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Newsletter „Die Pandemie und wir“

Infiziert, genesen, aber nicht gesund

Corona-Spätfolgen können bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Die einen haben vielleicht anhaltende Kopfschmerzen, anderen leiden hingegen unter Kurzatmigkeit.

Liebe Leserinnen und Leser,

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nach langer Pause hat sich der Corona-Expertenrat der Bundesregierung zurückgemeldet. In der neuen Stellungnahme geht es um Long Covid, also die Spätfolgen einer Corona-Erkrankung. Und wieder ist die Botschaft der 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern keine gute. In der Kurzfassung lautet sie: Long Covid wird wohl eine langfristige Belastung für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem.

Noch immer werden Corona-Spätfolgen eher stiefmütterlich behandelt. Teilweise auch von Ärztinnen und Ärzten, die sie als rein psychische Erkrankungen abtun. Dabei verdeutlichen immer mehr Studien, dass Long Covid keine Seltenheit ist: Eine Forschungsarbeit aus China kam kürzlich etwa zu dem Ergebnis, dass die Hälfte aller hospitalisierten Corona-Patientinnen und ‑Patienten noch zwei Jahre nach überstandener Infektion mindestens ein Krankheitssymptom hat. Long Covid bedeutet für sie nicht nur eine langfristige körperliche und psychische Belastung, sondern auch eine soziale Ausgrenzung. Sie können zum Teil für lange Zeit nicht mehr arbeiten gehen, Sport treiben; selbst Freundinnen und Freunde sowie Bekannte zu treffen stellt für einige von ihnen eine Herausforderung dar.

Mehr Forschung, mehr langfristige Hilfen

Das Problem bei Long Covid ist auch das komplexe Krankheitsbild. Es reicht von Kopfschmerzen, die nur wenige Wochen anhalten, über Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu einer monatelangen starken Erschöpfung, auch als Fatigue bekannt. Diese Beschwerden zu behandeln ist für Medizinerinnen und Mediziner keine leichte Aufgabe: Denn es gibt keine konkreten Biomarker, mit denen Long Covid frühzeitig erkennbar ist, und nur für andere Krankheiten zugelassene Medikamente. Am Ende bleiben nur symptomatische, individuelle Heilversuche.

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Kein Wunder also, dass der Corona-Expertenrat fordert, die Forschung zu Long Covid auszuweiten und finanziell zu fördern. Schließlich wird das Coronavirus nicht wieder verschwinden, weitere Infizierte, die unter Spätfolgen leiden, sind zu erwarten. Was jetzt also gebraucht wird, sind langfristige Hilfen für Betroffene – zum einen in Form von Therapien, zum anderen in Form von zentralen Anlaufstellen in Kliniken oder Arztpraxen. Und auch mehr Aufmerksamkeit für Long Covid ist längst überfällig.

Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Laura Beigel

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Erkenntnis der Woche

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor einer Rückkehr der gefährlicheren Delta-Variante gewarnt. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Eine Omikron-Welle im Herbst ist zwar wahrscheinlich. Aber selbst die gefährlichere Delta-Variante könnte zurückkommen“, sagte er der „Rheinischen Post“. Der SPD-Politiker verwies auf Studienergebnisse aus Israel, wonach Delta in Abwasserproben während der dortigen Omikron-Welle nachgewiesen werden konnte. Die Virusvariante war also nicht vollkommen aus der Bevölkerung verschwunden.

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Dass künftig wieder mehr Infektionen mit der Delta-Variante auftreten, halten auch andere Expertinnen und Experten für ein mögliches Szenario. Allerdings ist noch unklar, wie sich das Coronavirus weiterentwickelt. Es ist genauso wahrscheinlich, dass eine neue immunflüchtige und gefährlichere Virusvariante als Delta und Omikron auftaucht. Beim weiteren Verlauf der Pandemie werde neben der Virusevolution auch die Immunität in der Bevölkerung eine Rolle spielen, schreibt meine Kollegin Saskia Heinze in ihrer Analyse. Je besser die Grundimmunität der Menschen sei, desto seltener würden sie schwer an Covid-19 erkranken. Unklar sei jedoch noch, wie lange der durch Impfungen und Ansteckungen aufgebaute Immunschutz vor schwerer Krankheit anhält und wie er bei verschiedenen Varianten wirkt.

