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Intensivmediziner in Sorge: „Gerade liegen die Berufstätigen auf der Intensivstation“

  • Divi-Mediziner Christian Karagiannidis berichtet von zunehmend jüngeren Covid-19-Patienten auf der Intensivstation.
  • Er rechnet damit, dass in den kommenden Tagen über 5000 Menschen mit schwerem Verlauf in den Kliniken landen – eine enorme Belastung auch für Pflegende und Ärzte.
  • Eine Triage werde es nicht geben, aber die Versorgung leide.
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Der Leiter des Divi-Intensivregisters, Prof. Christian Karagiannidis, berichtet von zunehmend jungen Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf. „Wir sehen das gerade bei uns in Köln: Es sind die Berufstätigen, die gerade auf der Intensivstation liegen“, sagte der Oberarzt des Klinikums Köln-Merheim im Gespräch mit dem Science Media Center.

Die Entwicklung bereite ihm aktuell Bauchschmerzen und er vermute, dass die veränderte Altersstruktur bei den Krankenhauseinweisungen mit der Variante B.1.1.7. zusammenhängen könnte.

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Ein Problem sei aber, dass es zur beobachteten veränderten Altersstruktur und Liegedauer derzeit nur einzelne Stichproben aus den Kliniken und keine bundesweit aussagekräftigen und ausgewerteten Daten gebe. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin arbeite derzeit daran, diese so wichtigen Daten in der Statistik des Intensivregisters einzubringen.

Was die Datenauswertung hingegen bereits zeige, sei die zunehmende Bedeutung von Langzeitfolgen. Von rund 6000 aus der Klinik entlassenen Covid-19-Patienten musste rund ein Viertel im Laufe der folgenden sechs Monate erneut aufgenommen werden. „Einige Patienten sterben auch noch nach der Entlassung aus der Klinik“, berichtet Karagiannidis. Auch auf Long Covid spezialisierte Ärzte berichten zunehmend von jüngeren Menschen, die unter Symptomen lange nach einer Sars-CoV-2-Infektion leiden – auch nach milderem Verlauf.

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Covid-19-Patienten: Regionale Unterschiede in den Kliniken

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Grundsätzlich sei die Lage in den Kliniken weiter kritisch. Karagiannidis rechne damit, dass spätestens am Mittwoch die Zahl der Intensivpatienten auf über 5000 steigt, 75 Prozent der Eingewiesenen müssten beatmet werden. Zum Vergleich: Vor der Pandemie habe es in einem ganzen Jahr zwischen 8000 und 12.000 beatmete Patienten gegeben. Die hohe Zahl der betreuungsintensiven Patienten sei ein Warnsignal, viele Kliniken arbeiteten bereits im eingeschränkten Regelbetrieb.

Die Daten zeigten, dass es im Moment regionale Unterschiede gebe: Die Kliniken in Schleswig-Holstein seien weniger belastet, in Berlin gebe es durch Verhaltensänderungen eine gewisse Abbremsung. In Nordrhein-Westfalen hingegen stiegen die Zahlen stark, allein am Montag seien 300 weitere Covid-19-Patienten eingewiesen worden.

„Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle Patienten versorgt bekommen“, sagt Karagiannidis. „Es wird keine Triage geben, weil sich die Krankenhäuser dynamisch ans Geschehen anpassen. Es leiden aber alle anderen Patienten.“

Studie: Pflegende können nicht mehr so versorgen wie vorher

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Es gebe nun seit Monaten eine enorme körperliche und psychische Belastung für die Ärzte und Pflegekräfte. Das hänge auch mit den vielen Todesfällen und seit Monaten hohen Infektionszahlen zusammen, so Karagiannidis. Das bestätigt auch Prof. Uta Gaidys. Die Hamburger Professorin für Pflegewissenschaft hat in einer Studie rund 4500 Pflegende zu ihrer Arbeit während der Corona-Pandemie befragt.

„In der dritten Welle sagen 80 Prozent der Befragten, es gebe eine unglaublich hohe Arbeitsbelastung“, berichtete die Wissenschaftlerin im Gespräch mit dem Science Media Center. „In der ersten Welle haben das nur 20 Prozent der Pflegenden angegeben.“

Während der zweiten Welle hätten 75 Prozent der Befragten zudem Einbußen bei der pflegerischen Versorgungsqualität gesehen, in der dritten Welle bereits 85 Prozent.

Das heiße: „Die Pflegenden müssen priorisieren und können ihre Patienten nicht mehr so versorgen, wie sie es eigentlich wollen.“ 17 Prozent der Intensivpflegenden gaben der Studie zufolge an, dass sie nichts mehr motiviert. Diese Kollegen seien stark gefährdet, den Beruf zu verlassen.

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