Forscher testen erstmals von einer KI entwickeltes Medikament am Menschen

  • Forschern aus England und Japan ist es gelungen, ein Medikament mithilfe von künstlicher Intelligenz herzustellen.
  • Eingesetzt werden soll das Arzneimittel zur Behandlung von Zwangsstörungen.
  • Ab März 2020 beginnt in Japan eine erste Testphase am Menschen.
Laura Beigel
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Oxford/Osaka. Ein Medikament, das mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) hergestellt wurde – diesen medizinischen Meilenstein haben Forscher des Biotech-Unternehmens Exscientia aus Oxford und des japanischen Pharmakonzerns Sumitomo Dainippon Pharma erreicht. Das Arzneimittel mit dem Namen „DSP-1181“ soll zur Behandlung von Zwangsstörungen eingesetzt werden. Ab März 2020 beginnt in Japan eine erste Testphase.

Innerhalb von knapp zwölf Monaten war „DSP-1181“ einsatzbereit

Es wird das erste Mal sein, dass ein durch KI hergestelltes Arzneimittel in klinischen Studien am Menschen getestet wird. „Wir werden weiterhin hart daran arbeiten, dass diese klinische Studie zu einem Erfolg wird, der den Patienten so schnell wie möglich neue Vorteile bringen kann“, schreibt Exscientia über das Projekt auf seiner Webseite.

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„DSP-1181“ wurde von Algorithmen erstellt, die in einer riesigen Datenbank nach geeigneten, chemischen Strukturen für die neue Wirkstoffverbindung gesucht haben, um einen bestimmten Rezeptor im Gehirn zu stimulieren, der bei Zwangsstörungen aktiv ist. „Es sind Milliarden von Entscheidungen erforderlich, um die richtigen Moleküle zu finden, und es ist eine große Entscheidung, ein Medikament präzise zu konstruieren“, sagte Prof. Andrew Hopkins, Exscientia-Geschäftsführer, gegenüber der BBC. Berücksichtigt wurden bei der Molekülsuche auch die genetischen Faktoren eines Patienten.

Ein Algorithmus durchsuchte eine riesige Datenbank nach potenziellen Wirkstoffverbindungen. © Quelle: imago/imagebroker

Eine weitere Besonderheit des Medikaments ist die schnelle Entwicklungsphase: Innerhalb von knapp zwölf Monaten war „DSP-1181“ schon einsatzbereit. Normalerweise dauern Arzneimittelentwicklungen rund viereinhalb Jahre. Wenn das Medikament in der ersten Testphase erfolgreich ist, sollen weltweit weitere Studien folgen.

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Exscientia forscht an Medikamenten gegen Krebs

„Das Schöne an Algorithmen ist, dass sie agnostisch sind und daher auf jede Krankheit angewendet werden können“, sagte Hopkins und betont damit die Anpassungsfähigkeit der Algorithmen. Aktuell arbeite Exscientia an neuen Medikamenten zur Behandlung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und der Geschäftsführer geht noch einen Schritt weiter: „Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten möglicherweise alle neuen Medikamente von KI entwickelt werden.“

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