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  • Gebärmutterhalskrebs mit Pap- und HPV-Test erkennen: Das müssen Sie über Vorsorge und Impfung wissen

Gebärmutterhalskrebs: Veränderte Früherkennung für Frauen

  • Jährlich erkranken in Deutschland rund 4500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs.
  • Für Frauen ab 35 Jahren gibt es seit Januar 2020 nun eine wichtige Neuerung.
  • Welche Vor- und Nachteile bringt eine kombinierte Routineuntersuchung aus Pap- und HPV-Test mit sich?
Talisa Moser
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Seit 50 Jahren ist der Pap-Test eine bewährte Methode, Zellveränderungen und einen möglichen Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu erkennen. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 4500 Frauen neu, rund 1500 sterben pro Jahr daran.

Eine Neuerung des Gemeinsamen Bundesausschusses, gültig seit Anfang 2020, soll die Qualität der Vorsorge mittels Früherkennung bei Frauen jetzt verbessern. Bisher hatten alle Frauen ab 20 Jahren einmal im Jahr Anspruch auf einen von der Krankenversicherung übernommenen Pap-Test. Das ist eine Untersuchung zur Krebsfrüherkennung, bei welcher der Arzt einen Zellabstrich vom Gebärmutterhals macht, um Zellveränderungen aufzuspüren.

Kombinierte Früherkennung: HPV-Test und Pap-Abstrich

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Das bleibt auch weiterhin so. Für Frauen ab 35 Jahren gibt es ab Januar 2020 nun aber eine wichtige Neuerung. Frauenärzte bieten neben der jährlichen gynäkologischen Untersuchung alle drei Jahre einen Test auf humane Papillomviren (HPV) an, kombiniert mit einem Pap-Abstrich. Denn die HPV-Viren lösen den Gebärmutterhalskrebs aus.

Seit der Einführung der Pap-Test-Früherkennung konnte das Risiko, an dem ohnehin seltener gewordenen Gebärmutterhalskrebs zu sterben, zwar halbiert werden. Das HPV-Screening soll dieses Risiko aber noch weiter verringern.

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In anderen Ländern hat die Datenlage zu den durchgeführten HPV-Tests viele Gynäkologen überzeugt, vielerorts den Pap-Test sogar vollständig abgelöst. In den Niederlanden beispielsweise hat jede Frau ab dem 30. Lebensjahr fünfmal im Leben Anspruch auf einen HPV-Test.

HPV-Viren bedeuten nicht automatisch Krebs

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Einige Frauenärzte warnen durch diese Neuerung aber auch vor Chaos: Zahlreiche Frauen seien zwar mit HPV infiziert, weil die Viren beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Das Vorhandensein des Erregers sei aber noch nicht gleichzusetzen mit einer Krebsdiagnose. Die Sorge: Ein positiv ausgefallener Test könne unnötig Panik bei den Patientinnen auslösen.

Der Pap-Abstrich und der HPV-Test sind zwar die besten Untersuchungen, um Vorstufen rechtzeitig zu entdecken – sie haben jedoch ihre Grenzen. „Wer sie regelmäßig machen lässt, muss damit rechnen, mindestens einmal im Leben einen auffälligen Befund zu erhalten – ohne dass sich dahinter etwas Ernsthaftes verbirgt“, heißt es in der Info-Broschüre zu Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung vom Gemeinsamen Bundesausschuss.

Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge hat auch Nachteile

Immer wieder würden auch harmlose Veränderungen durch eine Operation behandelt. Solche „Überbehandlungen“ ließen sich bei der Früherkennung nicht generell vermeiden. Eine weitere Befürchtung des Berufsverbandes der Frauenärzte ist laut einer Pressemitteilung, dass es in Deutschland noch zu wenige Frauenärzte gebe, die diese Untersuchungen mit dem Kolposkop anbieten könnten. Das könne erstmal zu langen Wartezeiten in den Praxen führen.

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Auch wichtig: HPV-Impfung bei Jungen und Mädchen

Durch die 2006 eingeführte HPV-Impfung erhoffen sich Mediziner, durch HPV-Viren verursachte Krebserkrankungen in Zukunft weiter zu senken. Die Impfung wird für Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren angeboten und schützt laut BZgA in bis zu 90 Prozent der Fällen vor einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs. Auch Jungen sollten sich impfen lassen, weil die Viren auch Analkrebs auslösen können.

Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten in diesem Alter übernommen. Auch wer älter ist, kann sich noch nachträglich impfen lassen. Allerdings wird ein Schutz nach dem ersten Geschlechtsverkehr dann nicht mehr bei jedem HPV-Typen gewährleistet.

Frauen sind häufig schlecht informiert

Im Zuge des neuen Programms hat der Gemeinsame Bundesausschuss auch umfassendes Info-Material zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung herausgegeben. Das Material steht Interessierten auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses zum Download zur Verfügung.

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