• Startseite
  • Gesundheit
  • Impfbereitschaft: Was hat ehemalige Impfskeptiker zur Corona-Impfung überzeugt?

Ehemalige Impfskeptiker erzählen, was sie von der Corona-Impfung überzeugt hat

  • Impflotterien, kostenloses Essen und Events für Geimpfte: Weltweit versuchen zahlreiche Länder, die teils sinkende Impfbereitschaft zu bekämpfen.
  • Doch einer aktuellen US-Studie zufolge sind solche Anreize bislang selten die Gründe gewesen, warum sich zuvor unentschlossene Menschen schließlich für eine Impfung entschieden haben.
  • Viele Befragte ließen sich demnach von der Familie überzeugen. In Deutschland werden dagegen andere Wege diskutiert, Menschen zur Impfung zu animieren.
|
Anzeige
Anzeige

Der Weg zur Herdenimmunität wird länger: In vielen Ländern ist die Impfbereitschaft zuletzt gesunken – auch in Deutschland. Aktuellen Ergebnissen der Cosmo-Umfrage zufolge gaben Mitte Juli 41 Prozent der ungeimpften Befragten in Deutschland an, dass sie sich „auf keinen Fall“ impfen lassen würden, wenn ihnen dies nächste Woche angeboten werden würde. Zum Vergleich: Im April lag dieser Wert noch bei 16 Prozent. Auch in den USA ist die Impfbereitschaft zurückgegangen: Zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli verfehlte das Land somit das angestrebte Ziel von 70 Prozent Erstgeimpften um 3 Prozent.

Dabei gibt es immerhin einige Lichtblicke, die Hoffnung auf eine etwas positivere Entwicklung der Impfkampagnen wecken. Laut einer neuen Studie der gemeinnützigen Stiftung Kaiser Family Foundation haben sich knapp 21 Prozent der Erwachsenen der Befragten in den USA impfen lassen, nachdem sie im Januar eine Impfung noch abgelehnt hatten oder ihr nur bei einer generellen Pflicht zugestimmt hätten. Über die Hälfte derjenigen, die im Januar noch unentschlossen waren und abwarten wollten, haben zudem inzwischen mindestens eine Impfdosis verabreicht bekommen (51 Prozent). Dabei gaben sie mehrere Gründe an, weshalb sie sich letztendlich doch zu einer Impfung entschlossen haben.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.
Anzeige

„Gerüchte zu Nebenwirkungen sind nicht wahr“: Mehr Leute halten Vakzine nun für sicher

Den anonymisierten Aussagen der Befragten zu ihrer Motivation, sich schließlich doch impfen zu lassen, lässt sich vor allem eines entnehmen: Für ein Viertel der ehemaligen Impfskeptiker und Impfskeptikerinnen war die Sicherheit der Vakzine entscheidend. „Ich wurde davon überzeugt, dass einige der Gerüchte zu Nebenwirkungen nicht wahr sind“, sagte ein 69-jähriger Mann aus dem US-Staat Colorado. Er gab im Januar noch an, dass er sich eigentlich nur im Falle einer Pflicht impfen lassen möchte. „Da unser Präsident geimpft wurde und es ihm gut geht, dachte ich, dass es [die Impfung, Anm. d. Red.] auch für mich sicher ist“, sagte eine 75-jährige – zuvor unentschlossene – Frau aus Virginia.

Anzeige

Der Einfluss der Familie: „Mein Ehemann ging mir auf den Wecker, also habe ich nachgegeben“

Nahestehende oder vertrauenswürdige Personen hatten laut der Befragung ebenfalls einen enormen Einfluss auf die Impfbereitschaft. Somit gaben insgesamt 8 Prozent der Befragten, die sich zugunsten einer Corona-Impfung umentschieden, dem Druck ihrer Freundinnen und Freunde und Familie nach. 3 Prozent wollten Familie sowie Freundinnen und Freunde schützen. Jede und jeder Zehnte ließ sich von einer Ärztin oder einem Arzt überzeugen.

Anzeige

„Familienmitglieder und Freunde, die geimpft wurden, hatten keine ernsthaften Nebenwirkungen. Viele Maßnahmen wurden für geimpfte Menschen aufgehoben“, begründete eine 43-jährige Frau aus Massachusetts ihre Entscheidung, sich impfen zu lassen. Im Januar zählte sie zu der Gruppe, die mit der Impfung abwarten wollte. Auch ein 68 Jahre alter Mann aus Kalifornien will wegen seiner Familie geimpft werden: „Fünf Generationen unserer Familie werden sich nächste Woche treffen“, antwortete er auf die Frage, was ihn von einer Impfung überzeugte.

