Infektiologe: Öffnet die Schulen wieder – es gibt keine Alternative

  • Ein Infektiologe aus Hamburg zweifelt daran, die Kontaktsperre nach dem 20. April noch aufrechterhalten zu können.
  • Stattdessen fordert er ein Umdenken.
  • Die Bevölkerung solle sich schrittweise immunisieren – und die Jugend damit beginnen.
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Hamburg. Der Infektiologe Ansgar Lohse, Direktor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, plädiert dafür, Kitas und Schulen nach dem 20. April wieder zu öffnen. Kinder und Jugendliche müssten keine besondere Gefährdung durch das Virus befürchten. Schwere Fälle seien bei ihnen extrem selten. “Die Infektion verläuft bei Kindern und Jugendlichen offensichtlich sehr symptomarm und wahrscheinlich sehr häufig sogar ohne Symptome”, sagt der 60-Jährige den “Kieler Nachrichten”.

Das sehe man beispielsweise in Italien. Von allen dort mit diesem Virus diagnostizierten Fällen sind weniger als 2 Prozent bei Kindern und Jugendlichen aufgetreten, obwohl diese einen wesentlichen Anteil an der Bevölkerung ausmachen. Der Professor schlussfolgert daraus, dass die meisten jungen Infizierten noch nicht einmal diagnostiziert worden seien, weil sie keine Symptome entwickelt hatten.

Zwar sei nicht sicher, dass diese Gruppe eine schützende Immunität habe und das Virus nicht mehr übertragen könne, aber man wisse von ähnlichen Viren, dass es nach einer durchgemachten Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit einen immunisierenden Schutz gäbe, der auch über mehrere Monate anhalte. “Es gibt experimentelle Daten an Makaken (Affen, Anm. d. Red.), die das auch sehr, sehr wahrscheinlich machen”, sagt Lohse.

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Professor zweifelt an Aufrechterhaltung der Isolationsmaßnahmen

Für Kritik, dass die Lockerung in dieser Phase ein kalkuliertes Sterbenlassen wäre, weil die Erkrankungen das Gesundheitssystem überlasten würden, hat der Professor kein Verständnis. Diese sei, wie vieles in der Berichterstattung, angstgetrieben und nicht fachlich fundiert.

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“Da wird übersehen: Gibt es überhaupt eine echte Alternative? Können wir so lange die Isolationsmaßnahmen aufrechterhalten, bis wir die gesamte Bevölkerung durch einen Impfstoff schützen können?” Lohse zweifelt daran. “Wir als klinische Infektiologen und Immunologen, die an solchen Impfstoffen forschen, sind da extrem zurückhaltend.” Weil es sehr unwahrscheinlich wäre, dass ein effektiver Impfstoff in absehbarer Zeit auf den Markt käme, der sicherstelle, dass man ihn auch Kindern und Jugendlichen geben könne, die gar nicht von der Infektion gefährdet seien.

RND/ak


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