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„Ich musste meinen Patienten helfen“: Ärztin gibt bereits Asthmamittel gegen Corona

  • Das Asthmamittel Budesonid soll Covid-19-Patienten vor schweren Verläufen schützen, heißt es in einer aktuellen Studie der Universität Oxford.
  • Die österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr schreibt bei Twitter, dass sie Corona-Patienten schon lang erfolgreich damit behandelt.
  • Von der Fachwelt sei sie als junge Ärztin aber nicht ernst genommen worden, sagt Kellermayr im Interview mit dem RND.
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Einer Studie der Universität Oxford zufolge könnte das Asthmamittel Budesonid bei Covid-19-Erkrankungen helfen. Nun hat sich die österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr per Twitter zu Wort gemeldet: Sie setzt das Medikament schon seit Langem ein, wurde aber von der Fachwelt bisher kaum ernst genommen. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) nimmt sie Stellung zu ihrem Tweet.

Frau Kellermayr, Sie bekommen derzeit bei Twitter viel Aufmerksamkeit. Vor Kurzem ist eine Studie der Universität Oxford zum möglichen Nutzen des Asthmamittels Budesonid bei Covid-19 erschienen. Nun haben Sie getwittert, dass Sie Corona-Patienten schon länger erfolgreich mit Budesonid behandeln, was aber in der Fachwelt kaum Beachtung fand.

Ja, das ist richtig, ich habe während der zweiten Welle in einem speziellen hausärztlichen Notdienst für Corona-Patienten gearbeitet. Dabei habe ich zahlreichen Patienten mit Atemwegsbeschwerden einen Asthmainhalator verschrieben, der als einen von zwei Wirkstoffen Budesonid enthielt.

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Wie sind Sie dazu gekommen, das Medikament bei Covid-19-Patienten einzusetzen?

Ich hatte mich mit einem Kollegen, der Lungenfacharzt ist, unterhalten. Er hatte in einzelnen Fällen bereits gute Erfahrungen damit gemacht. Ich habe dann schnell einen auffälligen Erfolg der Behandlung festgestellt. Die Patienten riefen selten noch einmal an, weil sich ihr Zustand schnell verbessert hatte. Sie mussten auch deutlich seltener ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Sie haben das Medikament im Off-Label-Use eingesetzt: das heißt, auf Ihre eigene Verantwortung als Ärztin hin und ehe die Anwendung bei Corona-Patienten in klinischen Studien erprobt wurde.

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Wissenschaftliche Studien dauern meist sehr lange. Die jetzt veröffentlichte Untersuchung der Universität Oxford wurde im Sommer vergangenen Jahres begonnen. Ich konnte aber nicht warten. Ich musste meinen Patienten helfen: unmittelbar, jetzt.

Lisa-Maria Kellermayr behandelt Covid-19-Patienten schon länger mit dem Asthmamittel Budesonid. © Quelle: Ulli Engleder
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In der Oxford-Studie heißt es, es sei nach einer Budesonid-Behandlung zu zehnmal weniger Krankenhausaufenthalten gekommen. In wie vielen Fällen konnten Sie eine Besserung bei Ihren Patienten beobachten?

Das ist schwierig zu beziffern. Die Zahlen aus der Studie scheinen mir etwas zu hoch gegriffen. Ich glaube aber, dass man von einer signifikanten Wirksamkeit ausgehen kann. Anders als in der Studie habe ich das Medikament dabei auch an ältere Patenten verschrieben. Ich habe auch über 90-Jährige erfolgreich damit behandelt.

Von Ihren Behandlungserfolgen haben Sie 2020 bereits auf mehreren Fortbildungen berichtet. Wie wurde das aufgenommen?

Ich habe auf einer Fortbildung für Hausärzte darüber gesprochen, welche guten Erfahrungen ich mit diesem speziellen Budesonid-Präparat gemacht habe. Denn mir war es wichtig, meine geballten und konzentrierten Erfahrungen aus der Praxis so breit wie möglich zu teilen. Viele Kollegen haben diese Information auch dankend aufgenommen.

In der Öffentlichkeit werden aber wenn überhaupt Spitalärztinnen nach ihren Meinungen gefragt. Die sehen aber ein ganz anderes Patientenkollektiv und Patientinnen und Patienten in einer ganz anderen Phase ihrer Erkrankung.

Sie schreiben in einem Tweet, dass man Sie womöglich deshalb nicht ernst genommen hat, weil Sie eine Frau und noch jung sind und neben dem Doktor keine weiteren Titel haben.

Ja, damit wollte ich auf zwei Dinge hinweisen: erstens, dass Frauen in der Wissenschaft weniger ernst genommen werden. Und zweitens, dass Hausärzte zu Unrecht geringschätzt werden. Hier in Österreich sind Allgemeinmediziner trotz langer Ausbildung keine Fachärzte.

Die Studie der Universität Oxford findet jetzt große Beachtung, im deutschsprachigen Raum vor allem, seit Karl Lauterbach darüber getwittert hat. Darin wurde aber nur 73 Patienten Budesonid verabreicht. Ich allein habe das Mittel schon bei einer wesentlich größeren Zahl Patientinnen und Patienten angewendet. Insgesamt wurde in Österreich sicher die vielfache Anzahl an Patienten damit behandelt.

Warum haben Sie sich entschieden, nun an die Öffentlichkeit zu gehen?

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Es heißt jetzt, dass weitere Studien benötigt werden. Die Oxford-Studie hatte ja wie gesagt nur eine sehr kleine Teilnehmerzahl. Weil wir das Medikament so häufig verschrieben haben, liegen inzwischen aber viel mehr Daten vor. Da es sich um eine meldepflichtige Erkrankung und ein rezeptpflichtiges Medikament handelt, sind Behandlungsdaten gespeichert. Diese sollten wissenschaftlich ausgewertet werden. Dann hätte man eine Studie mit einem größeren Kollektiv, kann auch unterschiedliche Altersgruppen, Vorerkrankungen, den Zeitpunkt, wann das Medikament verschrieben wurde, und vieles mehr analysieren. Darauf möchte ich aufmerksam machen.

Hat sich denn schon jemand aus der Fachwelt bei Ihnen gemeldet?

Nein. Ich bekomme zwar viele Anrufe von Journalisten. Es hat sich bisher aber noch keine Krankenkasse, kein Gesundheitspolitiker und keine Fachgesellschaft bei mir gemeldet.

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