer künstlichen Lunge, der sogenannten ECMO, der Fall.

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Bei der Verlegung von Patientinnen und Patienten gehe es primär darum, sich in einer kritischen Lage in der Pandemie Zeit zu verschaffen. „Es kommt jetzt extrem auf diese zusätzliche Zeit an, bis andere Maßnahmen wirken“, sagt Karagiannidis. Derzeit sei noch nicht klar, wie wirksam die vor kurzem eingeführten 2G-Regelungen seien. „Dauerhaft raus aus der Pandemie kommen wir aber nur mit der Impfung“, betont der Lungenarzt.

Zu einer Triage, also der Priorisierung von Patientinnen und Patienten mit besseren Überlebenschancen bei einer Überlastung der Krankenhäuser, dürfe es in Deutschland aber niemals kommen. „Wir haben so viele Krankenhäuser und Intensivbetten wie kein anderes Land in Europa, das wäre eine Bankrotterklärung“, so Karagiannidis.

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