Impfstoff aus Russland und China? US-Experte Fauci äußert Bedenken

  • Der führende US-Virologe Anthony Fauci stellt den Amerikanern einen Impfstoff im Laufe des nächsten Jahres in Aussicht.
  • Gleichzeitig äußerte er Bedenken gegenüber dem Vorgehen der USA und Russlands bei der Suche nach einem Stoff gegen das Coronavirus.
  • Er hoffe, dass die Länder ausreichend vorab testeten.
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Hannover. Der US-Chefvirologe Anthony Fauci hat sich vorsichtig optimistisch über die Aussicht auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus geäußert. Nach seiner Einschätzung könnten die Amerikaner im Laufe des Jahres 2021 mit einem Impfstoff versorgt werden.

Fauci sagte am Freitag vor einem Sondergremium des Repräsentantenhauses, dass US-Bürger in einem angemessenen Zeitraum breiten Zugang hätten, sobald ein Impfstoff als sicher und wirksam zugelassen sei. Dabei werde es eine Prioritätenliste geben. Nicht alle kämen sofort dran, doch die Pläne sähen vor, dass jeder Amerikaner, der den Impfstoff benötige, ihn letztlich innerhalb eines “vernünftigen Zeitraums” erhalte.

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Chronologie des Coronavirus
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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND
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Fauci warnt vor zu schnell entwickelten Impfstoffen

Zuletzt hatten China und Russland eine noch schnellere Verfügbarkeit von Impfstoffen vorhergesagt. Der Virenexperte äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der dort entwickelten Impfungen. “Ich hoffe, dass die Chinesen und die Russen den Impfstoff tatsächlich testen, bevor sie ihn jemandem verabreichen”, sagte Fauci auf die Frage, ob die USA die Impfstoffe verwenden würden, wenn diese vor anderen verfügbar seien. Laut Fauci werden die USA bei der Beschaffung von Impfstoffen nicht auf andere Länder angewiesen sein.

Russland auf dem Vormarsch

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In dieser Woche hat bereits die bislang größte Corona-Studie in den USA begonnen. Dort sollen 30.000 Probanden geimpft werden. Zwei chinesische Unternehmen, Sinovac und Sinopharm, haben in Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Versuchen die dritte, entscheidende Testphase eingeleitet. Fast 9000 Angestellte aus dem Gesundheitssektor sollen den Impfstoff erhalten. Ein weiterer Impfstoff wird bereits den Angehörigen des chinesischen Militärs verabreicht, ohne die letzte Testphase durchlaufen zu haben.

In weniger als zwei Wochen will Russland den Durchbruch schaffen und den weltweit ersten Impfstoff gegen das Coronavirus zulassen. Über das Testverfahren des Impfstoffes veröffentlichte das Land jedoch noch keine verlässlichen Daten. Außerdem soll die Testphase abgekürzt werden.

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Ende der Pandemie nicht in Sicht

Fauci äußerte sich im Abgeordnetenhaus gemeinsam mit zwei weiteren Experten: Robert Redfield, dem Leiter der Zentren für Seuchenkontrolle und -vorbeugung, sowie Brett Giroir vom Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste.

Die Experten zeigten sich besorgt über Anzeichen, dass nach einem Anstieg der Fälle im Süden der USA Ähnliches nun im Mittleren Westen passieren könne. Nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität haben sich fast 4,5 Millionen Amerikaner seit Beginn der Pandemie mit dem Virus angesteckt, mehr als 150.000 Menschen sind nach einer Infektion gestorben.

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Da sich die Corona-Pandemie in seinem Land rasend schnell ausbreitet, kann Fauci nicht einschätzen, ob sich diese dem Ende nähert oder noch in der Anfangsphase steckt. Eine Vorhersage sei unmöglich, hatte er am Donnerstag dem Sender “MSNBC” gesagt. Die Länge der Pandemie hänge davon ab, ob die Amerikaner beispielsweise Mund-Nasen-Schutz-Masken trügen, einen Mindestabstand einhielten und anderen Empfehlungen folgten, die eine Verbreitung des Virus stoppten.

RND/dpa/ame

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