Impfen nicht vergessen! Erste Krankenkassen und Ärzte erinnern per App

  • Ab kommendem Jahr gibt es zwar eine Impfpflicht gegen Masern für Schulkinder.
  • Oft werden aber später die Auffrischungen vergessen, der Schutz ist dann nicht mehr gewährleistet.
  • Digitale Angebote könnten eine Möglichkeit sein, um Impflücken entgegenzuwirken.
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Hannover. Standard ist im Moment das kleine gelbe Büchlein aus Papier. Ärzte tragen manuell alle Impfungen in den Pass ein. Der soll den Patienten ein ganzes Leben lang begleiten. Das Problem: Darin ist nicht zu erkennen, ob und wann der Patient eine Auffrischung benötigt. Außerdem geht der Impfpass nicht selten verloren oder wird beim Impftermin zuhause vergessen. Die Lösung für dieses Problem könnte in der digitalen Welt liegen.

Hausärzte in Niedersachsen etwa wollen jetzt ihren Patienten eine App anbieten. Am Freitag wurde das Pilotprojekt "impf.app" in Hannover vorgestellt. Künftig sollen Nutzer übers Handy daran erinnert werden, wann wieder eine Impfung ansteht. Ziel sei ein offenes System für Patienten und Mediziner, um Impf-Einträge digital zu erfassen und die Daten verlässlich auszutauschen, teilte der Hausärzteverband Niedersachsen am Freitag mit. Mit regelmäßigen Impfungen seien schwere Krankheitsverläufe, in Einzelfällen sogar tödliche Komplikationen vermeidbar, betonte Verbandschef Matthias Berndt.

Kindern und jungen Erwachsenen fehlt oft der Impfschutz

Auch einzelne Krankenkassen bieten bereits Apps für ihre Versicherten an. Beispielsweise die AOK mit "meinImpfpass". Wer sich diese auf das eigene Handy lädt, kann als Versicherter seine Impfdaten eintragen und die Abrechnungen der Ärzte aus den letzten vier Jahren einsehen. Auch eine Erinnerung für anstehende Impfungen ist inbegriffen. Praktisch: Eltern können ihren digitalen Impfpass auch für ihre familienversicherten, minderjährigen Kinder anlegen - und werden automatisch über anstehende Impfungen informiert.

Die erste Impfapp für Ärzte hat das Berliner Robert-Koch-Institut entwickelt. "Mit weni­gen Klicks be­kommt der Nutzer die für die Bera­tung des einzel­nen Pati­enten rele­van­ten Infor­ma­tionen", heißt es auf der Homepage. Herz­stück sei ein inter­aktiver Impf­check: Nach Ein­gabe von Alter, Geschlecht und Impf­historie des Patien­ten wird dessen Impf­status über­prüft, noch aus­stehen­de Impfungen identifiziert und Empfeh­lungen zum Schließen bestehender Impf­lücken gegeben.

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Fast jeder zweite Bundesbürger müsse Impfungen auffrischen, sagt Jörg Niemann, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen. Impflücken bestehen Experten zufolge vor allem bei jungen Erwachsenen. Aber auch bei Kindern fehlt oft der Impfnachweis. "Zwar werden Eltern bei den Früherkennungs-Untersuchungen auf die erforderlichen Kinderimpfungen hingewiesen und 95 Prozent erachten die Impfung gegen Masern für ihren Nachwuchs auch als notwendig", sagt Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Dennoch erhalten viele Kinder die Impfungen später als empfohlen oder verpassen die zweite, für einen kompletten Impfschutz notwendige Dosis."

Masern-Impfung ab 2020 verpflichtend

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Um dem entgegen zu wirken, gilt ab dem 1. März kommenden Jahres bundesweit eine Masern-Impfpflicht. Eltern müssen dann vor der Aufnahme in Kitas oder Schulen nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind. Greifen soll die Impfpflicht auch für Lehrer und Erzieherinnen sowie für Personal in medizinischen Einrichtungen.

Die Öffentlichkeit müsse besser aufgeklärt und niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden, fordert der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamts, Matthias Pulz. Ein Schritt könne da auch der digitale Impfpass sein. Pulz bewertet diesen positiv: "Zu begrüßen ist jede Maßnahme, die Impfhindernisse abbaut. Dazu gehören auch elektronische Dokumentationshilfen und Erinnerungsfunktionen."

Die neue „impf.app“ der Hausärzte soll im kommenden Jahr an den Start gehen. Entwicklungspartner ist die Gesellschaft zur Förderung der Impfmedizin. Sie begleitet auch ein Projekt der Krankenkasse AOK mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Sachsen und Thüringen. Langfristig sollen unter anderem auch Impf-Empfehlungen für Fernreisen eingebaut werden.

Was tun, wenn der Impfpass fehlt?

Alle Impfungen, die man bekommen hat, müssen dokumentiert und am besten direkt in den Impfpass eingetragen werden, empfiehlt die Kampagne "Deutschland sucht den Impfpass". Der Impfpass gebe einen Überblick über den eigenen Impfschutz. So wisse man immer, gegen welche Krankheiten man geschützt ist. Außerdem helfe er dem Arzt, notwendige Auffrischungen oder fehlende Impfungen zu erkennen.

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Ist der Impfpass nicht auffindbar oder verloren gegangen, sollte man versuchen, die Informationen zu bereits erhaltenen Impfungen in den letzten zehn Jahren aus ärztlichen Unterlagen zu ermitteln. Am besten fragen Patienten in der Praxis nach, in der man in den letzten Jahren behandelt wurde. Lassen sich die Impfungen nicht rückwirkend dokumentieren, so gilt man als ungeimpft. Der Arzt kann empfohlene Impfungen aber nachholen und einen neuen Pass ausstellen.

RND/dpa/Saskia Bücker