Im Krisenmodus: Coronavirus hält Deutschland in Atem

  • Die Bundesregierung richtet einen Krisenstab ein, da auch in Deutschland eine Coronavirus-Epidemie befürchtet wird.
  • Laut Robert-Koch-Institut ist das Coronavirus bisher tödlicher als die Grippe.
  • Auch in anderen Ländern werden Maßnahmen zum Schutz vor einer Epidemie getroffen.
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Berlin. Nach den ersten Ausbrüchen des neuartigen Coronavirus steht Deutschland am Beginn einer Epidemie. In mehreren Bundesländern wird intensiv nach möglichen Sars-CoV-2-Infizierten gesucht. Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neue Virus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe.

Bund richtet Krisenstab ein

Wie viel höher die Sterberate sei, sehe man erst nach dem Ende der Epidemie, sagte Institutspräsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn richten derweil einen Corona-Krisenstab ein.

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Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, spricht mit Blick auf die neue Lungenerkrankung Covid-19 von einer schweren Krankheitsform. © Quelle: Paul Zinken/dpa

In mindestens 15 europäischen Ländern gibt es inzwischen Fälle. Mehr als 10 Tote wurden gezählt bei etwa 500 Infizierten, wie es vom europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hieß. In Deutschland stehen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen Hunderte Menschen unter Quarantäne.

Ein bis zwei Prozent der Infizierten sterben

Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten hingegen schwer, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekämen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

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Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten, was höher als bei der Grippe ist. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Eine Ansteckung über Oberflächen gilt weiter als unwahrscheinlich. Das gilt für Lebensmittel ebenso wie für andere Waren. Regelmäßig gründliches Händewaschen gilt nach wie vor als der beste Schutz.

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Coronavirus: Wie kann ich mich schützen?
1:32 min
Die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen, um sich gegen das Coronavirus zu schützen.  © RND
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Coronavirus bedroht deutsche Industrie

Die Behörden in vielen Ländern versuchen das Virus zum Teil mit drastischen Maßnahmen einzudämmen. Warum? Die Folgen, die ein Übergreifen von Sars-CoV-2 auf große Teile der Bevölkerung hätte, sind schwer abzuschätzen. Zudem gibt es anders als bei der Grippe weder einen Impfstoff noch speziell zugeschnittene Medikamente.

Die deutsche Industrie sieht das neuartige Coronavirus als “Stresstest” für die Wirtschaft und fürchtet Folgen für die Konjunktur. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang forderte die Bundesregierung am Donnerstag zu einem koordinierten, wirtschaftspolitischen Vorgehen auf: “Die Unsicherheit über die Auswirkungen des Virus ist groß. Der Konjunktur drohen spürbare negative Effekte.”

Zwei Wochen häusliche Quarantäne für Kontaktpersonen

In Nordrhein-Westfalen, wo bis Donnerstagmorgen fünf Fälle bekannt waren, suchen die Behörden nach möglichen weiteren Infizierten. Mehrere Hundert Menschen stehen dort unter häuslicher Quarantäne. Das schätzte der Kreis Heinsberg.

Wegen des Coronavirus bleiben städtische Einrichtungen wie Schulen in Heinsberg vorerst geschlossen. © Quelle: Henning Kaiser/dpa
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Betroffen seien vor allem Besucher einer Karnevalssitzung in Gangelt, die ein infiziertes Paar besucht hatte. Die Maßnahme gelte auch für das Personal und Kinder des Kindergartens, in dem die Frau als Erzieherin beschäftigt ist.

Auch die Menschen, die mit diesen Betroffenen in einem Haushalt leben, sollen zu Hause bleiben, sagte der Sprecher des Landkreises. Die Leute dürften 14 Tage lang ihre Wohnungen nicht verlassen und müssten sich von Freunden, Verwandten oder Nachbarn mit Lebensmitteln versorgen lassen, die dann die Einkäufe vor der Haustür abstellten.

In Deutschland: 16 neue Infektionen innerhalb von zwei Wochen

In Baden-Württemberg halten die Gesundheitsbehörden Familie, Freunde und Kollegen von vier Infizierten im Blick. Am Dienstagabend wurde ein Nachweis bei einem Italien-Rückkehrer in Göppingen bekannt. Nach Angaben der Behörden steht der Fall in Zusammenhang mit zwei Nachweisen in Tübingen.

Bei einem Fall im Landkreis Rottweil war ein Mann mit seiner Familie aus einem Risikogebiet, dem Ort Codogno in der italienischen Provinz Lodi, eingereist.

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Alle Geschäfte bis auf Apotheken und Supermärkte sind aufgrund des Coronavirus in Codogno geschlossen. © Quelle: Roberto Cighetti/privat/dpa

In Deutschland waren vor mehr als zwei Wochen insgesamt 16 Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet geworden, die nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen geführt haben.

Saudi-Arabien schließt Grenzen für Pilgerreisen

Aus weiteren Ländern wurden erste Fälle gemeldet, etwa aus Israel, Dänemark, Norwegen, Estland und Rumänien. In Italien gibt es mit mehr als 500 Infizierten und mindestens 14 Toten den größten Ausbruch Europas.

Saudi-Arabien hat aus Sorge vor einer Verbreitung seine Grenzen für Pilgerreisen von Ausländern in die beiden Städte Mekka und Medina geschlossen. Vorerst ausgesetzt würden auch Einreisen mit Touristenvisa aus Ländern, in denen die Verbreitung des Virus eine Gefahr darstelle, teilte das Außenministerium in Riad mit. Für welche Länder dies gelte, blieb zunächst unklar.

Südkorea meldet mehr als 1700 Infizierte

In Südkorea verschieben die Streitkräfte des asiatischen Landes und der USA ihr Frühjahrsmanöver auf unbestimmte Zeit. Die Gesundheitsbehörden des Landes meldeten im Verlauf des Donnerstags 505 neue Fälle und damit mehr als China.

Die Zahl der Menschen, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, kletterte auf 1766. Bisher wurden 13 Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht.

Japan schließt Schulen

Die Mehrzahl der neuen Infektionen konzentriert sich auf die südöstliche Millionen-Stadt Daegu und die Region. Etwa die Hälfte aller Fälle im Land entfällt auf Anhänger der in Daegu stark vertretenen christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die auch Verbindungen nach China hat.

Japan will im Kampf gegen das neuartige Virus alle Schulen schließen. Die Maßnahme trete Montag in Kraft, sagte Premierminister Shinzo Abe am Donnerstag. Die Schließung solle demnach bis zum Beginn der zehntägigen Frühlingsferien Ende März gelten.

Hohe Dunkelziffer bei Infektionen

In China stieg die Zahl erfasster Infektionen auf mehr als 78.000, die Zahl der Toten lag in der offiziellen Statistik für Festlandchina bei mehr als 2700. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise vergangene Woche hat sich der täglich berichtete Anstieg der neuen Infektionen mit dem Virus und der Todesfälle in der Statistik Chinas deutlich reduziert.

Hunderte Patienten, die mit sich mit dem Coronavirus infiziert haben, sind in Wuhan in einem provisorischen Krankenhaus untergebracht. © Quelle: Xiao Yijiu/XinHua/dpa

Beides wird von amtlichen Stellen gerne zitiert, wenn dazu aufgerufen wird, an anderen Orten des Landes zur Normalität zurückzukehren und die Produktion wieder aufzunehmen. Experten gehen aber von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

RND/dpa

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