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Gelassen trotz hoher Inzidenzen: Was machen Dänemark und Portugal anders als Deutschland?

  • Portugal und Dänemark gelten als Vorreiter im Kampf gegen die Pandemie – beide Länder haben hohe Impfquoten.
  • Trotzdem steigen auch dort derzeit die Infektionszahlen, die Situation in den Krankenhäusern bleibt bisher aber entspannt.
  • Israel hat die vierte Welle trotz niedrigerer Impfquote bereits überwunden – dank zahlreicher Booster-Impfungen.
Kristina Auer
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Kopenhagen/Lissabon. Die vierte Welle der Corona-Pandemie trifft verschiedene Länder sehr unterschiedlich. Auch innerhalb Deutschlands ist das Infektionsgeschehen – und insbesondere die Situation in den Krankenhäusern – sehr differenziert ausgeprägt.

Auch wenn eine Impfung gegen das Coronavirus eine Ansteckung nicht vollständig verhindern kann, ist die Immunisierung der entscheidende Faktor dafür, wie dramatisch sich die vierte Welle in einer Region entwickelt. Dies wird auch beim Blick nach Dänemark, Portugal und Israel deutlich. Mit intensiven Impfkampagnen und hohen Quoten gelten die drei Länder als Paradebeispiele für den erfolgreichen Kampf gegen die Pandemie. Wie sieht es in diesen Ländern aus, während Deutschland tief in der vierten Welle steckt?

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Hohe Inzidenz in Dänemark

Auch Dänemark ist in diesem Herbst und Winter nicht von steigenden Infektionszahlen verschont geblieben. Im Gegenteil: Seit Anfang Oktober steigt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen dort rasant an. Mit 551,9 (Stand 5.12.) liegt sie derzeit sogar deutlich höher als in Deutschland. Dabei liegt die Impfquote sehr hoch, laut der dänischen Gesundheitsbehörden sind 80 Prozent der Menschen, denen eine Impfung angeboten wurde, zweimal geimpft. Insgesamt sind 76,1 Prozent der Bevölkerung zweimal geimpft.

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Die Wirkung der hohen Impfquote zeigt sich in den Krankenhäusern: Trotz der vielen Neuinfektionen bleibt die Situation dort entspannt, weil Geimpfte weniger schwer erkranken. Laut Our World in Data werden in Dänemark derzeit 430 Covid-19-Erkrankte in Kliniken behandelt. Auf den Intensivstationen liegen davon 50 Patienteninnen und Patienten.

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Wegen der steigenden Infektionszahlen hat die dänische Regierung in der vergangenen Woche die Maskenpflicht in Verkehrsmitteln sowie im Einzelhandel wieder eingeführt. In Restaurants und Bars oder bei Fußballspielen gilt die 3G-Regel, dort muss der sogenannte Corona-Pass vorgezeigt werden. Weitere Schließungen oder Kontaktbeschränkungen sind aber nicht geplant. Auch die Weihnachtsmärkte finden überall in Dänemark statt.

Ein ähnliches Bild wie in dem skandinavischen Land zeigt sich derzeit in Portugal. Auch dort sind die Infektionszahlen wieder deutlich gestiegen, zuletzt auf 5649 Neuinfektionen innerhalb eines Tages (Stand 5.12.). Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mit 228,1 zwar noch deutlich unter Deutschland, dennoch ist die Zahl hoch.

Portugal plant einwöchigen Lockdown

Die verheerende Coronavirus-Welle, die Portugal im letzten Winter erlebt hat, hat vermutlich zu einer der höchsten Impfquoten weltweit beigetragen: 89 Prozent der Bevölkerung sind dort doppelt geimpft. Dadurch wird in dem südeuropäischen Land das Gesundheitssystem geschont: 689 Personen wurden im Moment wegen einer Corona-Infektion in ein Krankenhaus eingewiesen, 100 liegen auf Intensivstationen.

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Trotz der derzeit entspannten Lage in den Kliniken ist die portugiesische Regierung beunruhigt über den Anstieg der Infektionszahlen. Daher gilt seit 1. Dezember wieder der nationale Notstand. Um Zustände wie im letzten Winter zu verhindern, soll nach Neujahr eine präventiver Art Lockdown verhängt werden. Dann bleiben für eine Woche Bars und Diskotheken geschlossen, Angestellte sollen im Homeoffice arbeiten und die Schule beginnt eine Woche später als sonst.

Schon jetzt gilt wieder die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen sowie 3G in Restaurants oder im Fitnessstudio. Wer einen Club oder eine Kneipe besuchen will, muss zusätzlich zum Impfzertifikat einen negativen Schnelltest vorweisen.

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Appell von FDP-Chef Lindner: „Nehmen Sie Impfangebote wahr“
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FDP-Chef Christian Lindner hat die Menschen in Deutschland aufgerufen, im Kampf gegen die Corona-Pandemie Kontakte zu reduzieren und Impfangebote wahrzunehmen.  © AFP

Israels Booster-Erfolg

Einen Sonderweg in der Corona-Bekämpfung beschreitet Israel. Das Land hat die vierte Welle bereits hinter sich, der bisherige Höchststand bei den Neuinfektionen war Mitte September erreicht, als sich die Delta-Variante stark ausbreitete. Doch die Welle konnte gebrochen werden – und das, obwohl die Impfquote in Israel mit 62,2 Prozent vergleichsweise niedrig ist. Der Schlüssel zum Erfolg: Booster-Impfungen. Über 44 Prozent der Israelis sind bereits ein drittes Mal gegen Corona geimpft. Das führt offenbar dazu, dass die Infektionszahlen momentan unter Kontrolle sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner lag am Samstag bei nur 38,3.

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Trotzdem gibt es auch in Israel die Sorge vor einer weiteren Pandemiewelle. Nach Bekanntwerden der Omikron-Variante hat sich das Land weitgehend abgeriegelt. Reisen in viele afrikanische Länder sind derzeit verboten, für zwei Wochen dürfen zudem keine ausländischen Touristen mehr einreisen.

Update vom 6.12.21 Wir haben in diesem Text die Angaben zur Impfquote in Dänemark präzisiert.

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