Wahre Corona-Zahlen aktuell völlig unklar: Wie Deutschland derzeit im Dunkeln tappt

  • Momentan werden deutlich weniger Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet.
  • Das liegt vor allem daran, dass während der Feiertage weniger Fälle erfasst werden.
  • Erst im Laufe der ersten Januarwoche ist wieder mit verlässlicheren Zahlen zu rechnen.
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Zuletzt wurden deutlich weniger Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, bei ähnlich hohen Todeszahlen. Doch die Daten sind nicht wirklich aussagekräftig. Denn wegen der Feiertage werden derzeit ganz einfach weniger Infektionen erfasst, darauf weist das Robert-Koch-Institut (RKI) hin.

Während der Weihnachtsfeiertage, zum Jahreswechsel und an den umgebenden Tagen sei „bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass zum einen meist weniger Personen einen Arzt aufsuchen“, heißt es auf der Internetseite des Instituts: „Dadurch werden weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet werden“, so das RKI. Zudem könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen ihre Daten an das RKI übermitteln.

Todeszahlen möglicherweise auch unvollständig

Von einer echten, starken Abnahme der Infektionszahlen ist also nicht unbedingt auszugehen. Aber werden auch weniger Todesfälle gemeldet, als es tatsächlich gibt? Das sei zumindest nicht auszuschließen, sagt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des RKI. „Es kann sein, dass einige Gesundheitsämter, die dünner besetzt sind, die Zahlen mit Verzögerung übermitteln.“

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In welchem Ausmaß die gemeldeten Neuinfektionen und Todesfälle von der Zahl der tatsächlichen Fälle abweichen, lasse sich aber unmöglich abschätzen. „Es gilt die Woche nach den Feiertagen abzuwarten, bis die gemeldeten Zahlen wieder verlässlicher sind.“ Ob also nur wegen der Feiertage weniger Neuinfektionen gemeldet werden, oder ob diese tatsächlich – anders als die Todeszahlen – etwas abnehmen, bleibt unklar.

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Zahl der Todesfälle vom Alter der Infizierten abhängig

Die Zahl der Todesfälle hängt aber ohnehin nur bedingt mit der Gesamtzahl der Neuinfektionen zusammen. „Es kommt darauf an, in welcher Altersgruppe die Menschen erkranken“, sagt RKI-Sprecherin Glasmacher. Schließlich sind es vor allem ältere Menschen, bei denen eine Erkrankung tödlich verläuft.

Das mittlere Alter der an oder mit Covid-19 Verstorbenen liegt in Deutschland bei 83 Jahren. Wenn sich mehr Menschen in dieser Altersgruppe anstecken, steigen die Todeszahlen. Falls sich vor allem jüngere Menschen neu infizieren, wie in den Sommermonaten, ist nur mit äußerst geringen Todeszahlen zu rechnen.

Aktuell infizieren sich vor allem ältere Menschen

Das RKI ermittelt daher seit einiger Zeit auch die 7-Tagesinzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner) in der Gruppe der über 80-Jährigen. Sie liegt bei 303 und ist damit fast doppelt so hoch wie die 7-Tagesinzidenz in der Gesamtbevölkerung. Es infizieren sich derzeit also ausgerechnet diejenigen, denen das Virus schnell gefährlich werden kann.

Daher ist auch vorerst noch mit einer Erhöhung der Todeszahlen zu rechnen. Zu beobachten ist diese – unabhängig von den Feiertagen – dabei stets mit zeitlicher Verzögerung. So werden ältere Menschen mit schweren Verläufen zunächst zwei bis drei Wochen im Krankenhaus behandelt, ehe sie entweder die Krankheit überstanden haben oder ihren Symptomen erliegen. Das bedeutet auch: Selbst wenn sich irgendwann wieder weniger alte Menschen infizieren, wird die Zahl der Todesfälle erst mit zeitlicher Verzögerung abnehmen.

Seit Oktober hatte die Zahl der täglich an oder mit Corona Verstorbenen in Deutschland zugenommen. Auf eine Million Einwohner kommen in Deutschland derzeit pro Tag rund sieben offizielle Corona-Tote.

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