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Hausärzte-Chef: Menschen durch Pandemie „physisch und psychisch zermürbt”

  • Es brauche klare Perspektiven für Lockerungen der Corona-Beschränkungen, fordert Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.
  • Ein Kommunikationspsychologe lobt indes den niedersächsischen Stufenplan.
  • Menschen könnten besser mit unangenehmen Wahrheiten leben als mit unklaren, unzuverlässigen und sich ständig ändernden Aussagen, sagt Jo Groebel.
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Frankfurt a.M.. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, fordert klare Perspektiven für Lockerungen der Corona-Beschränkungen und warnt vor Folgen für die Gesundheit, wenn diese Aussichten fehlen. Nach mehr als einem Jahr Pandemie, verbunden mit Ängsten vor Erkrankung, Existenzverlust und zahlreichen enorm belastenden Einschränkungen, seien die Menschen physisch und psychisch zermürbt, sagte Weigeldt.

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Unterdessen lobte der Kommunikationspsychologe Jo Groebel die niedersächsische Landesregierung für deren Stufenplan, der abhängig vom Infektionsgeschehen mögliche Lockerungen der Corona-Einschränkungen für die kommenden Monate skizziert. Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, warnte vor einer Zunahme psychischer Erkrankungen und Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen als Folge der Corona-Krise.

Stufenplan wie in Niedersachsen vorbildlich

Hausärztevertreter Weigeldt sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“, viele Menschen resignierten angesichts der scheinbaren Ausweglosigkeit des ständig verlängerten Lockdowns. Einige fühlten sich ohnmächtig angesichts des Eindrucks, mitunter irrational anmutenden Entscheidungen ausgeliefert zu sein. Weigeldt die „Schwarzmalerei und Perspektivlosigkeit“ und forderte stattdessen eine aufbauende Kommunikation vonseiten der Politik: „Das klägliche ‘Es reicht leider immer noch nicht’, das wir tagaus-tagein hören, muss endlich einer Sprache weichen, die den persönlichen Ehrgeiz der Menschen anspornt, zum Mitmachen beflügelt und klare Etappenziele aufzeigt“, sagte Weigeldt.

Der Kommunikationspsychologe Groebel nannte den niedersächsischen Stufenplan „genau das, was die Menschen dringend brauchen“. „Nichts schafft mehr Unwohlsein, Verunsicherung und unter Umständen auch Aggression als das Gefühl, dass es in der Krise keinen Plan gibt und niemand die Situation unter Kontrolle hat“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die rot-schwarze niedersächsische Landesregierung hatte am Dienstag ihren Stufenplan zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vorgelegt. Er sieht sechs Stufen vor, in denen abhängig von der Inzidenzzahl festgelegt wird, ob die Corona-Beschränkungen gelockert oder weiter verschärft werden.

Besser unangenehme Wahrheiten

Menschen könnten besser mit unangenehmen Wahrheiten leben als mit unklaren, unzuverlässigen und sich ständig ändernden Aussagen, sagte Groebel. „So ein Plan schafft Sicherheit. Nicht im Sinne, dass alles sofort gut wird, aber im Sinne von einer klaren Perspektive.“ Die Menschen in Deutschland hätten immer wieder bewiesen, dass sie mit strikten Maßnahmen gut leben können. „Sie wollen aber wissen, was die Grundlagen und die Kriterien für die Beschlüsse sind und womit sie weiter rechnen müssen.“

RND/epd

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