Grippeschutzimpfung für (fast) alle: Reichen die Impfstoff-Kapazitäten?

  • In der Corona-Pandemie fordern Ärzte und Politiker, möglichst breite Bevölkerungsschichten gegen Grippe zu impfen.
  • Nur so könne man Praxen und Kliniken vor einer Überlastung bewahren.
  • Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) warnt, dass der verfügbare Impfstoff dafür derzeit nicht reicht.
|
Anzeige
Anzeige

INTERNER BISHERIGER LINK:Mit dem Herbst kommt die Grippesaison. In Zeiten von Corona könnte das ganz neue Probleme mit sich bringen. So warnt Ärztepräsident Klaus Reinhardt: “Wir müssen eine Überlastung von Praxen und Kliniken durch Corona und Influenza unbedingt vermeiden.” Ganz besonders wichtig sei deshalb in diesem Jahr die Influenza-Impfung.

Vorgeprescht war bereits der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, der allen Eltern empfiehlt, ihre Kinder gegen Grippe impfen zu lassen, weil diese den Influenza-Virus maßgeblich übertragen. Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält das nicht für zielführend – und will stattdessen möglichst viele Erwachsene gegen Grippe impfen. Doch reicht dafür überhaupt der verfügbare Impfstoff?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) warnt in einer Stellungnahme vor einem Engpass: “Durch eine Ausweitung der Impfempfehlung auf die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland könnte es zu einer Unterversorgung der Risikogruppen kommen, die besonders von der Impfung profitieren würden und durch deren Impfschutz man das Gesundheitssystem besonders entlasten möchte.”

Video
Grippeimpfung während Corona-Zeit besonders wichtig
1:47 min
Das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe, hat bereits die ersten Chargen der Influenza-Impfung freigegeben.  © Reuters

Risikogruppen sollten zuerst geimpft werden

Anzeige

Die Stiko empfiehlt deshalb, vorrangig Menschen zu impfen, “die ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza haben”. Dazu zählen Menschen ab 60 Jahren und chronisch Erkrankte. Außerdem empfiehlt die Kommission eine Impfung für ärztliches und pflegerisches Personal, sowie andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Schwangere und Bewohner in Alters- oder Pflegeheimen.

Das Problem: Würden all diese Menschen vollständig geimpft, wären laut Stiko 40 Millionen Dosen Influenzaimpfstoff notwendig. Nach Kenntnissen der Kommission werden für die kommende Grippesaison aber nur rund 25 Millionen Impfdosen verfügbar sein – inklusive der vom Bundesministerium für Gesundheit beschafften nationalen Reserve.

Anzeige

Der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach mahnt vor diesem Hintergrund: “Wir brauchen dringend zusätzlichen Impfstoff.” Unterstützung bekommt er von Ärztepräsident Reinhardt: “Hersteller und Politik müssen dafür sorgen, dass es ausreichende Produktionskapazitäten und auch geeignetes Zubehör wie Spritzen und Kanülen gibt. Wir können uns jetzt keine neuen Lieferengpässe erlauben.” Schon in den vergangenen Jahren war der Grippeimpfstoff zeitweise knapp geworden – besonders drastisch war die Situation 2018.

mit dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen