Grippe und Entzündungen: Wie interagieren die Viren miteinander?

  • Erst eine Grippe, dann noch eine Lungenentzündung – manche Krankheitserreger begünstigen andere Infekte.
  • Doch es geht auch umgekehrt: So scheinen sich Grippeviren und Rhinoviren zu hemmen.
  • Das fanden Forscher von der University of Glasgow bei einer umfangreichen Studie heraus.
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Grippepatienten infizieren sich nur selten zusätzlich mit dem häufigsten Erreger von Erkältungen. Das geht aus einer schottischen Studie hervor, die in den „Proceedings“ der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) ist. Die Studie untermauert die Beobachtung, dass Infektionen mit Rhinoviren deutlich abflauen, sobald die Grippesaison beginnt. Eine Erklärung für das Phänomen haben die Forscher nicht. Eine deutsche Expertin bestätigt, dass Infektionen mit Influenza-A-Viren und Rhinoviren selten gemeinsam auftreten. Allerdings enthalte die Studie methodische Schwächen, die eine Interpretation der Resultate erschwerten.

Infektionen mit Viren oder Bakterien könnten die Anfälligkeit für andere Krankheitserreger erhöhen oder senken, schreibt das Team um den Virologen Pablo Murcia von der University of Glasgow. Als Beispiel nennen die Forscher, dass Grippe die Anfälligkeit für Pneumokokken erhöht, welche etwa Lungenentzündungen verursachen können.

Virenanteil im Winter deutlich höher

Die schottischen Wissenschaftler untersuchten nun, wie sich verschiedene virale Erreger gegenseitig beeinflussen. Dazu werteten sie Untersuchungsergebnisse von mehr als 44.000 Proben von Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen aus, die über neun Jahre im Großraum Glasgow analysiert worden waren. Zu den elf getesteten Virengruppen zählten etwa Erreger von Influenza A und Influenza B, Coronaviren, Adenoviren und Rhinoviren.

In gut einem Drittel der Proben (35 Prozent) wurde mindestens ein Virus identifiziert, wobei der Anteil im Winter deutlich höher lag. 8 Prozent aller Proben enthielten mindestens zwei virale Erreger. Als die Forscher die Häufigkeit gemeinsamer Vireninfektionen jeweils paarweise untersuchten, fanden sie negative wie auch positive Korrelationen zwischen Erregern. So traten etwa bestimmte Parainfluenzaviren (PIVB) und Adenoviren gehäuft gemeinsam auf.

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Umgekehrt war bei einer Infektion mit Grippeviren vom Typ Influenza A (IAV) die Präsenz von Rhinoviren um etwa 70 Prozent reduziert. Mit dem Anstieg der Grippeerkrankungen im Winter sank der Anteil der Rhinoviren-Nachweise deutlich, nach dem Abflauen der Grippewelle stieg er wieder an.

Atemwegserkrankungen fallen während Grippesaison stark ab

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Dies könnte erklären, warum Rhinoviren, die gehäuft vor allem im Herbst auftreten, mit dem Beginn der Grippesaison zurückgehen, schreibt das Team: „Unsere Studie bietet die bislang umfassendste quantitative Unterstützung für die Existenz von Interaktionen zwischen verschiedenen Gruppen von Atemwegsviren.“ Ob es sich dabei um eine kausale Verbindung handelt, lassen die Forscher offen.

Die Studie bestätige die auch in Deutschland gemachte Beobachtung, dass durch Rhinoviren verursachte Atemwegserkrankungen während der Grippesaison stark abfallen, sagt Silke Buda vom Robert-Koch-Institut (RKI), die nicht an der Studie beteiligt war. „Das sehen wir im Grunde jedes Jahr“, sagt die stellvertretende Leiterin des Fachgebiets für respiratorisch übertragbare Erkrankungen.

Allerdings habe die Studie Schwächen, was die Interpretation der Ergebnisse beeinträchtige. So würden etwa in den Daten weder Altersgruppen genannt noch werde angegeben, ob die Proben in Krankenhäusern oder in Arztpraxen genommen worden sind. „Man weiß nicht, wie repräsentativ die Proben sind.“ Zudem werde etwa bei Influenza A nicht zwischen den Subtypen A/H1N1 und A/H3N2 unterschieden, die sich je nach Alter der Patienten sehr unterschiedlich auswirkten. „Aber es gibt Interaktionen zwischen Viren“, sagt Buda. „Solche Interaktionen bei mathematischen Modellen zur Influenzaausbreitung zu berücksichtigen macht sicher Sinn.“

RND/dpa

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