Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung: Untersuchung zeigt erhöhtes Risiko für junge Männer

Eine Betriebsärztin impft in der Firmenzentrale von Thyssenkrupp einen Mitarbeiter mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Eine Betriebsärztin impft in der Firmenzentrale von Thyssenkrupp einen Mitarbeiter mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Tel Aviv. Das Risiko, nach der Impfung mit der Corona-Vakzine von Biontech/Pfizer an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken, ist offenbar bei jungen Männern deutlich erhöht. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des israelischen Gesundheitsministeriums hervor, über die das Magazin „Science“ berichtet. Bereits im April war bekannt geworden, dass das israelische Gesundheitsministerium etliche Fälle von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) untersucht, die nach der Corona-Impfung aufgetreten waren. Erkrankt waren überwiegend junge Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren, die den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten hatten. Eine 22-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann waren aufgrund der Symptome verstorben.

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Ursprünglich hatte das Ministerium seine Untersuchung unter Verschluss halten wollen, israelische Medien waren aber an einen internen Bericht gelangt und hatten daraus zitiert. Demnach hielten Experten des Ministeriums schon im April einen Zusammenhang zwischen der Impfung und den Herzmuskelentzündungen für wahrscheinlich. Nun hat sich der Verdacht offenbar erhärtet.

Laut „Science“ geht das israelische Gesundheitsministerium davon aus, dass dort einer von 3000 bis zu einer von 6000 jungen Männern zwischen 16 und 24 Jahren nach der Impfung mit Biontech/Pfizer an einer Herzmuskelentzündung erkrankt ist. Die Rate unter geimpften jungen Männern soll damit 5 bis 25-Mal höher sein als bei Ungeimpften dieser Altersgruppe. In den meisten Fällen sollen die Erkrankungen eher mild verlaufen sein, bei etwa 5 Prozent der Fälle entwickelten die Geimpften aber offenbar stärkere Symptome. Auch bei den beiden Todesfällen konnte ein Zusammenhang mit der Impfung nicht ausgeräumt werden, es soll dazu aber momentan noch Unklarkeiten geben.

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18-Jähriger aus Baden-Württemberg erkrankte

In den USA gehen die Behörden derzeit ebenfalls mehreren Fällen von Herzmuskelentzündungen nach, die nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna aufgetreten waren. Aus Europa war noch keine statistisch auffällige Häufung von Myokarditis-Fällen nach der Impfung beobachtet worden, allerdings sind dort bisher erst vergleichsweise wenige junge Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden.

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Verdachtsfälle gibt es aber auch bereits in Deutschland. So war vor wenigen Wochen ein 18-jähriger Schüler aus Baden-Württemberg nach der Impfung mit Biontech/Pfizer an einer Herzmuskelentzündung erkrankt und musste intensivmedizinisch behandelt werden. Dem Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für die Überwachung von Impfnebenwirkungen zuständig ist, wurden bis Ende April 16 Fälle von Herzmuskelentzündungen nach der Impfung mit der Vakzine von Biontech/Pfizer gemeldet. Davon traten acht bei Personen zwischen 18 und 29 Jahren auf. Eine medizinische Bewertung der Fälle sei derzeit noch nicht möglich, heißt es im letzten Bericht des Instituts zu Impfkomplikationen. Das Auftreten weiterer Fälle werde aber beobachtet.

Der Kardiologe Thomas Meinertz, der Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung ist, sagte der Deutschen Presseagentur (DPA) gegenüber, die Berichte über die Herzmuskelentzündungen bei jüngeren Geimpften stützten die derzeitige Haltung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese wird wohl keine generelle Impfempfehlung für alle Kinder und Jugendlichen aussprechen, sondern nur eine Empfehlung für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen.

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