Gefährlicher Glukosemix? Das sollten Sie über den Glukosetest wissen

  • Eine junge Frau und ihr Neugeborenes sind in der vergangenen Woche nach einem Glukosetest gestorben.
  • Schuld daran soll ein verunreinigter Glukosemix sein.
  • Glukosetests werden bei schwangeren Frauen eingesetzt, um eine mögliche Diabetes-Erkrankung festzustellen.
Luisa Ziegler
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Köln. Am Montagabend ist bekannt geworden, dass in Köln eine junge Mutter und ihr neugeborenes Kind nach der Einnahme von einem Glukosegemisch gestorben sind. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei dem Gemisch um einen Glukosetest – ein Test auf Diabetes, der üblicherweise bei schwangeren Frauen durchgeführt wird. „Mit diesem Zuckerbelastungstest wird überprüft, ob eine Diabetes-Erkrankung vorliegt, die dem ungeborenen Kind schaden könnte“, bestätigt Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft findet dieser normalerweise zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche statt.

Glukosegemisch wird für Diabetes-Tests eingesetzt

Die Inhaltsstoffe des Tests sind sehr überschaubar: Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft schlucken die Patienten bei dem Test 300 Milliliter Wasser, dem 75 Gramm Glukose zugesetzt wurden. Doch was ist Glukose eigentlich? „Glukose ist Traubenzucker. Ganz normaler Haushaltszucker also, den man auch zum Beispiel zum Backen einsetzen kann“, erklärt Grau. Dabei handelt es sich um eine natürlich vorkommende chemische Verbindung, die eine wichtige Energiequelle für Menschen darstellt. Sie wird mit der Nahrung aufgenommen und bewirkt im Körper einen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Genau diese Wirkung wird bei einem Glukosetest genutzt, um eine Diabetes-Erkrankung festzustellen. Nachdem die Patienten die Flüssigkeit getrunken haben, wird ihr Blutzuckerspiegel vom Arzt alle paar Minuten überprüft. Ist die Schwangere gesund, dann sinkt der Wert rasch. Liegt allerdings eine Diabetes-Erkrankung vor, dann zeigt sich das an einem anhaltend erhöhten Blutzuckerspiegel.

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Nur in riesigen Mengen schädlich

Der Glukosetest kann in jeder Apotheke gekauft werden, verschreibungspflichtig ist er nicht. Nicht nur bei Diabetes-Tests wird Glukose in der Medizin eingesetzt. „Auch einige Säfte enthalten Glukose, wenn sie von sich aus nicht süß genug sind“, so Grau. Glukose an sich ist nicht gefährlich, erklärt der Apotheker. Erst in sehr großen Mengen könne der Zucker gesundheitsschädlich werden. „Das müssten dann allerdings wirklich riesige Mengen sein“, sagt Grau. Selbst ein ganzes Glas purer Zuckersirup sei nicht gefährlich – die Süße würde allenfalls zu Übelkeit führen.

Apotheken mischen den Test selbst

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Mit der Glukose hängen die Todesfälle demnach nicht zusammen. Das Problem liegt stattdessen in der Herstellung: Laut der Polizei Köln sind die Ermittler in der betroffenen Apotheke auf einen toxischen Stoff gestoßen. Dieser Stoff sei in einem Glukosebehältnis in der Apotheke festgestellt worden. Die betroffene Frau starb an multiplem Organversagen, offenbar ausgelöst durch den Giftstoff.

Während die meisten Medikamente fertig gemischt an die Apotheken geliefert werden, müssen Apotheker den Glukosetest seit einigen Monaten selbst herstellen. „Bis vor einem halben Jahr wurde der Glukosetest von einer Firma hergestellt und geliefert“, erklärt Grau.

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Ermittler entdeckten toxische Stoffe

Seit einem halben Jahr sei das Gemisch jedoch dauerhaft nicht lieferbar. Für die Apotheker bedeutet das mehr Aufwand, für die Patienten gegebenenfalls eine längere Wartezeit, wenn der Test in der Apotheke erst gemixt werden muss. Eine Gefahr für die Gesundheit stellt auch das normalerweise nicht dar. „Die Inhaltsstoffe werden regelmäßig überprüft“, so Grau. Auch für die Zusammensetzung des Gemisches gebe es genaue Vorschriften.

Wie der Giftstoff in das Glukosepräparat gekommen ist, sei noch unklar, heißt es von der Polizei in Köln. Auch sei noch nicht sicher, ob die toxische Substanz in der Apotheke oder noch beim Hersteller in die Glukose gelangt ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen eines Tötungsdelikts gegen unbekannt. Die Behörden warnen nach wie vor vor der Einnahme eines Testpräparats auf Schwangerschaftsdiabetes aus der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich. „Die Einnahme von Glukosegemischen aus anderen Apotheken ist aber unbedenklich“, versichert Grau.

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