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In Schweden sinken die Corona-Zahlen: 50-Personen-Grenze soll bald fallen

  • In Schweden sinkt die Zahl der Corona-Neuinfizierten, -Toten und -Intensivpatienten.
  • Am 1. Oktober soll deshalb die Personengrenze für öffentliche Veranstaltungen deutlich erhöht werden.
  • Die Lockerung betrifft unter anderem Theater, Kinos und Sportveranstaltungen.
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Stockholm. Während große Teile der Welt in den Corona-Lockdown gingen, entschied sich Schweden für einen anderen Weg. Es gab keine Maskenpflicht, keine Kontaktbeschränkungen. Alle Geschäfte, Schulen bis einschließlich die neunte Klasse, Kindergärten, Büros, Bars, Restaurants, Fitnessstudios, Büchereien und sogar einige Kinos blieben geöffnet.

Einige staatlich verordneten Einschränkungen gibt es dennoch. In Altenheimen herrscht ein Besuchsverbot, in der Gastronomie gelten inzwischen Abstands- und Sitzregeln. Und bei öffentlichen Veranstaltungen dürfen seit dem 29. März maximal 50 Menschen zusammenkommen. Doch das soll sich bald ändern.

Lockerung unter anderem für Theater, Kinos und Sportveranstaltungen vorgesehen

Weil die Zahlen der Neuinfizierten, Intensivpatienten und Toten seit Wochen sinken, hat die Regierung nun angekündigt, die Grenze von 50 Personen für öffentliche Veranstaltungen ab Oktober wieder zu erhöhen. “Ja, das ist unser Vorhaben ab dem 1. Oktober”, bestätigte die grüne Kultur- und Sportministerin Amanda Lind dem Radio Schweden.

Wie hoch die neue Grenze von Personen, die etwa zu Sport- und Kulturveranstaltungen ab dem 1. Oktober zusammenkommen dürfen, sei, sei noch nicht entschieden, so Lind. Das zu bestimmen überlasse sie dem Gesundheitsamt von Staatsepidemiologe Anders Tegnell, dem Architekten des schwedischen Sonderwegs.

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Von der Lockerung betroffen sind etwa Theater- und andere Bühnenaufführungen, Sportveranstaltungen, Kinos, aber auch fast alle anderen “Ereignisse, welche die zivile Gesellschaft anbietet”, also voraussichtlich auch das Nachtleben. Allerdings bleibt eine wichtige Einschränkung bestehen: Das Publikum muss bei den Veranstaltungen sitzen.

Staatsepidemiologe Tegnell: Zwischen 20 und 40 Prozent der Bevölkerung Stockholms immun

Dass das Coronavirus in Schweden trotz Sonderweg mit Verzicht auf einen Lockdown seit Wochen auf dem Rückzug zu sein scheint, liege unter anderem daran, dass die Bürger freiwillig den zahlreichen Empfehlungen zur Vermeidung einer Ausbreitung gefolgt seien. “Wir glauben mittlerweile, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Bevölkerung Stockholms immun sind“, sagte Staatsepidemiologe Tegnell Im RND-Interview Mitte August.

“Das Erreichen einer Herdenimmunität war kein Ziel von uns. Wir wollen schließlich nicht, dass Menschen krank werden. Aber wir wissen auch: Je größer der Teil der Bevölkerung ist, der durch eine Erkrankung immun geworden ist, desto einfacher wird es, weitere Ausbrüche in der Zukunft zu bewältigen“, meint Tegnell. Es gebe also Gründe, anzunehmen, dass die hohe Immunitätsrate eine weitere umfassende Corona-Welle verhindern könnte. “Ausbrüche kann es aber weiter geben. Da muss man auf der Hut bleiben.“

Schweden in der Kritik: Vergleichsweise hohe Corona-Todesrate

Schwedens Sonderweg wurde kritisiert, weil im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich mehr Menschen gestorben sind als in den Nachbarländern und in Deutschland. Allerdings seien in einigen Ländern mit hartem Lockdown noch mehr Menschen gestorben, gibt Tegnell zu bedenken. Seine Strategie zur Corona-Eindämmung habe damit nichts zu tun. “Ein großer Anteil der Verstorbenen in Schweden, rund die Hälfte, lebte in speziellen Altenheimen, wo die Ältesten und Schwerkranken leben. Insgesamt sind dort rund 70.000 Menschen untergebracht“, sagt Tegnell. Einige Altenheime hätten für die Pandemie leider keine Bereitschaft und nicht das nötige Wissen, um die Ausbreitung zu verhindern.

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