 

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Menschen, die sich mit der Corona-Variante Omikron anstecken, erkranken in der Regel seltener schwer an Covid-19 als noch bei der vorherigen Virusvariante Delta. Das heißt aber nicht, dass überhaupt keine schweren Krankheitsverläufe mehr auftreten. Wie sich die Erkrankung im Einzelfall äußert, hängt von unterschiedlichen Faktoren wie dem Immunschutz, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Wer zum Beispiel nicht geimpft und genesen ist, hat generell ein höheres Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Doch was bedeutet das konkret? Wie lange ist man dann krank? (RND+).

Auch bei schwer erkrankten Corona-Infizierten beginnt die Krankheit oft schleichend, mit ersten Symptomen wie Schnupfen und Halskratzen. Zwischen dem Symptombeginn und der Aufnahme in einem Krankenhaus vergehen im Schnitt rund vier Tage, schreibt das Robert Koch-Institut. In der Klinik verbringen Patienten und Patientinnen dann im Schnitt zehn Tage. Wer besonders schwer erkrankt und invasiv beatmet werden muss, bleibt dort noch länger, im Schnitt rund 18 Tage. Schwere Krankheitsverläufe bergen zudem ein erhöhtes Risiko für Spätfolgen.

Umso wichtiger ist es, im Ernstfall schnell zu reagieren. Wer sich mit Corona infiziert und zunehmende Beschwerden wie hohes Fieber oder Atemprobleme bei sich bemerkt, sollte beim Hausarzt oder bei der Hausärztin vorstellig werden. Je früher man auf die Symptome aufmerksam macht, desto wahrscheinlicher ist es, sie medikamentös zu behandeln. Wer unsicher ist, kann auch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 um Hilfe bitten. Sollten sich die Beschwerden weiter verschlimmern oder die Hausarztpraxis nicht erreichbar sein, ist es ratsam, sofort ins Krankenhaus zu fahren oder den Notdienst unter 112 zu kontaktieren.

 

Zitat der Woche

Dass man Corona bisher nicht hatte, heißt nicht, dass man für alle Zeit safe ist. Das kann schon mit einer neuen Virusvariante oder situationsabhängig ganz anders aussehen.

Leif Erik Sander,

Leiter der Klinik für Infektiologie an der Berliner Charité

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Forschungsfortschritt

Es gibt Menschen, die haben sich nicht nur einmal mit der Corona-Variante Omikron infiziert, sondern gleich zweimal oder dreimal. Fachleute sprechen in diesem Fall von Reinfektionen. Wie wahrscheinlich diese sind, hat eine Studie aus Dänemark untersucht.

Die Forschenden nutzten Daten von mehr als 1,8 Millionen Corona-Infektionen, die zwischen Ende November 2021 und Mitte Februar 2022 auftraten. Darunter waren knapp 190 Fälle, in denen sich Menschen zwischen 20 und 60 Tage nach der Erstinfektion erneut mit Omikron angesteckt hatten. 47 Studienteilnehmende hatten sich wiederum zunächst mit dem Omikron-Subtyp BA.1 und dann mit der Schwesternvariante BA.2 infiziert. Der Anteil der Betroffenen zeigt: Das Risiko für Reinfektionen ist insgesamt eher gering gewesen. Verhältnismäßig häufiger nachgewiesen wurden sie bei jungen, ungeimpften Personen, die nur leicht an Covid-19 erkrankt waren. Die Ergebnisse müssen noch von unabhängigen Expertinnen und Experten überprüft werden.

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Pandemie im Ausland

Ein Angestellter des Kyonghung Foodstuff General Store in Pjöngjang desinfiziert den Ausstellungsraum: Die Corona-Pandemie hat nun auch Nordkorea erreicht.

Ein Angestellter des Kyonghung Foodstuff General Store in Pjöngjang desinfiziert den Ausstellungsraum: Die Corona-Pandemie hat nun auch Nordkorea erreicht.

Vergangene Woche hat Nordkorea erstmals Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Bislang hatte das Land immer beteuert, den Erreger ferngehalten zu haben. Die Staatsmedien sprechen vornehmlich von einem „mysteriösen Fieber“, das sich aus noch ungeklärter Ursache explosionsartig ausbreite, berichtet RND-Korrespondent Fabian Kretschmer. Mehr als 1,7 Millionen Fälle sind mittlerweile bekannt sowie mehr als 60 Todesfälle. Knapp 700.000 Menschen seien nach Angaben der Behörde für Virusbekämpfung in Quarantäne. Als Reaktion auf die Ausbreitung des „Fiebers“ verhängte Machthaber Kim Jong Un umgehend einen harten Lockdown für Städte und Bezirke. Fachleute rechnen mit gravierenden Folgen für das Land. Denn das Gesundheitssystem gilt als rudimentär, die Bevölkerung als nahezu ungeimpft, der Ernährungszustand der 26 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zudem als schlecht.

