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Daten aus den USA: vor allem Jüngere von Herzmuskelentzündung nach mRNA-Impfung betroffen

Eine Frau wird im Impfzentrum in Frankfurt geimpft.

Eine Frau wird im Impfzentrum in Frankfurt geimpft.

Daten aus Amerika stützen den Verdacht, dass die mRNA-Impfungen von Biontech/Pfizer und Moderna in seltenen Fällen Herzmuskelentzündungen auslösen könnten. Zuvor war bereits aus Israel berichtet worden, dass davon vor allem jüngere Männer betroffen sind.

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Auch in den USA scheinen vor allem jüngere Geimpfte gefährdet zu sein. Die Behörden dort hatten Berichte zu Nebenwirkungen ausgewertet, die bis Ende März über das „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS) erfasst worden waren. Insgesamt waren 789 Berichte nach Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna gemeldet worden – 285 von diesen seien verifiziert. 475 betrafen Geimpfte unter 30 Jahren. Der amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zufolge kamen die Herzmuskelentzündungen bei jüngeren Geimpften deutlich häufiger vor als normalerweise in dieser Altersgruppe.

Risiko bei jungen Geimpften deutlich erhöht

Die Wahrscheinlichkeit, eine Myokarditis zu entwickeln, war demnach bei 16- bis 17-Jährigen männlichen und weiblichen Geimpften vier- bis 40-mal höher als bei Ungeimpften in diesem Alter. In der Altersgruppe zwischen 18 und 24 kamen Herzmuskelentzündungen nach der Impfung zwei- bis 25-mal häufiger vor als bei Ungeimpften. Die großen Spannen ergeben sich daraus, dass unklar ist, wie häufig eine Myokarditis in diesen Altersgruppen ist.

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Die Daten passen zu denen aus Israel: Dort hatten die Behörden speziell für junge Männer festgestellt, dass die Impfung mit der Vakzine von Biontech/Pfizer das Risiko für eine Herzmuskelentzündung um das Fünf- bis 25-Fache erhöht (in Israel wurde fast ausschließlich dieser Impfstoff eingesetzt). Bei jungen Männern zwischen 16 und 24 könnte den israelischen Behörden zufolge bis zu einer von 3000 Geimpften eine Myokarditis entwickeln. Aber auch junge Frauen waren erkrankt: Mindestens ein junger Mann und eine junge Frau waren in Israel nach der Impfung mit Biontech/Pfizer an den Folgen einer Myokarditis gestorben. Diese Fälle sollen noch genauer untersucht werden.

Andere Ursachen ausgeschlossen

Nicht nur die Zahlen deuten darauf hin, dass die mRNA-Impfungen Auslöser der Herzmuskelentzündungen sind. Auch eine neue medizinische Studie, die vor wenigen Tagen im amerikanischen Fachmagazin „Pediatrics“ veröffentlicht wurde, legt diesen Schluss nahe. Wissenschaftler hatten sieben männliche Jugendliche genauer untersucht, die innerhalb von vier Tagen nach der Impfung mit der Biontech/Pfizer-Vakzine Comirnaty an einer Herzmuskelentzündung erkrankt waren. Die Wissenschaftler hatten dabei gezielt überprüft, ob die Myokarditis auch aus anderen Gründen entstanden sein könnte. In allen sieben Fällen konnten andere mögliche Ursachen für eine Myokarditis – wie zum Beispiel eine Viruserkrankung – ausgeschlossen werden.

Die Autoren verweisen in ihrer Untersuchung darauf, dass die Vakzine von Biontech/Pfizer in Studien bei Minderjährigen stärkere Impfreaktionen ausgelöst hatten als bei erwachsenen Geimpften. Es sei denkbar, dass auch die Herzmuskelentzündungen durch die Reaktion des Immunsystems auf die Impfung entstanden seien.

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US-Behörden planen Notfallsitzung

Die Wissenschaftler betonen zudem, dass in den Zulassungsstudien nur eine begrenzte Zahl von Minderjährigen überhaupt geimpft worden war. Nicht alle Nebenwirkungen seien daher erfasst worden. Alle Fälle von Herzmuskelentzündungen, die nach der Impfung auftreten, sollten nun an die zuständigen Stellen gemeldet werden. Außerdem sollten Ärzte und medizinisches Personal Brustschmerzen nach der Impfung als möglichen Hinweis auf eine Myokarditis werten. Die Risikobewertung durch die Behörden in den USA ist noch nicht abgeschlossen. Sie wollen am kommenden Donnerstag zu einer Notfallsitzung zum Thema zusammenkommen.

Dem in Deutschland für die Überwachung von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sind bis Ende Mai 92 Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung gemeldet worden, die meisten davon nach der Impfung mit Biontech/Pfizer. Nicht für alle Altersgruppen wurde dabei ein erhöhtes Risiko festgestellt. Vielmehr hat auch das PEI eine auffällige Häufung der Fälle in den jüngeren Altersgruppen beobachtet, obwohl diese nur einen kleinen Teil der Geimpften ausmachen. Mindestens ein junger Mann musste nach der Impfung mit Biontech/Pfizer in Deutschland bereits wegen einer Myokarditis intensivmedizinisch behandelt werden.

Zu welchem Anteil genau bei jüngeren Geimpften in Deutschland Herzmuskelentzündungen gemeldet werden, könne das PEI aber wegen fehlender Daten noch nicht berechnen, heißt es in dem Bericht. Ohnehin sei dabei von einer Dunkelziffer auszugehen, da milde Verläufe einer Myokarditis nicht immer erfasst würden. Eine Sicherheitswarnung hat das Institut bis jetzt nicht ausgesprochen.

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Erst wenige junge Menschen geimpft

Anders als in Israel sind in Deutschland bisher nur wenig junge Menschen geimpft worden. Erst seit Kurzem ist die Impfung von Biontech/Pfizer hierzulande für ZWölf- bis 17-Jährige zugelassen. Im aktuell vorliegenden Sicherheitsbericht des PEI konnten schwere Nebenwirkungen bei Minderjährigen daher noch gar nicht erfasst werden. Die Corona-Impfung wird in Deutschland von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) nur für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen empfohlen.

Auch in den anderen Ländern der EU gibt es erst wenig Erfahrung mit der Impfung junger Erwachsener und Jugendlicher. Daher sind die Erkenntnisse aus Israel und den USA von besonderer Bedeutung. Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA wertet derzeit noch Meldungen zu Myokarditis-Fällen nach mRNA-Impfungen aus. Die EMA hat noch kein Ergebnis verkündet, rät aber Geimpften zur Aufmerksamkeit: Wer nach der Impfung mit Comirnaty von Biontech/Pfizer oder der Impfung mit Moderna an Kurzatmigkeit, einem starken oder unregelmäßigen Herzschlag oder Brustschmerzen leidet, solle umgehend einen Arzt aufsuchen.

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