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Impotenz: Führt eine Corona-Infektion zu Erektionsstörungen und Unfruchtbarkeit?

  • Es gibt Hinweise darauf, dass eine Coronavirus-Infektion Erektions­störungen und Impotenz bei Männern auslösen könnte.
  • Forschende haben Sars-CoV-2-Partikel in Hoden und Penis entdeckt – doch was das bedeutet, ist noch unklar.
  • Eine Impfung gegen Covid-19 macht aber nicht unfruchtbar, weder Mann noch Frau.
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Lungen­schäden, Konzentrations­probleme, Nieren­versagen: Die Liste der Komplikationen und Lang­zeit­folgen nach einer Covid-19-Erkrankung ist lang. Sars-CoV-2 kann sich in zahlreichen Organ­systemen des Körpers breit­machen und Entzündungs­wellen hervorrufen. Forschende konnten inzwischen sogar Virus­partikel in Hoden und Penis nachweisen. Die Sorge: Corona könnte womöglich zu Impotenz führen und die Frucht­barkeit von Männern beeinträchtigen. Verlässliche und klare Einschätzungen aus der Wissenschaft gibt es dazu bislang nicht – aber einige Hinweise aus Studien. Ein Überblick.

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Impotenz – was ist das überhaupt?

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Impotenz ist der medizinische Oberbegriff für eine Reihe von Funktions­störungen der Sexual­organe beim Mann. Dazu zählt beispielsweise die Erektions­störung, auch als erektile Dysfunktion bekannt, bei der Männer über einen längeren Zeitraum keine Erektion mehr bekommen oder nicht mehr ausreichend lange für Geschlechts­verkehr halten können. Es kann auch vorkommen, dass man zwar Geschlechts­verkehr haben kann, aber keinen Samen­erguss bekommt. Dann ist von Anejaku­lation die Rede. Schließlich gibt es noch die soge­nannte Zeugungs­unfähigkeit. Geschlechts­verkehr an sich ist dann weniger das Problem – in der Folge Kinder zu bekommen, aber schon. Und genau das könnte die Folge sein, wenn man sich mit Sars-CoV-2 ansteckt, mutmaßen einige Forschende.

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Coronavirus und Impotenz – gibt es einen Zusammen­hang?

Reproduktions­medizinerinnen und -mediziner aus dem chinesischen Wuhan haben beispiels­weise die Hoden von fünf verstorbenen Covid-19-Patienten im Alter zwischen 51 und 83 Jahren untersucht und mit denen von drei nicht infizierten Verstorbenen gleichen Alters verglichen. Sie stellten fest, dass Virus­partikel bis in den Hoden gelangen können – und dort auch die Keim­zellen infizieren, aus denen sich Spermien bilden. Tests mit Anti­körpern zeigten zudem, dass an einigen Stellen das Spike­protein vorhanden war. Das ist ein wichtiger Bestandteil des Coronavirus, um sich Eintritt in die menschlichen Zellen zu verschaffen.

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Die Befunde dieser kleineren Untersuchung deuten den Forschenden zufolge darauf hin, dass die Coronavirus-Infektion Auswirkungen auf die Bildung von Spermien und damit auch auf die männliche Fruchtbarkeit haben könnte. Es seien aber weitere Unter­suchungen nötig, um den zugrunde liegenden Mechanismus der Infektion von Hodenzellen und einen Zusammen­hang mit Covid-19 aufzudecken, schlussfolgern die Studienautoren in einem im Dezember 2020 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten Beitrag. Sprich: Das Virus kann sich also im Hoden manifestieren. Ob dadurch aber die Spermien­produktion verschlechtert wird, ist unklar.

Auch im Penis haben US-Forschende Sars-CoV-2 entdeckt. So haben Urologie­expertinnen und -experten der University of Miami bei zwei Männern Viruspartikel noch lange nach der akuten Covid-19-Erkrankung nachgewiesen – in der innersten Zellschicht von Blutgefäßen. Fachleute sprechen dann von Endothelzellen. Werden diese durch das Virus beeinträchtigt, könnte das zu Erektionsstörungen führen.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine weit verbreitete Endo­thelzell-Dys­funktion aufgrund einer Covid-19-Infektion zu erektiler Dysfunktion beitragen kann“, resümieren die Forschenden in der im Mai in der Fachzeitschrift „World Journal of Men’s Health“ veröffentlichten Studie. Auch sie weisen aber darauf hin, dass es weitere Studien brauche, um die hinter dem Befund stehenden molekularen Mechanismen ausreichend bewerten zu können. Ob und wie eine Sars-CoV-2-Infektion zu Erektions­störungen führt, ist also noch nicht geklärt.

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Beeinträchtigt das Coronavirus die Testosteron­produktion?

Es gibt noch einen weiteren Faktor, der eine Rolle spielen könnte, wenn es um Impotenz geht: die Hormone. Eine Reihe von Studien zeigen, dass Männer mit Covid-19 deutlich geringere Testosteron­level haben können als üblich. Testosteron hat einen großen Einfluss auf die Erektions­fähigkeit und die Libido des Mannes. Bei niedrigem Hormonspiegel können Erektions­probleme die Folge sein. Allerdings ist unklar, wie lange die in Klinikstudien beobachteten niedrigen Testosteron­spiegel bei Männern nach akuter Covid-19-Erkrankung anhalten – und inwieweit das mit einer längerfristigen Beein­trächtigung von Hoden und Penis zusammen­hängen könnte. Ungeklärt ist auch, inwieweit das Alter und die Schwere der Erkrankung relevant sind.

Kann die Corona-Impfung zu Impotenz führen?

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In den sozialen Netzwerken kursierten zuletzt Gerüchte, dass nicht nur Covid-19 selbst, sondern auch eine Impfung dagegen zu Erektions­störungen und Unfrucht­bar­keit führen könnte. Vor wenigen Tagen ging beispielsweise ein Tweet von Nicki Minaj viral. Darin berichtete die US-Rapperin davon, dass ein Freund ihres Cousins infolge der Impfung impotent geworden sei. Auch seine Hoden seien infolge der Impfung geschwollen gewesen. Es kursiert auch das Gerücht, dass die Schutz­impfung unfruchtbar machen könnte, weil das Spike-Protein nicht nur vom Coronavirus, sondern auch von den Impfungen kodiert wird und sich strukturell ähnelt. Das Protein sei für die Fruchtbarkeit wichtig, so die Behauptung.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist das eine Fehl­information. „Tatsächlich beschränkt sich diese Ähnlichkeit auf wenige Abschnitte des Proteins“, betont die Gesund­­heits­­behörde. Eine Kreuz­reaktion könne Forschenden zufolge ausgeschlossen werden. Solche strukturellen Ähnlichkeiten seien bei Impfstoffen auch nichts Besonderes. Sie kämen nicht nur speziell bei der Covid-19-Impfung vor, sondern treten sehr häufig auf.

Kein Hinweis auf Impotenz nach Impfung

Impotenz und verminderte Zeugungs­fähigkeit sind auch keine von den inter­nationalen Zulassungs­behörden gelisteten möglichen Neben­wirkungen. Dass Corona-Impfstoffe eine Impotenz auslösen könnten, wurde weder in den klinischen Zulassungs­studien der Hersteller, noch während der weltweit laufenden Impf­kampagnen fest­gestellt. Es gibt also keine Hinweise darauf.

Auch Studien, die explizit nach Hinweisen suchen, schlagen keinen Alarm. So haben US-Forschende der University of Miami Spermien­proben von 45 gesunden Männern untersucht – vor der Impfung mit einem mRNA-Vakzin (Biontech oder Moderna) und nach Erhalt der zweiten Dosis. Das Ergebnis, Mitte Juni in der medizinischen Fachzeitschrift „Jama“ veröffentlicht: Die Qualität und die Anzahl der Spermien blieb unverändert.

Gleiches gilt übrigens auch für Frauen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass einer der zugelassenen Covid-19-Impfstoffe zu Sterilität oder einer Beein­trächtigung der weiblichen Frucht­barkeit führt. Es wurden auch keine Veränderungen in den Eierstöcken beobachtet. Das betonen sowohl die Europäische Arznei­mittel­behörde (EMA) als auch das in Deutschland für die Impf­stoff­sicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

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