Auch diejenigen, die sich im Januar noch gegen eine Impfung entschieden, ließen sich von der Familie oder Vertrauenspersonen überzeugen. „Mein Ehemann ging mir damit auf den Wecker, also habe ich nachgegeben“, sagte eine 42-jährige Frau aus Virginia. Bei einer 70 Jahre alten ehemaligen Impfablehnerin aus Arizona war es ihr Arzt, der ihr den entscheidenden Schubs in Richtung Corona-Vakzin gegeben hatte.

Cosmo-Studie: Menschen sprechen sich für mehr Aufklärungsarbeit aus

In Deutschland können sich die Menschen laut der Cosmo-Studie andere Wege vorstellen, noch nicht geimpfte Menschen von einer Impfung zu überzeugen. 20 Prozent der gesammelten Antworten auf die Frage, wie man Menschen für die Corona-Impfung gewinnen kann, bezogen sich auf bessere Aufklärungs- und Werbeaktionen: Sie erhoffen sich davon, dass manchen Leuten die Angst vor möglichen Nebenwirkungen genommen wird.

Anzeige

11 Prozent der Beiträge sprechen sich für mehr Freiheiten für Geimpfte und gleichzeitig mehr Einschränkungen für Nichtgeimpfte aus, unter anderem bei Reisen. Andere Befragte können sich wiederum vorstellen, dass eine einfachere Terminvergabe zu mehr Impfungen führen könnte: „Ich kenne mehrere Personen in meinem Umfeld, die trotz Impfbereitschaft keinen Termin bekommen haben“, sagte ein 54-Jähriger.

Mobiles Impfen: ohne Termine, ohne Chaos

Die Impfungen einfacher gestalten – das wollen auch mobile Impfteams. „Einen Impftermin bekommen und sich impfen lassen sollte so einfach wie möglich sein“, empfehlen auch die Forschenden der Cosmo-Studie. In manchen Ländern wie Israel oder Russland sind Impfungen in Einkaufszentren inzwischen gängig. Deutschland rückt allmählich nach und versucht mit mehreren Angeboten, Menschen zum Impfen zu animieren.

Ein Team aus Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten sowie Ärztinnen und Ärzte waren zuletzt in Rövershagen bei Rostock mit einem mobilen Impfzentrum vor dem Erlebnispark Karls Erlebnis-Dorf. So sollten Besucherinnen und Besucher sich einfach, spontan und bequem impfen lassen, bevor sie Kuchen essen oder Karussell fahren. Ein Angebot, das von vielen dankbar angenommen wurde. Auch in Berlin-Lichtenberg konnte ein Drive-in-Schalter auf einem Ikea-Parkplatz Menschen animieren.

Anzeige

Impfanreize: Impfbereitschaft mit Lotterien und Bratwurst erhöhen?

Auch mit Impfanreizen versuchen mehrere Länder und Unternehmen, mehr Bürgerinnen und Bürger für eine Corona-Impfung zu gewinnen. In den USA haben Geimpfte mancherorts Baseball-Freikarten und Freibier geschenkt bekommen. Polen bietet dagegen eine Lotterie und spezielle Events für Geimpfte an.

In Deutschland sind Menschen bislang vor allem mit kulinarischen Anreizen gelockt worden: So werden Menschen nach der Impfung in manchen Städten mit Bratwurst und Burger belohnt. Hierzulande diskutiert die Politik auch über größere Freiheiten für Geimpfte. Unter anderem kündigte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) an, dass Menschen mit Impfung künftig weniger Einschränkungen als diejenigen ohne Impfung bekommen sollen.

Fragten die Forschenden der US-Studie jedoch die inzwischen Geimpften, die zuvor zögerten oder eine Impfung ablehnten, spielten solche Anreize bislang kaum eine Rolle. Nur wenige der Befragten haben sich demnach impfen lassen, weil sie sich davon Vorteile versprachen. „Um an Events teilzunehmen oder ins Restaurant zu gehen, ist es einfacher, wenn man geimpft ist“, sagte ein 39-jähriger Mann aus New Jersey. Für einen 43-Jährigen aus Pennsylvania war die Reise zu den Bahamas, für die er geimpft sein musste, der ausschlaggebende Grund für eine Impfung.

Nur wenige einst Impfwillige entscheiden sich später um

Laut der US-Studie hat ein Großteil der Menschen (92 Prozent), die sich im Januar auf jeden Fall impfen lassen wollten, inzwischen mindestens eine Impfdosis erhalten. 3 Prozent möchten sich so bald wie möglich impfen lassen – und nur 2 Prozent haben sich umentschieden und lehnen die Corona-Vakzine mittlerweile ab. Von denen, die sich im Januar noch unsicher waren, wollen sich nur 8 Prozent nicht impfen lassen. Von der Gruppe der Menschen, die eine Impfung ablehnten oder sich nur bei einer Pflicht impfen lassen wollen, sprach sich knapp über die Hälfte (51 Prozent) auch bei der neuen Befragung gegen die Corona-Vakzine aus.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen