Beginn der Grippesaison: Bisher kaum Nachweise für Influenza-Infektionen

  • Mehrere Gesundheitsexperten hatten eine Doppelbelastung durch Grippe und Covid-19 befürchtet.
  • Doch zum Start der Grippesaison ist die Anzahl der gemeldeten Influenza-Fälle gering.
  • Auch die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen ist etwas niedriger als im Vorjahr.
Michèle Förster
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Mit dem Oktober beginnt üblicherweise auch die Grippesaison. Von der 40. Kalenderwoche an untersucht deshalb das Nationale Referenzzentrum für Influenza des Robert Koch-Instituts (RKI) regelmäßig Proben von Patienten mit Grippesymptomen. Obwohl Gesundheitsexperten der WHO und der Ärztekammer eine Doppelbelastung durch Grippe und Covid-19 fürchteten, wurden dem RKI bisher nur sehr wenige bestätigte Influenzafälle gemeldet. Auch die Zahl der Atemwegserkrankungen ist im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht.

Bisher erst sechs nachgewiesene Grippeerkrankungen

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Bei der Laboruntersuchung des Referenzzentrums wird überprüft, ob eine Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen durch Erkältungsviren (wie beispielsweise Rhinoviren) oder tatsächlich durch Influenzaviren ausgelöst wurde. In diesem Jahr wird zudem ein Test auf Coronaviren durchgeführt. Laut dem wöchentlichen Situationsbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza wurden in der Kalenderwoche 40 bislang (Stand: 6.10.2020) sechs labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch-Institut übermittelt.

Die Aktivität der Atemwegserkrankungen, zu denen auch die Grippe zählt, liegt in Deutschland derzeit überwiegend im normalen Bereich. © Quelle: Robert Koch-Institut

In 20 der 29 eingesandten Proben (69 Prozent) konnten respiratorische Viren identifiziert werden. Darunter waren 19 Proben mit Erkältungsviren (Rhinoviren). In einer von 27 untersuchten Proben wurde zudem Sars-CoV-2 nachgewiesen. Das Gripperisiko wird deshalb momentan als normal eingeschätzt. Da nur ausgewählte Praxen Patientenproben an das RKI schicken, dürften die Fallzahlen jedoch höher liegen.

Anzahl der Atemwegserkrankungen unter Vorjahresniveau

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Laut Situationsbericht ist der prozentuale Anteil von Personen mit einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung mit Fieber oder ohne Fieber leicht gestiegen. In der 40. Kalenderwoche (28.9. bis 4.10.2020) lag die Rate bei 4,6 Prozent, in der Vorwoche bei 4,2 Prozent. Dieser Anstieg ist laut der Arbeitsgemeinschaft Influenza vor allem auf Kinder im Alter von null bis 14 Jahre zurückzuführen.

Doch erst wenn in jeder fünften Patientenprobe Influenzaviren nachgewiesen werden und die sogenannte Positivenrate bei etwa 20 Prozent liegt, beginnt der Zeitraum, der als Grippewelle bezeichnet wird. Laut RKI beginnt diese in der Regel im Januar und dauert drei bis vier Monate an. Anfang Oktober wurden im Vergleich zur Vorwoche zwar mehr Arztbesuche wegen akuten Atemwegserkrankungen registriert, dennoch liegt die Gesamtrate dieser Erkrankungen derzeit sogar leicht unter den Vorjahreswerten.

Betrachtet man jedoch das gesamte, bisherige Jahr ist die Zahl der Grippeerkrankungen höher als in 2019. Zwischen der ersten und 40. Kalenderwoche 2020 wurden mehr als 194.400 Influenzafälle registriert, wie das RKI in der aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins (41/2020) schreibt. Im vergangenen Jahr waren es in demselben Zeitraum nur rund 189.300 Fälle gewesen.

AHA-Regeln schützen auch vor Grippeviren

Influenzaviren werden genau wie Sars-CoV-2 durch kleinste Tröpfchen in der Luft übertragen, die beim Sprechen, Niesen oder Husten freigesetzt werden. Daher können laut Bundesregierung die geltenden Corona-Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und das Vermeiden von großen Menschenmassen die Ansteckung mit beiden Viren verhindern. Auch das regelmäßige Lüften von Innenräumen sei hilfreich bei der Infektionseindämmung, ebenso wie das korrekte Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

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Bereits im April, dem Ende der Grippesaison 2019/2020, seien das “schnelle Abklingen der Influenzaaktivität” und “eine um mindestens zwei Wochen kürzere Dauer der Grippewelle” auffällig, so das Robert Koch-Institut. Laut der Bundesbehörde hätten die Corona-Maßnahmen “erheblich dazu beigetragen”.

RND

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