Geimpfte, Genesene und Getestete: Wie infektiös sind sie noch?

  • Wer geimpft ist oder bereits eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hat, muss sich künftig nicht mehr testen lassen.
  • Geimpfte und Genesene sollen mit negativ Getesteten gleichgestellt werden, weil sie das Virus nur noch selten übertragen. Es ist aber nicht ganz auszuschließen, dass sie andere weiterhin anstecken können.
  • Wie hoch ist die Infektionsgefahr, die von Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten noch ausgeht?
Irene Habich
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Geimpfte und Genesene sollen bald genauso behandelt werden wie jemand, der ein negatives Testergebnis vorlegen kann. Lässt sich das wissenschaftlich begründen – und welches Restrisiko geht von Geimpften, Genesenen und Getesteten noch aus?

Geimpfte sind schon allein deshalb weniger ansteckend, weil Impfungen einen Großteil der symptomatischen Infektionen mit dem Coronavirus verhindern und geimpfte Personen seltener erkranken. Asymptomatische Infektionen können bei Geimpften weiterhin vorkommen, auch sie treten aber offenbar seltener auf. In einer Studie aus Großbritannien war die Anzahl asymptomatischer Infektionen nach der abgeschlossenen Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer um 70 Prozent reduziert. Die Gefahr, andere anzustecken, ist zudem bei Asymptomatischen in aller Regel geringer, weil sie eine geringere Viruslast haben und nicht durch Husten oder Niesen Tröpfchen verbreiten.

Klar ist aber, dass Geimpfte weiterhin andere anstecken können, wenn sie trotz der Impfung symptomatisch erkranken. Solche „Impfdurchbrüche“ kommen vor: Kein Vakzin erzeugt einen Impfschutz von 100 Prozent. Stattdessen geben die Hersteller an, dass ihre Impfungen Covid-19-Erkrankungen zu etwa 95 Prozent (Biontech/Pfizer und Moderna) oder 76 Prozent (Astrazeneca) verhindern.

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„Partielle Immunität“ bei Genesenen

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Hierbei ist zu beachten, dass in den Studien hauptsächlich jüngere Probanden geimpft wurden. Bei älteren Geimpften kann die Wirkung der Impfung geringer ausfallen. Auch könnten einige neu aufgetretene Mutationen des Virus den Impfschutz herabsetzen. In welchem Ausmaß, daran wird noch geforscht.

Das Robert Koch-Institut (RKI) kommt nach einer Auswertung der aktuellen Datenlage zu dem Schluss, dass sich das Risiko einer Virusübertragung bei Geimpften „stark vermindert“, ohne genau beziffern zu können, wie stark sich dieses reduziert. Es empfiehlt daher, „auch nach der Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten.“

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Bei Genesenen geht das RKI davon aus, dass mindestens für sechs Monate eine „partielle Immunität“ besteht. Eine erneute Ansteckung und ein damit einhergehendes Übertragungsrisiko für andere Personen kann laut RKI aber „nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden“. Wie hoch genau der Immunschutz Genesener in den ersten Monaten nach einer Infektion ausfällt, lässt sich noch nicht mit abschließender Sicherheit sagen.

Genesene ähnlich gut wie Geimpfte geschützt

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Eine Studie, die die Medizinische Universität Graz zusammen mit der Stanford University durchgeführt hat, kam aber zu dem Ergebnis, dass eine durchgemachte Infektion wahrscheinlich ähnlich gut wie eine Impfung vor einer neuen Infektion schützt. Das Risiko, sich innerhalb von sieben Monaten erneut zu infizieren, reduzierte sich in der Studie nach einer durchgemachten Infektion um 91 Prozent. Genau wie für Impfdurchbrüche gilt allerdings auch für Reinfektionen, dass das Auftreten immer neuer Varianten des Virus diese wahrscheinlicher machen könnte.

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Ungeimpfte, die sich noch nie mit dem Coronavirus infiziert haben, müssen sich in vielen Fällen vorerst noch weiter testen lassen. Um die Aussagekraft von negativen Antigentests hatte es immer wieder Debatten gegeben: Auch sie liefern keine hundertprozentige Sicherheit. Die Antigenschnelltests reagieren weniger empfindlich als PCR-Tests, die selbst dann noch positiv ausfallen können, wenn Infizierte gar nicht mehr ansteckend sind. Infizierte mit einer hohen Viruslast, von denen also eine erhöhte Ansteckungsgefahr ausgeht, scheinen auch Schnelltests aber relativ zuverlässig zu erkennen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat zudem Mindestkriterien aufgestellt, die die Antigentests erfüllen müssen. Demnach müssen die Tests mehr als 80 Prozent der Proben richtig als positiv erkennen, bei denen auch ein PCR-Test anschlagen würde. Man spricht hierbei auch von einer Sensitivität von 80 Prozent. Bei allen Schnelltests, die in Deutschland für den Eigengebrauch zugelassen werden, ist die Sensitivität durch das PEI bereits überprüft worden. Sie fallen also, wenn sie korrekt durchgeführt werden, zumindest nicht deutlich ungenauer als ein PCR-Test aus. Auch die Schnelltests zur professionellen Anwendung, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf seiner Seite auflistet, werden nach und nach durch das PEI überprüft. Sollten sie die Mindestanforderungen nicht erfüllen, werden sie von dieser Liste gestrichen.

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