Leere Praxen in Deutschland: In Sachsen ist bereits jeder achte Hausarztsitz unbesetzt

  • Ob in Niedersachsen, Baden-Württemberg oder Sachsen: Bundesweit mangelt es an Hausärzten.
  • Allein in Sachsen sind 370 Zulassungen von knapp 2950 möglichen Stellen unbesetzt – damit fehlt jeder achte Hausarzt.
  • Durch die alternde Gesellschaft könnte die Zahl der unbesetzten Hausarztsitze in Zukunft deutlich steigen.
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Die Situation rund um die in Deutschland unbesetzten Hausärztinnen- und Hausärzte-Stellen verschärft sich weiter. In Sachsen sind etwa 370 Zulassungen von knapp 2950 möglichen Stellen für niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte unbesetzt, wie die „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) berichtet. Das entspricht in Sachsen jedem achten Posten. Künftig könnte sich die Lage weiter verschlimmern: Sachsens Praxen müssen bis Oktober neue Investitionsanforderungen wie die elektronische Patientenakte leisten. Dadurch wäre es möglich, dass 5 bis 10 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte ihre Praxen in Zukunft schließen müssen, vermutet Thomas Lipp, Chef des Sächsischen Hartmannsbundes, gegenüber der LVZ. Neben Sachsen sind vor allem auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg betroffen, wie eine Studie der Robert Bosch Stiftung zeigt.

Die alternde Gesellschaft wird dabei zum Problem: In den kommenden Jahren gehen immer mehr Hausärztinnen und Hausärzte ohne Nachfolge in Rente. Von rund 52.000 Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland im Jahr 2019 würden bis 2035 fast 30.000 davon aufgrund des Alters wegfallen – doch nur etwa 25.000 Sitze könnten nachbesetzt werden. Das zeigt die Analyse des Berliner IGES Institut im Auftrag der Stiftung. Zeitgleich altern aber auch die Patientinnen und Patienten. Das bedeutet, dass die Nachfrage nach medizinischer Versorgung künftig steigen wird und der Bedarf an Hausärzten sogar noch zunehmen müsste. Daraus ergeben sich für 2035 knapp 11.000 unbesetzte Hausarztsitze in Deutschland.

Hausärzte fehlen nicht nur auf dem Land

Vor allem ländliche Regionen haben mit dem Hausärzteschwund zu kämpfen. In einigen Landkreisen der Bundesländer werde die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte bis 2035 um die Hälfte zurückgehen. „Im Extremfall müssen Patienten in unterversorgten Kreisen damit rechnen, in ihrem Umfeld keinen einzigen niedergelassenen Hausarzt zu haben“, sagt Hans-Dieter Nolting, Versorgungsforscher und Geschäftsführer des IGES Instituts.

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Doch auch Städte werden künftig vermehrt davon betroffen sein: Bis 2035 könnte die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte in mittelgroßen Städten um rund 20 Prozent sinken. Grund für den generellen Mangel seien neben dem demografischen Wandel auch die jungen Medizinerinnen und Mediziner, die sich eher für Angestelltenverhältnisse und Teilzeitarbeit entscheiden würden als für Einzelpraxen.

RND/mr

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