Höhere Corona-Impfquote als gedacht: Hilft das im Herbst und Winter?

  • Weit mehr Menschen als bislang angenommen könnten bereits gegen Covid-19 geschützt sein.
  • Damit könne Deutschland vielleicht von einer schweren Winterwelle verschont bleiben, sagt ein Virologe.
  • Gesundheitsminister Spahn plädiert weiter für 2G- und 3G-Regeln – sieht im Moment aber keine Notwendigkeit für weitere Beschränkungen.
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Eine aktuelle Schätzung zeigt, dass in Deutschland bereits mehr Menschen vor Covid-19 geschützt sein dürften als gedacht. Nach einer neuen Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) sei anzunehmen, dass unter den Erwachsenen bereits bis zu 84 Prozent mindestens einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft sind, heißt es in einem neuen Bericht.

Das entspräche jeweils um 5 Prozentpunkte höheren Impfquoten als nach offiziellen Meldungen der Impfstellen. Grob überschlagen sind das 3,5 Millionen Menschen. Was folgt daraus für die kommenden Wochen? Wird das Coronavirus vielleicht weniger Menschen krank machen als befürchtet?

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„Im Grunde sind das sehr erfreuliche Informationen und es könnte damit sein, dass wir sehr viel näher an einer Herden­immunität sind, als die offiziellen Zahlen sagen“, sagt Stephan Ludwig, Virologe am Universitäts­klinikum Münster. „Das würde bedeuten, dass wir eventuell von einer schweren Winterwelle verschont bleiben.“ Die Prognose bleibe allerdings noch ein wenig unsicher, „da die neuen Zahlen nur eine – wenn auch recht gute – Schätzung sind“, erklärte der Wissen­schaftler dem RND.

Wie kann die Quote auf einmal nach oben gehen?

Das RKI sieht verschiedene Gründe dafür, dass bestimmte Impfungen in der offiziellen Melde­statistik gar nicht erfasst werden. Bereits im August hatte das RKI von „gewisser Unsicherheit“ bei der Interpretation von Impfquotend­aten berichtet. So gibt es teils Meldeverzögerungen. Es hätten bisher nur etwa die Hälfte der im digitalen System registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Webanwendung gemeldet. Dies könnte „ein Hinweis auf eine Untererfassung der Impfquoten“ sein, heißt es im RKI-Bericht. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass im Praxisalltag nicht alle Impfungen über entsprechende Meldeportale übermittelt würden.

Es sei natürlich unschön, dass es Unsicherheiten bei den Zahlen gibt, sagt Virologe Ludwig. „Man darf dabei aber nicht vergessen, dass man bei keiner anderen Infektions­epidemie bisher so umfangreich Daten erhoben hat wie bei Covid-19.“ Bei solchen riesigen Datenmengen werde es immer auch eine gewisse Unsicherheit geben. Sie könne aber aus seiner Sicht trotzdem das Infektions­geschehen ausreichend gut beurteilen.

Keine Masken im Freien, aber 3G und 2G in Innenräumen

Bundesgesund­heitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits Bezug auf die RKI-Auswertungen genommen – und gibt sich angesichts der neuen Schätzung zuversichtlich. „Das gibt uns zusätzliche Sicherheit für Herbst und Winter. Wir wollen mit Umsicht und Vorsicht Schritt für Schritt zurück in Freiheit und Normalität“, sagte er. Die demnach nun erreichten Impfquoten machten es möglich, draußen auf Vorgaben etwa zum Tragen medizinischer Masken zu verzichten.

In Innenräumen blieben Zugangsregeln für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) mit der Option für 2G nur für Geimpfte und Genesene wichtig – ebenso Hygiene­regeln mit Abstand und Masken besonders in Bus und Bahn. „Aus heutiger Sicht wird es keine weiteren Beschränkungen mehr brauchen“, sagte Spahn mit Blick auf Herbst und Winter. „Jede weitere Impfung erhöht aber die Sicherheit und ermöglicht noch mehr Normalität.“

RND mit Material von dpa

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