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Kamera, GPS und Laser: Hightech-Langstock navigiert Sehbehinderte schneller

  • Tests von US-Forschenden zeigen, dass ein Hightech-Langstock Sehbehinderte sicherer und schneller leiten kann.
  • Eine Kamera, eine GPS-Antenne und ein Lasersystem zur Erfassung der Umgebung sollen das Laufen erleichtern.
  • Mit einem üblichen Langstock berührten die Teilnehmenden durchschnittlich 36 Hindernisse, mit dem neuen Gerät waren es nur etwa neun.
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Stanford. Ein technisch aufgerüsteter Langstock soll sehbehinderte Menschen schneller und sicherer zu ihrem Ziel leiten. Das berichten US-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler, nachdem sie das Gerät ausgiebig mit Blinden und Sehbehinderten, die Erfahrung mit einem Langstock hatten, getestet hatten. In den Versuchen gingen sehbehinderte Menschen um 18 Prozent schneller als mit einem gewöhnlichen Langstock. Bei Sehenden, denen die Augen verbunden waren, waren es sogar 35 Prozent, wie die Gruppe um Patrick Slade von der Stanford University in Kalifornien im Fachjournal „Science Robotics“ schreibt.

„Weltweit haben mehr als 250 Millionen Menschen eine Sehbehinderung und sind mit Herausforderungen konfrontiert, wenn sie sich außerhalb ihres Zuhauses bewegen“, schreiben die Forschenden. „Das beeinträchtigt ihre Unabhängigkeit und ihre geistige wie körperliche Gesundheit.“ Um die Orientierung zu verbessern, versahen die Forscherinnen und Forscher den Blindenlangstock unter anderem mit Kamera, GPS-Antenne (Global Positioning System) und einem Lasersystem zur Erfassung der Umgebung (LIDAR). Außerdem brachten sie an der Spitze des Stocks ein motorbetriebenes Rad an, das durch eine Kombination mehrerer Rollen verschiedene Richtungen einschlagen kann.

Akustische Signale, Vibration und Bewegungskraft

Slade sowie Kolleginnen und Kollegen testeten drei Konzepte der Benutzerführung, die schon bei ähnlichen Geräten zum Einsatz gekommen sind: Dabei werden Hindernisse und Ausweichrouten entweder durch akustische Signale, durch Vibration oder aber durch eine Bewegungskraft angezeigt. In letzterem Fall spürt die Benutzerin oder der Benutzer beim Gehen eine Kraft, die den Stock in eine bestimmte Richtung steuert. Dieser Mechanismus beruht darauf, dass die Informationen der Sensoren an einen Mikrocontroller geleitet werden, der dann das motorbetriebene Allseitenrad in eine bestimmte Richtung lenkt.

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Dieses Prinzip der Bewegungskraft funktionierte für die Rückmeldung am besten, da die Nutzenden es den Forscherinnen und Forschern zufolge intuitiv erfassen können. Zusätzlich erhalten sie ergänzende akustische Informationen durch einen kleinen Kopfhörer. Ein Programm, das kontinuierlich den Langstock lokalisiert und gleichzeitig die Umgebung aufzeichnet, navigiert die sehbehinderten Menschen zum Ziel. Das System erkennt auch bestimmte Symbole wie etwa ein Stoppschild oder das Schild einer Bushaltestelle. Sobald ein solches Schild als Ziel erkannt ist, leitet das Programm die Benutzerin oder den Benutzer dorthin.

Weniger Berührung mit Hindernissen – aber zu schwer

„Der erweiterte Langstock reduzierte in allen Experimenten die Anzahl der Kontakte der Teilnehmer mit der Umwelt“, schreibt das Team um Slade. Mit einem gewöhnlichen Langstock berührten die sehbehinderten Teilnehmer mit ihrem Stock durchschnittlich 36 Hindernisse, mit dem neuen Gerät waren es im Mittel etwa neun. Doch nicht alle Teilnehmenden waren mit dem elektronischen Langstock schneller. Auch empfanden viele der zwölf sehbehinderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern das 1,2-Kilogramm-Gerät als zu schwer.

Die Forschenden wollen ihren erweiterten Langstock noch verbessern. So könnte ein Ultraschallsensor Änderungen der Geländeneigung und Hindernisse in Kopfhöhe registrieren, was sich bei anderen Geräten bewährt habe. Im Übrigen sei ihr Gerät mit 400 US-Dollar (etwa 346 Euro) recht günstig und werde mit einer Open-Source-Software betrieben, betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

RND/dpa

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