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Gefährliches Pestizid auf Mandarinen und Orangen – kommt jetzt ein EU‐Verbot?

  • Chlorpyrifos wird weltweit in der Landwirtschaft genutzt, um gegen Insekten vorzugehen.
  • Dabei können selbst kleine über Obst und Gemüse aufgenommene Mengen schädlich sein – vor allem für Kinder.
  • Ein europaweites Verbot des Insektizids könnte ein Anfang sein, um Verbraucher zu schützen.
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Hannover. Prall gefüllt sind die Warentheken in den Supermärkten in der Winterzeit mit Zitrusfrüchten: Orangen, Zitronen, Mandarinen. Aber Vorsicht: Auf der Schale der saftigen Früchte befindet sich in vielen Fällen ein gefährliches Pestizid. Chlorpyrifos heißt das Insektengift – und ist in Deutschland seit 2009 verboten.

Landwirte in 20 anderen europäischen Ländern nutzen das Pestizid aber weiterhin beim Anbau, um den Ertrag bei der Ernte zu steigern. So landet das Insektizid dann doch wieder in den deutschen Haushalten. Chlorpyrifos kommt weltweit zum Einsatz und gilt als eines der am häufigsten eingesetzten Pestizide. Nicht nur beim Anbau von Orangen und Mandarinen, sondern beispielsweise auch von Mais, Sojabohnen, Brokkoli und Äpfeln.

Europäische Behörde sieht Gesundheitsrisiko durch das Insektengift

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In der Europäischen Union läuft die Zulassung für Chlorpyrifos im Januar 2020 aus. Deshalb entscheidet diese Woche die Europäische Kommission darüber, ob es weiterhin genutzt werden darf. Der Hintergrund: Das Pestizid Chlorpyrifos erfülle nicht die Kriterien, die nach den Rechtsvorschriften für eine Verlängerung als zugelassener Stoff in der Europäischen Union vorgeschrieben sind, betont die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA).

Im Juli 2019 hat die oberste europäische Lebensmittelbehörde eine Stellungnahme zum Pestizid für die Europäische Kommission veröffentlicht – und spricht von Risiken für die Gesundheit. Neu sind die Bedenken jedoch nicht. Wissenschaftler sprechen sich schon länger gegen die Verwendung des Pflanzenschutzmittels aus – und warnen vor massiven gesundheitlichen Risiken wegen neurotoxischer Wirkung.

Chlorpyrifos schädigt Gehirne von Kindern

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So bestehe die Gefahr, dass das Pestizid die Entwicklung des Gehirns von im Mutterleib heranwachsenden Kindern beeinträchtigen könne, stellte bereits 2012 ein Forscherteam der Columbia University in einer Studie fest. Die Gehirne seien bei einer Aufnahme von Chlorpyrifos tendenziell kleiner, die Heranwachsenden hätten später mit neurologischen Entwicklungsstörungen zu kämpfen.

Auch Ratten hätten in Testversuchen auf geringe Dosierungen des Insektizids empfindlich reagiert, ihr Gehirngewicht sei geschrumpft, berichtet die EFSA. Und Wissenschaftler aus Dänemark und Schweden hatten 2018 auf gravierende Unstimmigkeiten im Zulassungsprozess des Herstellers hingewiesen. Der habe bei seinen Tests schlichtweg ausgelassen, dass Chlorpyrifos Wirkungen auf das Gehirn habe.

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Hilft ein EU‐Verbot gegen das Pestizid?

Bei der Abstimmung der EU‐Kommission werde sich Deutschland für ein Verbot des Insektizids einsetzen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Für ein europaweites Verbot müssten sich mindestens 65 Prozent aussprechen, also 15 Mitgliedsstaaten. Spanien, Griechenland, Italien und Portugal könnten hingegen dagegenstimmen. Dort wird das Mittel verstärkt eingesetzt, denn dort wachsen schließlich auch die meisten Zitrusfrüchte.

Zudem wächst der Druck der Lobbyisten auf die Entscheidungsträger in der EU, wie Recherchen von BR, „SZ“ und „Le Monde“ verdeutlichen. Wegen des drohenden Verbots von Chlorpyrifos machen laut den Medienberichten Hersteller und ihre Anwälte Druck auf die Behörden. Das US-amerikanische Unternehmen Corteva etwa habe die negativen Einflüsse auf das menschliche wie tierische Gehirn bestritten, das Pestizid sei gründlich untersucht und in rund 80 Ländern zugelassen.

Selbst wenn das Pestizid jetzt in der Europäischen Union verboten wird, landen die gefährlichen Stoffe über Obst- und Gemüseimporte aus dem weltweiten Handel weiterhin in den deutschen Supermarktregalen. Um absolut sicher zu sein, dass das Insektizid nicht auf der Schale haftet, müsste es ein komplettes Importverbot geben.

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Wie können sich Verbraucher vor Pestiziden schützen?

Um Pestizide in Lebensmitteln zu vermeiden, gibt es laut der Umweltschutzorganisation BUND „ein sehr einfaches Patentrezept“: beim Einkaufen auf Bioprodukte setzen. Im Bioanbau seien sämtliche chemisch‐synthetischen Pestizide tabu. Vergleichende Tests ergäben immer wieder, dass in Bioprodukten weniger bis kaum Pestizide nachweisbar sind. Eine Datenbank zu verwendeten Pestiziden in Lebensmitteln bietet das englischsprachige Portal What’s on My Food, auch erhältlich als iPhone-App.


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