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  • In Großbritannien entdeckte Corona-Mutation: Führt B.1.1.7. wirklich zu mehr Infektionen?

Sinkende Infektionszahlen in Großbritannien und Irland – was verrät das über B.1.1.7?

  • Die britische Variante B.1.1.7. ist in Großbritannien und Irland inzwischen weitverbreitet.
  • Obwohl die Variante als ansteckender gilt, scheint sie dort nicht dauerhaft zu mehr Infektionen zu führen.
  • Ein Anstieg der Fallzahlen war in beiden Ländern nur vorübergehend beobachtet worden.
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Das Auftreten der neuen britischen Variante des Coronavirus B.1.1.7. wurde von Beginn an mit Sorge betrachtet. Weil sie als ansteckender gilt, wird befürchtet, sie könnte einen Anstieg der Infektionen auslösen.

B.1.1.7. weist unter anderem eine Mutation am Spike-Protein auf, die als N501Y bezeichnet wird. Diese Veränderung scheint es dem Virus leichter zu machen, an menschliche Zellen zu binden und sie zu infizieren. Deshalb kann B.1.1.7. etwas schneller übertragen werden, als die Ursprungsvariante des Virus: Einer neuen Studie zufolge könnte die britische Variante um 35 bis 45 Prozent ansteckender sein. Durch Schutzmaßnahmen lässt sie sich aber offenbar genauso gut eindämmen wie das ursprüngliche Virus.

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Infektionswellen flauten schnell wieder ab

Nachdem die neue Variante im Dezember in Großbritannien entdeckt worden war, waren dort zwar tatsächlich die Fallzahlen gestiegen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte dafür die Mutation des Virus verantwortlich gemacht. Allerdings war es auch in etlichen anderen Ländern im Winter zu einer Zunahme der Infektionen gekommen. Und: Genauso schnell, wie sie gekommen war, flaute die Infektionswelle in Großbritannien wieder ab, als dort verschiedene Lockdown-Maßnahmen ergriffen wurden. Daten des britischen Statistikamtes ONS zufolge haben sowohl die Infektionen mit der neuen als auch mit der alten Variante des Coronavirus abgenommen.

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Ähnliches zeigte sich in Irland, wo sich die britische Linie ebenfalls ausgebreitet hat. Dort kam es von Ende Dezember bis zum ersten Januardrittel zu einem exponentiellen Anstieg der Fallzahlen, der aber nur kurz anhielt. Vorübergehend gab es mehr als 900 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche (Sieben-Tage-Inzidenz). Nachdem neue Maßnahmen ergriffen worden waren, fiel auch dort die Kurve steil wieder ab. Zu welchem Anteil B.1.1.7. für den Anstieg verantwortlich war, lässt sich nicht sicher sagen: Dieser ging wohl auch auf weniger strenge Maßnahmen rund um die Weihnachtsfeiertage zurück. Momentan liegen Großbritannien und Irland bei der Zahl der Neuinfektionen im europäischen Mittelfeld, obwohl B.1.1.7. dort inzwischen für einen Großteil der Infektionen verantwortlich ist.

In den USA hatte die letzte Infektionswelle ebenfalls im ersten Januardrittel ihren Höhepunkt erreicht, als B.1.1.7. dort noch kaum vertreten war. Derzeit beobachtet die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) dort eine Ausbreitung der Variante, doch die Zahl der Neuinfektionen sinkt trotzdem.

Keine Probleme bei der Bekämpfung

All das deutet darauf hin, dass sich die neue britische Linie mit den gleichen Maßnahmen wie die Ursprungsvariante des Coronavirus eindämmen lässt. Auch wenn B.1.1.7. etwas leichter übertragen wird, scheint das die Kontrolle der Pandemie also nicht unbedingt zu erschweren.

Der Epidemiologe und ehemalige Sars-Forschungskoordinator der WHO, Klaus Stöhr, sieht in der britischen Variante daher keine besondere Gefahr, auch wenn diese „tatsächlich etwas infektiöser“ zu sein scheine: „Für die Pandemieplanung ist entscheidend, ob es signifikante Probleme bei der Bekämpfung gibt. Das ist offensichtlich nicht der Fall“, so der Experte.

Auch in Deutschland wird B.1.1.7 in immer mehr untersuchten Proben festgestellt. Das RKI hat den Anteil an den Neuinfektionen vor einer Woche auf etwa 6 Prozent geschätzt, mit steigender Tendenz. Eine Zunahme der Infektionen ist aber auch in Deutschland bisher nicht zu beobachten.

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