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Im Kampf gegen Krebs: Mediziner diskutieren über Alternativen zu Chemotherapie

  • Der Deutsche Krebskongress ist in Berlin gestartet.
  • Ärzte und Wissenschaftler tauschen sich dort zu Therapien aus, die krebskranken Menschen neue Hoffnung geben können.
  • Besonders vielversprechend sei die Immuntherapie: Sie soll auf das Krankheitsbild des Erkrankten zugeschnitten Tumorzellen vernichten.
Heidi Becker
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Viele Menschen in Deutschland erkranken an Krebs. Für das Jahr 2020 werden über 500.000 Neuerkrankungen erwartet. Vor allem ältere Menschen sind betroffen. Die häufigsten Krebsarten, die dabei zum Tod führen, sind Lungenkrebs und Brustkrebs. Der drängende Wunsch von vielen Betroffenen und ihren Angehörigen: eine geeignete Therapie, Heilung oder zumindest eine Verlängerung der Lebensdauer.

Alle zwei Jahre diskutieren deshalb Wissenschaftler und Mediziner beim Deutschen Krebskongress über neueste Erkenntnisse in der Krebsmedizin. Verschiedene Sitzungen und Vorträge beschäftigen sich auch in diesem Jahr mit der aktuellen Krebsforschung. Der Kongress findet vom 19. bis 22. Februar in Berlin statt und steht in diesem Jahr unter dem Motto „informativ. innovativ. integrativ. Optimale Versorgung für alle". Gerade Innovationen werden voraussichtlich eine große Rolle spielen.

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Die neuesten Erkenntnisse in der Krebsmedizin
0:49 min
Zum 34. Deutschen Krebskongress in Berlin: Die neuen Behandlungsmöglichkeiten - von Immuntherapie bis Sauerstoff-Technik.  © Heidi Becker/RND
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Immuntherapie großes Thema auf Krebskongress

Ein neuerer Therapieansatz, der Erfolg verspricht, ist die Immun-Onkologie. Das werde auch Thema beim Kongress, sagt Charlotte Weiß, Pressereferentin der Stiftung Deutsche Krebshilfe: „Die Immun-Onkologie ist auf dem Kongress ein zentrales Thema und damit auch die CAR-T-Zellen." Zur Immun-Onkologie gebe es eine eigene Sitzung, auch bei anderen Treffen werde das Thema immer wieder gestreift.

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Bei dieser Therapie soll dem eigenen Immunsystem von Erkrankten geholfen werden, den Krebs besser zu bekämpfen und Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten, erklärt die Deutsche Krebsgesellschaft. Die Lebenserwartung von Menschen, die an Krebs erkrankt sind, steige stetig. Mehr als die Hälfte aller Krebspatienten könne mittlerweile auf dauerhafte Heilung hoffen. Nicht zuletzt liege das an innovativer medizinischer Weiterentwicklung.

„Dank medizinischer Innovationen ist Krebs heute besser behandelbar als noch vor wenigen Jahren”, erklärt auch Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Kongresspräsident des Deutschen Krebskongresses 2020. „Für die Betroffenen ist es wichtig, dass innovative Therapien, die sich in der Versorgung bewähren, möglichst rasch zu medizinischen Standards werden, die überall gelten und gleich umgesetzt werden. Das gelingt nur, wenn Ärzteschaft und Betroffene auch gut darüber informiert sind.”

Immun-Onkologie und Chemo: Wie Tumorzellen bekämpfen?


Was können immunologische Ansätze, wo die klassische Chemotherapie an ihre Grenzen stößt? „Die klassische Chemotherapie kann im Zweifelsfall nicht zwischen gut und böse unterscheiden”, erklärte bereits Professor Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland (BNHO) gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) anlässlich des diesjährigen Weltkrebstages. Er arbeitet als niedergelassener Hämatologe und Onkologe in Frankfurt.

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Prof. Dr. Wolfgang Knauf kennt sich als Vorsitzender des BNHO (Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland) mit neueren Therapieansätzen aus. © Quelle: BNHO

Dieses Risiko der Chemotherapie versuchten Ärzte mit immunologischen Ansätzen zu umgehen. Solche könnten ergänzend zur Chemotherapie, aber auch alleine angewandt werden. Der Trend gehe in der Zukunft aber mehr dahin, dass Krebstherapien immer individueller auf den Patienten zugeschnitten werden. Mediziner wüssten heutzutage, dass Tumore weitaus heterogener sind, als man sich das früher vorgestellt habe. Zum Beispiel gleiche ein Lungenkrebs, also ein Bronchialkarzinom, keinesfalls einem anderen.

Neue Krebstherapie-Ansätze haben auch Risiken

Auf der molekularen Ebene gebe es Befunde, die ein sehr spezifisches Vorgehen erfordern. Die moderne Medikamenten-Entwicklung stütze sich immer mehr darauf. So könnte ein Medikament zielgerichtet für eine bestimmte molekulare Struktur in der Tumorzelle entwickelt werden. Die Immun-Onkologie habe aber auch Risiken. „Wenn ich in ein Immunsystem eingreife, kann dieses womöglich plötzlich unkontrolliert eigene gesunde Körperstrukturen angreifen”, sagt Knauf.

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Damit Krebs wirkungsvoll mit der körpereigenen Abwehr bekämpft werden könne, müssten Mediziner noch viel über die komplexen Mechanismen des Immunsystems lernen, bestätigt auch die Deutsche Krebsgesellschaft. Aber ein Anfang sei gemacht.

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