Kleiner Piks – große Gefühle: So läuft die Corona-Impfung

  • Und plötzlich ist er da, jener abstrakte Moment in weiter Ferne, den die weitaus meisten Menschen in diesen Zeiten herbeisehnen: der Impftermin.
  • Was es dafür brauchte – etwas Geduld und Starrsinn auf der zentralen Website für die Reservierung. Und dann, am Freitagabend, wurde er plötzlich Realität.
  • Ein Erfahrungsbericht von Daniel Killy.
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Es ging sehr schnell, am Freitagabend nach der Arbeit. Dem schon zum Reflex gewordenen Aufrufen der Impfseite, dem Eingeben der Daten und der Eingabe des Berechtigungscodes folgte nicht, wie stets zuvor, der Hinweis, es seien keine Termine verfügbar. Plötzlich standen da zwei Daten: Samstag, der 24. April, 9.15 Uhr, und Sonntag, der 5. Juni, um 19 Uhr. Auch der Impfstoff war angegeben: Comirnaty (Biontech).

Schnelles Handeln war gefragt, das Fenster zur finalen Dateneingabe blieb schließlich nur zehn Minuten geöffnet. Die Zeit reichte zum Glück auch noch dafür, die liebe Kollegin aus dem Wochenenddienst zu bitten, für 90 Minuten für mich zu übernehmen. Nach ihrer Zusage war der Weg frei.

Die Bescheinigung für den Impftermin. © Quelle: Daniel Killy/RND
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Die Nacht vor der Impfung war unruhig, denn die Erwartung an das Vakzin war und ist riesig: Was bisher nur utopischer Freiheitsbringer schien, ein weit entfernter, versteckter Pfad zurück ins wahre Leben, das war plötzlich nur noch ein paar Stunden entfernt. Diffuse Traumsequenzen aus Reisefetzen und Dialogen mit Kollegen in der Redaktion beim großen Wiedersehen sorgten für eher mäßigen Schlaf.

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Kurz und schmerzlos, aber emotional

Am nächsten Morgen ging dann alles ganz schnell: anstehen, Terminbestätigung mit Barcode zeigen, wieder anstehen, Check-in, Ausweiskontrolle, einige Unterschriften. Danach ging es zum eigentlichen Impftermin in eine Kabine. Nach einem kurzen Arztgespräch und weiteren Unterschriften dann der große Moment – der nur Sekunden währte und völlig schmerzlos war. Dafür aber emotional. Dem Impfling entrang sich ein gestammeltes „Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar“ in Richtung des Arztes.

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Die anschließende behördlich verordnete Ruhezeit von 15 Minuten, in der etwaig auftretende spontane Unverträglichkeiten abgewartet und ausgeschlossen werden sollen, verging recht schnell. Der Check-out-Prozess hingegen zog sich wie Kaugummi. An zwei Posten vorbei ging es durch ein Labyrinth kleiner Kämmerlein aus der Messehalle, was noch mal 15 Minuten dauerte.

Die offizielle Impfbescheinigung. © Quelle: Daniel Killy/RND
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Mittlerweile war die emotionale Rührung über den so lang ersehnten Augenblick wieder einer gewissen Ratio gewichen. Aber etwas Grundlegendes hatte sich mit diesem kleinen Piks doch nachhaltig verändert. Aus der über Monate hinweg gewachsenen, trüben Grundstimmung war plötzlich eine tiefwurzelnde Zuversicht geworden. Und aus den nächtlichen Trugbildern wurden ganz konkrete Tagträume: Bildsequenzen von Reisezielen, Stadienbesuchen, das Festival in Wacken – alles schien möglich an diesem Samstagmorgen. Mit der Vernunft war es anscheinend doch noch nicht so weit her.

Doch das Gefühl der Erleichterung, nun Tag für Tag weniger gefährdet und gefährlich zu sein in der Pandemie, das ist auch noch nach zwei Tagen vorhanden. Und auch – trotz aller berechtigten Kritik an partiellem Politikerversagen und Strukturmängeln bei der Corona-Bekämpfung hierzulande – die Dankbarkeit, mit logistischer Makellosigkeit geimpft worden zu sein, ist groß. Er ist wieder geschärft, der Blick nach vorn. Der Tunnel, an dessen Ende das viel beschworene Licht zu sehen ist, hat seine Dominanz eingebüßt. Pünktlich zum Frühjahr ist es wieder hell: kleiner Piks – große Gefühle.

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