Impfpass verloren: Ist eine Impfung gegen Corona trotzdem möglich?

  • Im Impfpass verzeichnen Ärztinnen und Ärzte jede verabreichte Schutzimpfung.
  • Der gelbe Impfausweis nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation ist international anerkannt.
  • Um sich impfen zu lassen, ist ein Impfpass nicht unbedingt nötig. Besitzen sollte trotzdem jede und jeder einen, denn nicht dokumentierte Impfungen gelten als nicht erfolgt.
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Besucht man zum ersten Mal eine neue Ärztin oder einen neuen Arzt, darf der Impfpass nicht fehlen. Blöd nur, wenn man keine Ahnung hat, in welcher Schublade der gelbe Ausweis liegt. Warum der Impfpass so wichtig ist, welche Impfungen darin verzeichnet werden und ob man sich auch ohne Pass gegen Corona impfen lassen kann, diese Fragen beantworten wir hier.

Was steht im Impfpass?

„Der Impfpass gibt einen Überblick über den eigenen Impfschutz“, informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Webseite www.impfen-info.de. Egal ob Grippeimpfung, die Standardimpfungen gegen Tetanus oder Masern sowie Reiseschutzimpfungen: Jeder Piks wird hier verzeichnet, sofern es sich um eine Schutzimpfung handelt.

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„Es ist ein Personaldokument, das nicht verloren gehen sollte”, sagt Hausarzt Klaus Lorenzen aus Langebrück bei Dresden. Doch oft genug passiert genau das. Manche verkramen den Impfausweis beim Umzug. Andere vergessen, dass sie ihn im Bankschließfach deponiert oder in ihre Familienchronik gelegt haben. Der Hausarzt erzählt, dass er sich angewöhnt habe, Patienten ohne Impfpass darauf aufmerksam zu machen, wo überall bei anderen seiner Patienten am Ende der Impfpass doch wieder aufgetaucht ist.

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Warum braucht man einen Impfausweis?

Einerseits als Erinnerungshilfe: Dank des Impfpasses weiß dessen Besitzerinnen und Besitzer auf einen Blick, gegen welche Krankheiten aktuell Impfschutz besteht. Außerdem hilft der Pass laut der BZgA Ärztinnen und Ärzten, zu erkennen, ob eine Impfung aufgefrischt werden muss oder komplett fehlt. Die Dokumentation von Impfungen ist wichtig. „Lassen sich die Impfungen nicht rückwirkend dokumentieren, so gilt man als ungeimpft“, schreibt die BZgA.

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Außerdem ist der gelbe Impfpass, wie wir ihn kennen, ein international anerkanntes Dokument der Weltgesundheitsorganisation. Ist beispielsweise auf Reisen plötzlich eine Impfung nötig, versteht auch eine ausländische Ärztin und ein ausländischer Arzt die Dokumentation im Ausweis.

Impfpass verloren oder verlegt − was nun?

Dann muss man wohl oder übel einige Telefonanrufe tätigen. „Wenn der Impfpass nicht auffindbar oder verloren gegangen ist, sollte man versuchen, die Informationen zu bereits erhaltenen Impfungen in den letzten zehn Jahren aus ärztlichen Unterlagen zu ermitteln“, empfiehlt die BZgA. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, allgemeinmedizinische Unterlagen zu Patientinnen und Patienten mindestens zehn Jahre aufzubewahren. Das Problem: Wichtige Impfungen liegen teils viel länger zurück.

Wenn das Nachforschen nicht geklappt hat, gelte man als ungeimpft. In diesem Fall könne die Ärztin oder der Arzt empfohlene Impfungen nachholen und einen neuen Impfpass ausstellen. Dieses Vorgehen empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut: „Nur dokumentierte Impfungen gelten als durchgeführt.“

“Wenn ich keine Unterlagen habe und sie sich auch nicht mehr auftreiben lassen, müsste ich dann eigentlich noch einmal eine Grundimmunisierung machen”, sagt Hausarzt Lorenzen. Auffrischen reicht nicht.

Kann man sich auch ohne Impfpass impfen lassen, beispielsweise gegen Corona?

Ja. „Man kann sich auch ohne Impfpass impfen lassen“, sagt Roland Stahl, Pressesprecher der kassenärztlichen Bundesvereinigung. Kommt jemand ohne Pass in die Praxis, kann die Ärztin oder der Arzt einen neuen ausstellen (siehe vorherige Antwort). Sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, wenn man keinen Impfpass mehr hat, ist also möglich.

Bei einer Covid-19-Impfung erhalten Patienten laut Hausarzt Lorenzen immer eine Impfbescheinigung. Das ist ein DIN-A4-Blatt, auf dem die erste und zweite Impfung gegen das Virus bestätigt werden. Lorenzen, der schon in Pflegeheimen gegen Covid-19 geimpft hat, trägt diese zusätzlich immer in den Impfpass ein – sofern Patientinnen und Patienten ihn finden.

Schadet es, eine Impfung doppelt zu bekommen?

„Von zusätzlich verabreichten Impfstoffdosen geht in der Regel kein erhöhtes Risiko aus“, lautet die Einschätzung der Stiko in ihrem „Epidemiologischen Bulletin“. Sehr selten komme es nach mehrmaligem Impfen zu Nebenwirkungen wie schmerzhaften Schwellungen und Rötungen rund um den Einstichpunkt. „Ist der Patient beim Arzt bekannt, kann der das Risiko einer Impfung abschätzen“, erklärt Roland Stahl, Pressesprecher der kassenärztlichen Vereinigung. Wenn der Patient das erste Mal in der Praxis ist, führe der Mediziner sowieso ein Gespräch und lasse sich bisherige Befunde vorlegen, bevor er impfe.

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„Covpass“: Digitaler Nachweis für Corona-Impfungen ab heute verfügbar
1:06 min
Pünktlich zum Sommer soll der lange geplante digitale Nachweis für Corona-Impfungen kommen. Es geht um eine praktische Ergänzung zum Impfheft auf Papier.  © dpa

Gibt es einen digitalen Impfpass?

Ja. Mit der „CovPass“-App oder der Corona-Warn-App ist es in Deutschland inzwischen möglich, einen digitalen Impfpass auf dem Smartphone zu speichern. Eine vollständige Corona-Impfung kann so auch ohne das gelbe Impfheft nachgewiesen werden. Nach der Impfung wird ein Impfzertifikat in Papierform mit einem QR‑Code ausgestellt, in dem die für den Impfnachweis relevanten Daten gespeichert sind. Dieser QR-Code kann per App eingescannt werden. Jedes Zertifikat ist erst 14 Tage nach der zweiten Impfung gültig, wenn der volle Impfschutz erreicht ist.

RND/saf/bk/kau mit Material von dpa

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