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Gender-Problem Plastik: Frauen leiden mehr unter Giftstoffen als Männer

Durch Kosmetik, Hygieneartikel oder Arbeiten im Haushalt kommen Frauen häufiger in Kontakt mit Kunststoff.

Durch Kosmetik, Hygieneartikel oder Arbeiten im Haushalt kommen Frauen häufiger in Kontakt mit Kunststoff.

Hannover. Die Auswirkungen von Giftstoffen aus Plastik sind bei Männern und Frauen unterschiedlich, wie aus dem am Donnerstag von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) veröffentlichten "Plastikatlas 2019" hervorgeht. Das liege an biologischen Umständen und an verschiedenen Lebensverhältnissen. Demnach haben Frauenkörper mehr Körperfett und reicherten in ihrem Gewebe deshalb fettlösliche Chemikalien wie etwa Phthalat stärker an. Der Kunststoff-Weichmacher gilt auch laut Umweltbundesamt als höchst gesundheitsgefährdend. Besonders sensibel auf die Giftstoffe re­agiere der weibliche Körper in Lebensphasen wie Pubertät, Stillzeit, Menopause und Schwangerschaft, heißt es im Plastikatlas-Bericht. Das könne auch Folgen für das ungeborene Kind haben.

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Die Chemikalien Endokrine Disruptoren (ED), die ähnlich wie Hormone wirken, seien besonders problematisch. „Da die Plazenta keine sichere Barriere ist, können ED schon im Mutterleib all die Entwicklungsphasen stören, die hormonell gesteuert werden“, erklären die Autoren. Das könne Fehlbildungen bei Neugeborenen und Erkrankungen begünstigen, die sich erst viel später zeigten. Doch die Auswirkungen von ED betreffe Frauen und Männer gleichermaßen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO vermutet, dass hormonbedingte Krebsarten wie Brust- und Hodenkrebs, auf diese Chemikalien zurückzuführen sind.

Hygieneprodukte und Kosmetik sind Chemiebomben

Als problematisch gelten vor allem Hygieneprodukte, beispielsweise Tampons und Binden: Der Plastikanteil bei Tampons liege bei bis zu sechs Prozent, Binden bestehen demnach zu 90 Prozent aus rohölbasiertem Kunststoff. Beide könnten unter anderem hormonell wirksames Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS) enthalten. Eine Hochrechnung der Autoren: „In den USA benutzt eine Frau in ihrem Leben zwischen 12.000 und 15.000 dieser Produkte“. Als Alternative könnten Frauen auf waschbare Mehrwegprodukte oder wiederverwendbare Menstruationstassen zurückgreifen.

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Eine weitere Schadstoffquelle könnten Kosmetika sein. „Ein Viertel aller Frauen in westlichen Industrieländern ver­wenden bis zu 15 unterschiedliche Produkte täglich. Nicht selten enthalten diese bis zu 100 Chemikalien, einige davon schaden der Gesundheit“, ist in dem Bericht zu lesen. Zudem stecke in vielen Kosmetika Mikroplastik. Dieses schade nicht nur der Umwelt, die kleinen Partikel könnten auch einem ungeborenen Kind schaden, wenn sie durch die Plazenta zum Fötus gelangten.

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Ob auf der Arbeit oder im Haushalt: Chemikalien

An der Arbeitsstelle oder im Haushalt sind Frauen ebenfalls verstärkt dem Plastik ausgesetzt. Dem Bericht zufolge sind weltweit schätzungsweise 30 Prozent der Beschäftigten in der Kunststoffindustrie Frauen. Vor allem in Entwicklungsländern, wo es an Maßnahmen zum Arbeitsschutz fehle, sei der Umgang mit Plastik ein Risiko.

Zudem seien nach wie vor mehr Frauen vom Chemikalieneinsatz im Haushalt oder in einem Reinigungsberuf betroffen. Reinigungsmittel enthielten ebenfalls Mikroplastik und Schadstoffe wie etwa gesundheitsschädliche Tenside oder Lösungsmittel. Als Alternative raten Experten zum Gebrauch schadstoffarmer Reinigungsprodukte oder herkömmlicher Mittel wie Schmierseife oder Zitronensäure. Eine kritische Auswahl könne die Belastung von Mensch und Umwelt verringern, raten die Forscher.

Gleichberechtigung auch bei Plastikkrise

Um ein grundlegendes Umdenken zu ermöglichen, seien Frauen eine wichtige Zielgruppe. „Frauen nehmen verschiedene Gefahren sensibler wahr als Männer und sind weniger bereit, Mensch und Umwelt Risiken auszusetzen“, schreiben die Forscher. Auch deute viel darauf hin, dass sie umweltbewusster handelten: Initiativen, die darauf zielen, Mensch und Umwelt vor Schadstoffen zu schützen, gingen häufiger von Frauen aus. Ihr Engagement brauche deshalb einen gleichberechtigten Platz – sowohl in der Politik, als auch in Unternehmen und in Familien.

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Der Plastikatlas 2019 betitelt die Plastikkrise als dritte große Herausforderung für die Menschen – nach der Klimakrise und dem Artensterben. Der Bericht will verdeutlichen, dass die meisten internationalen Unternehmen ihrer Verantwortung nicht nachkommen.

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Von RND/ame

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