 

Was kommt

Abstandsregeln, Maskenpflicht, Quarantäne – diese Maßnahmen haben nicht nur das Coronavirus in Schach gehalten, sondern auch die Influenzaviren. Folglich sind die Grippewellen in den vergangenen zwei Jahren ausgeblieben. Infektionen gab es nur vereinzelt. Mit den Lockerungen der Corona-Regeln könnte sich das jetzt ändern: Die Influenzapositivenrate habe in den vergangenen zwei Wochen „eine Höhe erreicht, die im Winter den Beginn der saisonalen Grippewelle bedeuten würde“, heißt es vonseiten des Robert Koch-Instituts. Vor allem bei Schulkindern zeigten sich gerade wieder die typischen Grippesymptome wie Fieber, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen oder Schnupfen.

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Ob nun tatsächlich eine Grippewelle bevorsteht, wann genau sie einsetzt und wie stark sie ausfallen könnte, lässt sich derzeit nicht sagen. Die beste Gegenmaßnahme gegen eine Erkrankungswelle ist den meisten Menschen durch Corona bereits vertraut: bei akuten Symptomen zu Hause bleiben, sich auskurieren und Kontakte meiden. Risikopersonen wie über 60-Jährige, Schwangere und Vorerkrankte sollten sich zudem jährlich gegen Grippe impfen lassen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung ab Oktober bis Mitte Dezember.

 

Was die Pandemie leichter macht

Barfuß in den Fluten: Bei einem Strandspaziergang lassen sich leicht 10.000 Schritte sammeln – aber auch 1000 steigern die Gesundheit.

Barfuß in den Fluten: Bei einem Strandspaziergang lassen sich leicht 10.000 Schritte sammeln – aber auch 1000 steigern die Gesundheit.

Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, sollte am Tag 10.000 Schritte laufen. Nach wie vor gilt dies als goldene Regel für alle Bewegungsmuffel. Dabei zeigten wissenschaftliche Studien, dass selbst 7000 Schritte schon gesundheitliche Vorteile haben, schreibt Sportmedizinerin Christine Joisten in der RND-Kolumne „Auf der Couch“. Die Hürde von 10.000 Schritten könne jedoch zur Motivation und Steigerung beitragen. Bewegung ist allgemein gut für die körperliche und geistige Gesundheit – je mehr, desto besser. Schon eine Steigerung von 1000 Schritten am Tag senke das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erklärt Joisten. Um die Schrittzahl im Blick zu behalten, kann auch ein Schrittzähler oder Fitnesstracker helfen.

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Was sonst noch wichtig ist

Es ist ein großer Hoffnungsschimmer für alle Eltern: Einem australischen Forscherteam ist es gelungen, einen Biomarker für den plötzlichen Kindstod zu identifizieren. Bei dem sogenannten Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) versterben gesund erscheinende Säuglinge völlig unerwartet – meist im Schlaf. Wie die Forschenden herausgefunden haben, geht SIDS offenbar mit einem Mangel des Enzyms Butyrylcholinesterase einher. Dieses Enzym übernimmt wichtige Funktionen für die Kommunikation im Gehirn. Ist es dort nicht aktiv genug, könne dies dazu führen, dass das Baby nicht automatisch aufwacht, sollte die Atmung aussetzen, schreiben die Forschenden in ihrer Studie.

„Wenn dieser Fund wissenschaftlich bestätigt werden kann, wäre das ein großer Fortschritt“, sagte Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, meinem Kollegen Ben Kendal (RND+). Dann könne man Screeningtests durchführen, um den Mangel an Butyrylcholinesterase frühzeitig zu erkennen. Bisher können Eltern nur Vorsorgemaßnahmen treffen, um das Risiko für SIDS zu senken. So sollten Babys beispielsweise immer in einem an ihre Größe angepassten Schlafsack in Rückenlage schlafen, nie aber unter einer Decke und auf einem Kopfkissen. Bei plötzlichem Atemversagen können Eltern versuchen, ihr Kind zu beatmen oder mit einer Herzdruckmassage wiederzubeleben. Eine Anleitung zur Herz-Lungen-Wiederbelebung findet sich auf der Internetseite des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de Wir freuen uns!

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