Gestresst? Warum Sie es mal mit Kuhkuscheln probieren sollten

  • Sie fühlen sich ausgelaugt und würden gern mal wieder so richtig auftanken?
  • Dann versuchen Sie es mal mit Kuhkuscheln.
  • Bäuerin Melanie Eschmann über Wellness auf der Weide und Inspiration durch Rinder.
Stefan Wagner
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Sogar die „New York Times“ schreibt über Kuhkuscheln, also „cowcuddling“. Fühlen Sie sich als Trendsetter?

Dass Kuhkuscheln jetzt weltweit bekannt wird, freut mich total. Vor allem als wir vor acht Jahren damit anfingen, haben sich viele über unser Relaxen mit Rindern lustig gemacht. Trendsetter sind in diesem Fall aber Bauern in den Niederlanden, die das schon seit Jahrzehnten praktizieren.

Bei Kühen denken die meisten zunächst an Milch und Steak. Sie bieten Rinder als Kuscheltiere an. Warum?

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Wir sind ein Nebenerwerbsbauernhof mit zwölf Rindern. Irgendwann haben wir gemerkt, dass Kühe nicht nur Nutztiere sind, sondern wunderbare Wesen, die eine zutiefst beruhigende Wirkung auf Menschen haben, die den Menschen dabei helfen können zu entspannen. In Deutschland gehören wir zu den ersten Betrieben, die diese Entspannungsmethode anbieten.

Zur Person: Auf ihrem Hof bei Nümbrecht-Berkenroth im Oberbergischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) bietet Melanie Eschmann-Rosenthal, 46, seit 2011 Kuhkuscheln an. Drei Stunden in einer Kuhherde kosten 35 Euro – Kuchenpause inklusive. Eine Intensivstunde allein mit Kuh Isabella in der Scheune kostet 25 Euro. © Quelle: privat

Was können wir von Kühen lernen?

Sie sind ein Ozean der Ruhe. Die Tiere scheinen menschliche innere Unruhe und Fragestellung in sich aufzunehmen und in Gelassenheit und Vertrauen umzuwandeln. Wir erleben fast täglich, wie bei Menschen der Wunsch entsteht, still zu werden und im Kontakt mit den Tieren der eigenen Intuition zu folgen.

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Wie läuft das Kuhkuscheln ab?

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Es gibt keine wirklichen Regeln, Gäste sollten sich nur langsam um die Kühe herum bewegen, sonst erschrecken sie. Ansonsten ist alles drin, die Tiere lieben es, gestreichelt zu werden, vor allem an Stellen, an die sie selbst nicht hinkommen, zum Beispiel hinter den Ohren. Manchmal weiß ich nicht, wer das Kuscheln mehr genießt, die Kuh oder der Mensch. Unsere Gäste stehen mit Kühen auf der Weide oder sie legen sich an eine liegende Kuh. Ich mag es besonders, wenn ein Rind daliegt und wiederkäut. Lege ich dann meinen Kopf auf seinen Bauch, höre ich seine Verdauungsgeräusche. Das ist überraschend entspannend.

Was fasziniert Ihre Gäste an den Schmusestunden?

Kühe tun den Menschen einfach gut. Sie wirken komplett entschleunigend und sie scheinen zu spüren, was der Mensch braucht. Wir arbeiten oft mit Kindern mit ADHS. Die Ruhe der Kühe überträgt sich auf die Kinder. Das hält länger vor als so manches Medikament. Trauernde werden durch die Interaktion mit der Kuh von ihrem Schmerz abgelenkt. Burn-out-Patienten finden Tiefenentspannung. Ein Mann hat seiner Verlobten beim Kuhkuscheln einen Heiratsantrag gemacht. Der Ring war in einem Säckchen, das an einem Halsband der Kuh hing. Natürlich hat die Frau Ja gesagt. Einmal hatten wir einen schwerbehinderten Mann im Rollstuhl. Unser Bulle Poldi drückte sanft seine Stirn an die Stirn des Mannes und so verharrten die beiden viele Minuten lang. Das war ein magischer Moment.

Ist es nicht gefährlich, sich so nah an die Kühe zu wagen, sie wiegen schließlich bis zu 700 Kilogramm?

Kühe sind sanfte Riesen, sie haben kein Interesse an schnellen Bewegungen oder gar Angriffen auf Menschen. Beim gemeinsamen Kuscheln baut sich auch Vertrauen auf, da sind kein Hass, keine negativen Emotionen. Man sollte jedoch auf seine Füße aufpassen, denn die Kühe schauen da nicht drauf, sondern gehen einfach. Steigt einem eine Kuh auf die Sandale, kann das ganz schön wehtun. Aber das passiert extrem selten. Wichtig ist allerdings, dass Kuschelfans nicht denken, sie könnten auf jeder beliebigen Weide eine Schmusesession einlegen. Unsere Tiere sind von klein auf daran gewöhnt, Menschen um sich zu haben. Wer sich auf einer fremden Weide einem Kalb nähert, könnte schon mal von einem Bullen angegangen werden, der die Herde schützen will.

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Schmutziges Fell, nervige Fliegen, Kuhfladen auf der Wiese – stellt sich da die entspannte Stimmung nicht schwer ein?

Kühe sind keine Katzen oder Plüschtiere, natürlich ist ihr Fell manchmal etwas staubig. Aber es ist nützlich, sich auch mal auf etwas anderes einzulassen und die Äußerlichkeiten nicht in den Vordergrund zu stellen. Wenn Sie auf dem warmen Bauch einer Kuh liegen und ihren Herzschlag spüren, werden Sie genau wissen, was ich meine.